Das allsehende Auge in der Pyramide – Keine Chance für Pogomob-BandenDas Universum von Muse ist ein ganz eigenes: Die drei Bandmitglieder scheinen große Freunde von Verschwörungstheorien zu sein, was sich in Bühnendesigns wie drei Türmen oder der Pyramide der aktuellen Tour widerspiegelt. Aber trotz verschwörungstheoretisch relevanten Sponsoren wie Mc Donalds oder Coca Cola ließ es sich die Band nicht nehmen, die offizielle Hymne für Olympia 2012 beizusteuern. Auf jeden Fall ist jede Show des Trios ein visuelles Meisterwerk. EventElevator war beim Konzert in der Olympiahalle München dabei.
Die Pyramide ist das klassische Symbol aller Verschwörungstheoretiker weltweit, ein Symbol für Macht und Kontrolle: Wer ganz oben steht, hat alle Schichten unter ihm in der Hand. MUSE ist es zwar nicht gelungen, das reale System auf den Kopf zu stellen, im Bühnendesign ihrer aktuellen Tour erledigen Sie das dafür auf Knopfdruck. Licht- und Bühnendesigner Oli Metcalfe versteckt
die aus fünf Schichten bestehende Pyramide zu Beginn des Konzerts im Rigg und lässt sie nach den ersten paar Songs verkehrt herum aus dem Dach herabschweben.
Oli Metcalfe begleitet die Band seit ihren AnfangstagenWas dann folgt, ist ein visueller Parforceritt: Monochrome Farbwüsten wechseln sich ab mit medienkritischem Videogeflimmer, manchmal sehen die LED-Panels aus wie Material aus einem Science-Fiction-Film, weil sie so dezent leuchten, dass man entgegen besseren Wissens annehmen könnte, dass sie angestrahlt werden.
Mit der Pyramide ist das Thema LED übrigens noch lange nicht gegessen: Die gesamte 360-Grad-Bühne ist auf der Rückseite in ein schräges Rondell eingefasst, das ebenfalls komplett mit LED-Paneelen ausgekleidet ist und sich per ausklappbaren Schienen schnell und komfortabel , ebenso wie die beiden B-Stages links und rechts sowie ein Streifen vor der Bühne. Zusätzlich zu den fünf Ebenen der Pyramide kommen hier also weitere vier Ebenen hinzu. Durch die vielen Ebenen kann sich die Band enorm gut in das Design einfügen und das war auch Metcalfes Absicht: „Ich wollte die Band und ihre Performance immer in das Bühnendesign integrieren. Aus diesem Grund gibt es dieses Mal einen Catwalk eine Ebene über der eigentlichen Bühne, der diese halbkreisförmig umschließt. Der Zwischenraum ist vollständig mit LED-Screens ausgekleidet. Vor der Bühne gibt es eine weitere Ebene sowie zwei B-Stages, die sich links und rechts von der Hauptbühne befinden. Es gibt also insgesamt vier Ebenen, auf denen die Band performen kann und die Musiker nutzen diese Möglichkeit auch.“
Die Ansteuerung der Pyramide erfolgt per K2 von Kinesys, jede einzelne Schicht kann selbstverständlich separat angesteuert werden, schließlich hängt die Pyramide am Ende, wenn sie die Band verschluckt, richtig herum und wird auch während des Konzerts in allerlei verschiedene Formen verfahren.
Das Mothergrid hängt an einem Dutzend 2-Tonnen-Motoren und hält 20 die Motoren der Pyramide, die von Liftket stammen, ein deutsches Unternehmen aus Wurzen. Für jedes Layer kommen vier davon zum Einsatz.
Bühneneinblick von oben
Die Bühne ist als 360-Grad-Bühne konzipiert, was sich leider nicht in allen Venus realisieren lässt, in der Olympiahalle München war es glücklicherweise möglich. „Die Grundidee war es, das Publikum von oben in die Bühne hineinblicken zu lassen, da 80 Prozent der Zuschauer sich über der Bühne befinden. Aus diesem Grund wurde die Bühnenoberfläche komplett mit reflektierender Folie verkleidet, die wie ein Spiegel wirkt und die Bühne sozusagen verdoppelt“, erläutert Metcalfe sein Konzept.
Video ist immer noch ein großer Bestandteil des Bühnendesigns, durch den Content auf den LED-Screens werden die unterschiedlichsten Bühnenbilder und Storylines realisiert. Doch das Lichtdesign unterstützt die Videoshow nicht einfach nur, Metcalfe achtet darauf, dass sich beides ergänzt. Ein Beispiel hierfür sind die 60 Stück MAC 101 von Martin Professional, die in die LED-Module der Pyramide integriert sind. „Da es sich um Module mit einem Pixelabstand von nur 12 Millimetern handelt, ist die Transparenz nicht besonders hoch, aber es entsteht trotzdem noch ein sehr schöner Effekt, wenn die MAC 101 von hinten durch die Module strahlen“, beschreibt Metcalfe seine Design-Idee.
Die LED-Screens wurden von Radiant Technologies angefertigtDie LED-Screens wurden von Radiant Technologies angefertigt, die dafür Pixled-F12-Module von XL Video verwendeten. Für Metcalfe nicht die erste Wahl, aber letztendlich war der Preis ausschlaggebend und bis jetzt ist er sehr zufrieden mit dem Material, vor allem in Bezug auf Kontrast und Gammakorrektur.
Das Lichtrigg kommt im Gegensatz zum immensen LED-Aufgebot sehr aufgeräumt und zweckmäßig daher: Im Dach formen vier Trusses mit einer Länge von jeweils 12 Metern einen „Diamanten“, wie Metcalfe es beschreibt. Darin befinden sich 28 Vari-Lite VL3500 Wash, 28 Martin Professional Viper Profile, 32 Martin MAC Aura sowie 12 Atomics. Als Follow Spots kommen Robert Juliat FLO zum Einsatz. Bis auf die den Verschluss der Iris werden alle Funktionen der Spots vom FoH aus per DMX gesteuert, die Spotfahrer müssen das Gerät lediglich auf den Künstler richten. Darüber hinaus müssen sie bei dieser Tour nicht mehr per Leiter ihren Arbeitsplatz erklimmen, sie werden bequem mit einem Kettenzug nach oben manövriert.
Beim Truss handelt es sich um „Hot Truss“: Alle Movinglights fest verbaut sind und nicht für jede Show ein- und ausgebaut werden. Das Setup einer Show dauert so lediglich sechs Stunden, der Abbau ist in zwei Stunden erledigt.
Die neuen MAC Viper gefallen Metcalfe vor allem wegen der Schnelligkeit der Geräte, für ein Gerät der 1.000-Watt-Klasse findet er sie darüber hinaus erstaunlich hell. Beide Attribute sind wichtig für Metcalfes Design. Auch die Helligkeit der Tecnoarcs von High End Systems, die auf der Bühne selbst positioniert sind, hat ihn überzeugt, da sie seiner Meinung nach heller sind als andere im Rigg verbaute Geräte mit höherer Leistungsklasse – „das ist eben technischer Fortschritt“, kommentiert er achselzuckend. An den Tecnoarcs schätzt er darüber hinaus die Farbtemperaturen und den schönen Beam.
Die TechnoArcs von High End Systems sind in Vertiefungen im Bühnenboden eingelassen, über dem Rondell sind weitere 18 MAC Aura positioniert sowie einige MAC Viper Profile, die als Backlight in der „Hauptblickrichtung der 360-Grad-Bühne fungieren. Fünf Atomics runden das Bild ab, die übrigen 12 befinden sich im Rigg.
Wie schon bei der letzten Tour kommen auch dieses Mal wieder Laser zum Einsatz, insgesamt sechs Geräte mit einer Leistung von jeweils zehn Watt. Über dem Rondell sind in regelmäßigen Abständen Spiegel angebracht, die die Strahlen dieser sechs Geräte vervielfachen und für eine wirklich beeindruckende Lasershow sorgen. Die Steuerung der Laser erfolgt per Timecode über ein Pangolin-System.
Für die Live-Bilder kommen insgesamt fünf Kameras zum Einsatz: Zwei am FoH, zwei im Bühnengraben, dort ist auch noch eine Pole-Cam positioniert.
Über die Hog4 am FoH wird die gesamte Beleuchtungs-Infrastruktur kontrolliert, einschließlich der Catalyst-Mediaserver. Für die Datenübertragung verwendet Metcalfe ArtNet, um auf diese Weise den Verkabelungsaufwand zu minimieren, da alle Signale bequem mit nur einem einzigen Cat5-Kabel ins Rigg geschickt und dort über Nodes verteilt werden. Im Diamanten werden acht DMX-Universen benötigt, zwei weitere für die Pyramide und die darin verbauten MAC 101. Die Signalumwandlung erfolgt durch DP8000 von High End Systems, das eigentliche Datennetzwerk stammt von Luminex.
Die neue Hog4 kommt in München das vierte Mal bei dieser Tour zum Einsatz, der spontane Kommentar von Metcalfe lautet schlicht: „Fast!“ Er ist schlichtweg begeistert von der Bedienfreundlichkeit der Konsole, die sich ja schon seit den frühen Modellen einen Namen durch ihre spontane Bedienphilosophie gemacht hat. Das Showfile für die Muse-Show ließ sich problemlos von der Hog3 auf die Hog4 übertragen. Metcalfe hat von Barco einen Prototypen zu Testzwecken erhalten und zieht ein positives Fazit: „Sie haben denselben Fehler nicht zweimal gemacht“. Darüber hinaus ist die Hog4 mit allen Erweiterungen der vorherigen Serien kompatibel, ältere Fader Wings beispielsweise können problemlos verwendet werden.
Generell schätzt Metcalfe an der Hog-Philosophie die Sprache, die er mit der Konsole spricht: „Für einen Designer wie mich, der seine Entwürfe selbst programmiert, ist eine schnelle und umkomplizierte Verbindung von meinen Ideen zum fertigen Showfile existentiell. Die Hog ist die einzige Plattform, bei der das für mich funktioniert“. Die größeren Touchscreens der Hog4 gehören zu diesem Konzept ebenso wie Ideen, die noch nicht realisiert werden, aber Metcalfe macht Andeutungen, dass sich die Entwickler der Hog möglicherweise an der Bedienung von Smartphones orientieren werden und man in naher Zukunft möglicherweise Funktionen implementieren wird, bei denen man mit zwei Fingern wischen und ziehen kann, wie man es bereits heute von Mobiltelefonen her kennt.
Links:
Lichtequipment: Neg Earth
Oli Metcalfe im Muse-Wiki
Bildergalerie
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Autor/Fotos: Markus Wilmsmann