25 Jahre auf der Bühne, ein Nummer-1-Album und die bislang größte Show ihrer Karriere: Mit „Freigeistin“ tourte Sarah Connor im Frühjahr 2026 durch die Arenen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, im Sommer folgten dann ausgewählte Open-Air-Konzerte. Erstmals standen bei einer Sarah Connor-Show viele Tänzerinnen und Tänzer mit auf der Bühne, dazu kam ein kunstvoller Laufsteg mit leuchtendem LED-Boden bis zur zentralen B-Stage. An Showdesign, Abläufen und Regie hat die Künstlerin selbst intensiv mitgewirkt und dafür ein hochkarätiges Kernteam um sich versammelt.
Zum Kreativteam gehören unter anderem Gunther Hecker (Stage Design), Titus Georgi (Regie), Thomas Krautscheid (Video Director) und Julian Mathieu (Video-Content). Für EventElevator geben im Video Bertil Mark (Lichtdesign & Creative Direction), Tim Ehrenfried (Audio System Engineer, 4LIVE Production) und Ingo Thürauf (FOH Audio Engineer) interessante Einblicke in die Live-Technik der „Freigeistin“-Tour.
Über das Album „Freigeistin“
Mit „Freigeistin“ veröffentlichte Sarah Connor im Mai 2025 ihr drittes deutschsprachiges Studioalbum und das erste seit „Herz Kraft Werke“ von 2019. Es stieg direkt auf Platz 1 der deutschen Albumcharts ein und schließt eine Trilogie mit „Muttersprache“ und „Herz Kraft Werke“ ab. Einen Großteil der Songs schrieb sie an einem Strand in Frankreich, inspiriert von ihrem eigenen Leben.
Lichtdesigner Bertil Mark an seiner grandMA3 KonsoleDetails zum Show-, Licht- und Video-Design der „Freigeistin“-Tour
Mit seinem mächtigen Bühnendesign gab Gunther Hecker die Formensprache vor: ein Design, das von großen, verfahrbaren LED-Leinwänden geprägt ist und den Blick auf die Band erst später freigibt. Zunächst spielt sie im Dunkeln hinter der geschlossenen LED-„Tonne“. Erst wenn sich die drei bogenförmigen LED-Screens eindrucksvoll nach oben schieben, rückt sie in den Fokus. Die Vorgabe lautete, trotz der schieren Größe wieder mehr Nähe zum Publikum zu schaffen. „Wir bauen erst einmal die Räume um sie herum“, beschreibt Bertil Mark im Video den Ansatz. Bandriser, Video und Licht greifen Heckers Designvision auf, bilden sie nach und spielen sie weiter.
Das Stage Design der Tour stammt von Gunther Hecker.Der Aktionsradius ist groß, und das verlangt ein deutlich größeres Team, das auf zahlreiche Cues on- und offstage reagiert. „Eine Riesen-Crewleistung“, betont Bertil Mark stolz. Umso wichtiger ist, dass das Zusammenspiel der Gewerke reibungslos funktioniert: „Manchmal übernimmt der Videocontent, manchmal das Licht, manchmal die Dunkelheit, manchmal der Ton.“
Im Videobereich arbeitet Bertil Mark erneut mit dem erfahrenen Video Director Thomas Krautscheid zusammen. Das Content-Playback via PIXERA kombiniert timecode-gesteuerte Inhalte mit Content, den Mark live von seiner MA Lighting grandMA3 full-size triggert, tempounabhängig ergänzt oder auch ausschaltet. LED-Boden und große Videowände liefern dabei viel Grundlicht und übernehmen je nach Stimmung die Führung bei der Intensität. Die MA3-Software ist inzwischen fester Bestandteil aller aktuellen Touren, die Bertil Mark betreut.
Große Videoflächen und Laufsteg prägen den Look der Jubiläumstour.Fakten zu LED-Wänden und LED-Boden
Das Bühnenbild wird maßgeblich von LED-Flächen bestimmt. Upstage schließt eine große LED-Wand die Bühne ab, davor hängen drei halbrunde LED-Wände, die hoch- und runterfahren und die Band einschließen können. Seitlich ergänzen zwei I-MAG-Screens das Bild. Ursprünglich sollte sich dieser LED-Kegel sogar im Kreis drehen. Dafür hätte die Bühne aber deutlich weiter in die Halle ragen müssen, und der Innenraum war längst verkauft. Stattdessen schließt er sich nun von oben nach unten.
Alle geflogenen Wände bestehen aus INFiLED AMT-Modulen. Sie sind halbtransparent, sodass auch dahinter Scheinwerfer Platz finden. Der Bühnenboden besteht aus rund 130 m² Yes Tech MG Dance Floor 5.9.
Sarah Connor war in das Kreativkonzept der Tour stark involviert und fungierte auch als Regisseurin.Um die Signalverteilung kümmert sich LED-Systemtechniker Stefan Graf. Zwei Novastar MX2000 übernehmen das Hauptprocessing, per Glasfaser geht es auf die andere Bühnenseite und dort über Umsetzer auf CAT. Die Leitungen zu den fahrbaren Wänden laufen über eine Rolltraverse, rund 50 m Kabel je Strang, statt sich als Kabelberg hinter der Bühne zu sammeln. I-MAGs und Center-Wall werden jeweils separat per HD-SDI bespielt. So bleibt das Live-Bild mit etwa drei Frames Delay nahezu lippensynchron. In den Proben glich das Team die Farben von I-MAGs, Ringen und Boden über die 14-fache Farbkorrektur der Novastar COEX-Serie an. Die Helligkeit passt Graf je nach Hallengröße an.
Auch ruhige, emotionale Momente fand der Showverlauf.Keylight, Beams und Atmosphäre bei Sarah Connor
Beim Licht setzt Mark auf ein „schlankes, aber nicht unaufwendiges“ Setup, aufgeteilt in funktionale Lampen und Show-Fixtures mit mehreren Aufgaben. „Früher brauchte man mehr Lampen, um Intimität zu schaffen“, erklärt er. Heute reiche die Leuchtkraft weniger Geräte für intime Momente. Die Martin MAC Ultra Performance dienen als Key- und Follow-Licht, ROBE iFORTE sind als Effekt-Spots entlang der Bühnenarchitektur verteilt. Hinzu kommen 84 ROXX Cluster B2 FC als Blinder.
Weil viele Akteure auf der Bühne stehen, arbeitet das Team mit sechs FOLLOW-ME-Targets, gefahren von Operatoren statt per Auto-Tracking. Besonders hilfreich auf dem langen Steg sind die Zonen in FOLLOW-ME: Je nachdem, wo sich Sarah Connor gerade aufhält, werden Lampengruppen automatisch umgeschaltet. „Sonst würde ich die ganze Zeit nur an Intensitäten ziehen“, fügt der Lichtdesigner an. Das nehme enorm viel Arbeit ab.
Eyecandy: Die neuen GLP TWYN waren die „Allzweckwaffe“ im Floorset.„Die kleine Geheimwaffe“: GLP TWYN
Als „kleine Geheimwaffe“ bezeichnet Mark die zwölf GLP TWYN im Floorset. Bei Sarah Connor gab es bislang eher Strobe-Akzente als Strobo-Gewitter, auch wegen der organischen Materialien früherer Shows. In den Proben veränderten sich jedoch Arrangements und Intensitäten der Songs. Der Dual-Face-Movinghead kam dadurch weit häufiger zum Einsatz als geplant, gerade mit seinem Strobe-Part für kurze, intensive Akzente.
Die größte Herausforderung der Tour ist für Mark eine künstlerische: Trotz aller festgelegten Prozesse und Cues braucht Sarah Connor Freiraum zum Improvisieren. Die Crew muss jederzeit auf alles reagieren können, was am Tag oder während der Show passiert.
Licht-Equipment im Überblick (Auszug):
| Anzahl | Gerät | Einsatz |
|---|
| 86 | Robe iFORTE | Effekt-Spots |
| 84 | ROXX Cluster B2 FC | Blinder |
| 45 | Martin MAC Ultra Performance | Key- und Follow-Licht |
| 57 | GLP WildBar 16 | rund um den Laufsteg |
| 12 | GLP TWYN | Wash und Strobe-Akzente |
| 75 | ACME Pixel Line IP | lineare Akzente |
| 1 | FOLLOW-ME System | 6 Targets, manuell gefahren, Zonensteuerung auf dem Steg |
Fakten zu Line-Array und Audio-Setup der Freigeistin Tour
Für den langen Laufsteg hatte das Audio-Team eine klare Vorgabe. Bei Sarah Connor steht der Gesang an erster Stelle, er soll sehr präsent und verständlich sein. Deshalb durfte der Steg auf keinen Fall beschallt werden. Ingo Thürauf rief Audio System Engineer Tim Ehrenfried an und fragte, wie man das hinbekommt. Dessen Antwort: „Ganz einfach, wir beschallen ihn nicht.“
An der Position der Main-Hangs fliegt das d&b GSL System, allerdings sehr weit offstage gedreht. Es wirkt fast wie ein Side-PA und „rasiert“ den Steg hart ab. Dahinter hängen die d&b SL-SUBs für eine möglichst saubere Bassabdeckung von oben, daneben KSL als klassisches Side-PA. Einige SL-GSUB am Boden, teils unter der Bühne, decken den Nahbereich ab.
FOH Engineeer Ingo Thürhauf am FOH an seiner DiGiCo Konsole.Am Ende des Laufstegs hängt mitten im Raum die sogenannte „B-Stage-PA“ mit d&b KSL. Sie übernimmt vor der B-Stage vom GSL, beschallt den restlichen Innenraum bis in die Oberränge und arbeitet zugleich als Delay. „Zwei Fliegen mit einer Klappe“, so Ehrenfried.
Weil das Main-PA so weit ausgedreht ist, entsteht links und rechts vom Steg und im vorderen Bühnenbereich eine Lücke. Diese schließen dicht gesetzte Nearfills aus d&b Y7P und Y10P. Da die Bühne zwei Meter hoch ist, hängen sie an eigens gefertigten Konstruktionen an der Bühnenvorderkante, entlang von Hauptbühne, Steg und B-Stage. Das bringt gute Abdeckung und saubere Ortung. Positionen und Trimmhöhen verlangen allerdings mehr Aufmerksamkeit als bei einem klassischen Links-Rechts-System, etwa damit keine Lautsprecher vor LED-Wänden hängen.
Das Ergebnis: Der Steg bleibt ruhig. Für Ingo Thürauf wirkt die B-Stage-PA nahe am FOH wie eine große Abhöre. „Das Controlling ist ultra gut“, sagt er, weil der Klang am Platz weniger diffus wird.
Für die Beschallung wurden an der Bühne ein d&b GSL- und am Ende des Stegs KSL Line-Arrays verwendet.Musikalisch reicht die Bandbreite von fast elektronischen Songs bis zu Nummern, die nur mit Klavier oder Akustikgitarre begleitet werden. Elektronische Bassdrums liegen mal hiphopmäßig höher, mal deutlich tiefer. Das System muss all diese Energie im Bass tragen und gleichzeitig im Mittel- und Hochtonbereich fein auflösen, damit die Stimme gut steht.
Die Vocal-Kette ist bewusst klassisch mit einem dynamischen Mikrofon. Das ist gutmütiger, wenn Sarah Connor vor der Bühne und damit im Bereich der Beschallung steht. Thürauf mischt hybrid und nutzt für Kompression und EQ auch hochwertiges Outboard.
Auch Stargäste wie Johannes Örding belebten den Showverlauf. Neben dynamischen Mikrofonen setzte das Team auch erstmalig das De-Feedback Plug-in ein.Echter Gamechanger: das De-Feedback-Plug-in
Einen Gamechanger-Status hat für Ingo Thürauf das neue Plug-in De-Feedback V1 von Alpha Labs, obwohl er bei Begeisterungsstürmen in der Szene sonst eher zurückhaltend ist. Das Tool hat nur einen Regler von 0 bis 100 Prozent. Laut Thürauf wird das Mikrofon damit rund 6 dB lauter, bevor es koppelt, und der Raum verschwindet weitgehend aus dem Signal. Ursprünglich für Sprache entwickelt, funktioniert es auch beim Gesang sehr gut. So könne man sich mehr um den Sound des Mikrofons kümmern statt um „Schadensbegrenzung“.
Einen Freifahrtschein sieht er darin aber nicht. „Man darf das nicht falsch verstehen“, betont Thürauf: Einschalten allein erledige den Job nicht. Das Gesamtergebnis entstehe aus vielen kleinen Stellschrauben, vom PA-Konzept ohne Stegbeschallung bis zum Tuning.
Die Show hatte viele energetische Momente mit Tanz- und Performance-Einlagen.Das PA-Setup der „Freigeistin“-Tour im Überblick
Das Design des kompletten Beschallungssystems stammt von 4LIVE Production. Verstärkt wird durchgehend mit d&b D90.
| Bereich | Lautsprecher | Anzahl |
|---|
| Main PA | d&b GSL8 | 40 (2 Hangs) |
| Side PA | d&b KSL8 | 36 (2 Hangs) |
| Flown Subs | d&b SL-SUB | 16 (2 Hangs) |
| Ground Subs | d&b SL-GSUB | 10 |
| B-Stage PA / Delay | d&b KSL8 | 40 (2 Hangs) |
| Delay 02 (bei Bedarf) | d&b KSL8 | 2 × 6, aus der B-Stage PA |
| Fills | d&b Y7P | 10 |
| Fills | d&b Y10P | 10 |
| Fills | d&b CCL8 | 8 (2 Hangs) |
Das Audionetzwerk ist als redundantes Glasfasernetz (primär/sekundär) mit Luminex GigaCore 20T aufgebaut. Es verbindet Stage-Left, Stage-Right sowie die Delay-Positionen links und rechts. Die Amp-Racks für die B-Stage PA werden geflogen.
Sarah Connor performt „Interstellar“: Die verfahrbaren Screens prägten auch maßgeblich den futuristischen Look der großen Show.Eingespieltes Team
Dass eine Produktion dieser Größe trotzdem Raum für tägliche Kunst lässt, schreiben alle Beteiligten vor allem der Crew zu. Viele arbeiten seit Jahren mit Sarah Connor und untereinander zusammen. „Das ist eines der schönen Dinge hier“, fasst es Ingo Thürauf zusammen, „dass wir das alle schon so lange zusammen tun.“