Eurovision 2026 • Deep Dive – Lighting Programming

Overnight Programmer Manfred Nikitser passt Show Performances bei einer Night Session an.

Der Eurovision Song Contest ist traditionell ein Maßstab für das technisch Machbare in der Veranstaltungstechnik – ein Härtetest für Material, Netzwerk und Operator. Auch der ESC 2026 in der Wiener Stadthalle bildete keine Ausnahme.

Unter der Leitung von Lichtdesigner Tim Routledge lieferte die Crew eine bis ins kleinste Detail durchgeplante Produktion ab, die durch den massiven Einsatz der grandMA3-Architektur und intensiver Pre-Programming-Phasen in Syncronorm Depence erst möglich wurde. Unser kompaktes Lighting Programming Featurette Video fasst die größten Herausforderungen zusammen.

Pre-Programming mit Depence: Vier Wochen im Visualisierungs-Studio

Lange bevor die erste Traverse in der Wiener Stadthalle im Rigg hing, legte das Kreativteam das Fundament für die Show. Über vier Wochen verbrachte die Crew im Studio von Neg Earth Lights, um die gesamte Produktion vorzuprogrammieren. Die detailgenaue Visualisierung in Syncronorm Depence im Zusammenspiel mit der grandMA3 Software ermöglichte es Tim Routledge, seinen Associate Lighting Designern Morgan Evans und James Scott sowie dem Programmier-Team, die Show minutiös an die Gegebenheiten der österreichischen Venue anzupassen. Um einen perfekten Workflow zu garantieren, standen die Programmierer während der gesamten Pre-Production-Phase in engem Austausch mit dem Entwicklerteam von Syncronorm. So konnte jeder Aspekt der Lichtshow optimiert werden, noch bevor die physischen Proben vor Ort überhaupt begannen.

Martin Higgins (l.) und Alex Mildenhall (r.) beim Preprogramming im Studio von Neg Earth Lights in London. Mit Syncronorm Depence wird alles bis ins Detail visualisiert.

Denn ein besonderes technisches und optisches Highlight des diesjährigen Set-Designs war das kinetische Rigg, das über der Main Stage schwebte. Mit insgesamt 80 Winden von Kinetik Lights schuf das Team dynamische, raumgreifende Effekte, die spektakulär in das Gesamtbild integriert wurden und der Bühne zusätzliche Tiefe verliehen.

Hinter der Bühne – das Herzstück der Show: 8 grandMA3 Processing Unit L und 9 grandMA3 Processing Unit M.

Netzwerkarchitektur am Limit: Über 180.000 Parameter

Ein Blick auf die Systemdaten lässt das Herz jedes Netzwerk- und System-Techs höherschlagen: Das grandMA3-System steuerte beim ESC 2026 insgesamt über 3.000 physische Scheinwerfer. Um die gewaltige Summe von 181.181 Parametern verteilt auf 450 DMX-Universen latenzfrei und synchron zu verarbeiten, bedurfte es massiver Rechenleistung im Backbone. Die Netzwerk-Hardware bestand aus 28 grandMA3 Processing Unit L und 9 grandMA3 Processing Unit M. Die Verantwortung für diese gigantische und absolut fehlerfrei arbeitende Infrastruktur lag in den Händen von Richard Shout, der als leitender Netzwerkarchitekt das Daten-Rückgrat der Show betreute.

Der Licht-FOH war unter dem Green Room positioniert.

FOH-Setup und Shift-Work am Pult

Am Front of House dominierte eine gewaltige Pultlandschaft. Insgesamt waren elf Konsolen im Einsatz: acht grandMA3 full-size und drei grandMA3 light. Aus Gründen der Redundanz arbeitete jeder der drei Hauptprogrammierer an einer Kombination aus Haupt- und Backup-Konsole.

Alex Mildenhall an seiner grandMA 3 Konsole bei einem Show-Durchlauf.

Die Aufgaben am Pult waren hochspezialisiert und klar verteilt: Alex Mildenhall und Martin Higgins zeichneten als Moving-Light- und Effekt-Programmierer für die Dynamik im Rigg verantwortlich, während Marc Nicholson als Key-Light-Programmierer dafür sorgte, dass die Kameras stets perfekte Bilder der Künstler einfangen konnten. Um den extrem straffen Zeitplan einer ESC-Produktion und die zahllosen Anpassungen nach den Durchläufen bewältigen zu können, wurde in Schichten gearbeitet. Das sogenannte Late-Programming-Team, bestehend aus Olly Martin und Manfred Nikitser, übernahm ab dem Nachmittag. Sie nutzten zwei weitere grandMA3 full-size Konsolen, um bis tief in die Nacht Updates und Korrekturen in das Master-Showfile einzuarbeiten. Im Video erklären die Programmierer mehr zu ihrem Multi-User-Workflow und der Arbeit innerhalb der grandMA3 Software mit: XYZ-Kalibrierung, PSN-Daten und dem Einsatz von Recipes.

Overnight Programmer Olly Martin bei einer Night Session.

Eine Crew aus Spezialisten: Abgerundet wurde das Licht-Gespann durch weitere Schlüsselfiguren: Louise Smurthwaite koordinierte als Follow-Caller das gesamte Verfolgersystem. Sam Lisher verantwortete die Zuspielung im Bereich Playback-Video, während Keith Duncan als Beleuchtungsmeister (Gaffer) und Crewchef dafür sorgte, dass auf der handwerklichen und personellen Ebene der Produktion alles reibungslos ineinandergriff.

Martin Higgins: einer von zwei FX Moving Light Programmer beim Eurovision 2026.

Technische Spezifikationen (grandMA3 System) – Auszug

Die technischen Eckdaten zeigen die massive Skalierung des MA-Netzwerks, das für die reibungslose Steuerung der Show in Wien benötigt wurde:

Eingesetztes EquipmentAnzahl / Spezifikation
Physische ScheinwerferÜber 3.000
Gesteuerte Parameter181.181
DMX Universen450
grandMA3 Konsolen (Gesamt)11
– MA Lighting grandMA3 full-size8
– MA Lighting grandMA3 lite3
grandMA3 Processing Unit L28
grandMA3 Processing Unit M9