Der Eurovision Song Contest verwandelte die Wiener Stadthalle auch 2026 in eine Hightech-Arena für Show-Technik. Zum 70-jährigen Jubiläum hätte man keinen besseren Ort finden können, denn bereits zum 60. Geburtstag des legendären Contests war die österreichische Hauptstadt der Standort für das weltweit gefeierte TV-Event. Das große Team des Hostbroadcasters ORF und alle Produktionscrews waren dementsprechend motiviert, die globale Fanbase mit einer atemberaubenden Bühne und neuesten technischen Mitteln zu verzaubern: wandlungsfähig für über 30 performende Delegationen und viele aufregende Intervall-Auftritte wie von Parov Stelar oder Vorjahresgewinner JJ.
Die technische Finesse war auch dieses Jahr beeindruckend: angefangen von erstmalig eingesetzten ARRI ALEXA 35 Cinema-Kamerasystemen über 80 kinetisch gesteuerte Ayrton Rivale Movinglights bis hin zu einem fast schwerelosen Stagedesign mit einer schwungvollen Passerelle, die sich bis unter die Decke schraubte. Das Stage- und Lichtdesign tanzte erneut in der höchsten Liga des Show-Entertainments.
EventElevator trifft im ersten Teil seines Videos auf TV Director Michael Kögler vom ORF, Stagedesigner Florian Wieder sowie Lichtdesigner Tim Routledge. Weiterhin gibt Johannes Schau von BigRig Einblicke in den Aufbau in der Wiener Stadthalle. Das Lichtdesign entschlüsseln neben Routledge weitere Mitglieder aus seinem Team: An den MA-Konsolen haben wir die Main Moving Light Programmer Alex Mildenhall und Martin Higgins sowie Overnight Programmer Manfred Nikitser getroffen. Weiterhin zeigt Associate LD Morgan Evans Schlüsselpositionen der Venue.
Die geschwungene Passerelle rund um den Main-LED-Screen wurde mit zahlreichen ACME Pixelline IP akzentuiert.Set- und Production Design: Die Vision hinter der Bühne
Nach seinem spektakulären Design-Coup beim Eurovision in Basel waren Florian Wieder und sein Team auch dieses Jahr wieder für das Set- und Production Design der Eurovision-Bühne verantwortlich. Das Konzept stand von der Idee her im Geiste der Wiener Secession, dem bewussten Bruch mit Konventionen, dem Aufrütteln festgefahrener Strukturen und dem mutigen Schritt in die kreative Freiheit. Im Zentrum stand dabei ein unbeschriebenes Blatt, welches sich entfaltet wie eine offene Partitur. Diese Symbolik wurde mit einem gekurvten Infinity-LED-Screen umgesetzt, der fließend in den LED-Floor der Mainstage übergeht. Eine schwungvolle, begehbare Passerelle umläuft fliegend diesen Screen, fast wie ein Notenschlüssel. Dieser verspielte Catwalk-Abschnitt war zum Teil begehbar. Ein goldenes Grid aus Stelen dahinter ist sozusagen das Bindeglied zwischen Kunst und Funktionalität und gibt allem einen eleganten Frame. Das Set ist bewusst asymmetrisch gehalten, und runde Traversenkreise mit den Licht-Fixtures thronen über dem Set. Ein großer, zweigeteilter Catwalk durchquert von der Mainstage aus die Halle und geht dann in den obligatorischen Green Room über, der diesmal im Stile eines Wiener Kaffeehauses gestaltet wurde. Die bauliche Umsetzung der hochwertigen Set-Parts wurde von Unbranded übernommen, die auch viele der zahlreichen Props für die Delegationen anfertigten.
Eindrucksvoller Auftritt von JJ im Semi-Finale. Hier kamen die 80 Kinetic Lights Winden mit den Ayrton Rivale kunstvoll zum Einsatz.Highlights des Lichtdesigns beim Eurovision Song Contest 2026
Kinetisches Lichtspiel: Tim Routledge war, wie bereits im vergangenen Jahr, für das Lichtdesign zuständig. Eines der Herzstücke des diesjährigen Lichtdesigns war das kinetische Rig, das das Team direkt über der Mainstage installierte. Es umfasste 80 Winch XL Double-Systeme mit KL Gyro-Bewegungsstabilisatoren von Kinetik Lights sowie 80 dynamisch geflogene Ayrton Rivale Moving Lights, die mit einer Geschwindigkeit von 1,5 Metern pro Sekunde über der Hauptbühne schwebten und so ein monumentales kinetisches Herzstück bildeten. Teilweise wurde ein Dach über den Performances gebildet oder es wurden Wellen erzeugt, die fast schon an eine Kunstinstallation erinnern. Manchmal wurden einzelne Fixtures aus der Formation aber auch als Keylight eingesetzt, denn in Verbindung mit FOLLOW-ME konnten die Leuchten sogar während der Show präzise positioniert werden. Die Rivale-Fixtures steuerte das Team direkt via PSN-Daten von den grandMA3 Pulten aus.
Alexandra Căpitănescu performt „Choke Me“ für Rumänien.Eine wesentliche technische Neuerung der Anlage ist der Einsatz des KL Gyro-Bewegungsstabilisators, der speziell für Moving-Light-Anwendungen in Umgebungen mit hoher Bewegungsgeschwindigkeit entwickelt wurde. Im Gegensatz zu herkömmlichen Stabilisierungssystemen, die in der Regel nur eine einzige Bewegungsachse kompensieren, stabilisiert der KL Gyro aktiv sowohl die Schwenk- als auch die Neigebewegung der Movinglights, während diese durch den Raum fliegen. Dies ermöglicht eine präzise Beam-Positionierung und flüssige Lichteffekte selbst bei schneller Beschleunigung und komplexen Bewegungschoreografien und verbindet so die Flexibilität kinetischer Bewegung mit der Präzision, die für das Lichtdesign nötig ist.
Starke Rückendeckung: Der Peek-A-Boo-Lift für dynamische Effekte
Der sogenannte „Peek-A-Boo“-Lift, den WICREATIONS erstellte, war ein weiteres spannendes Highlight für das Lighting-Team, um Dynamik hinter den Performances zu schaffen. Der hintere Teil des LED-Bodens konnte bis zu 8 Meter nach oben fahren. Der massive Lift beinhaltete an der Unterseite 18 ROBE GigaPointe, 29 GLP Fusion Creos sowie Laser-Einheiten. Von expressiven Strobe-Gewittern bis hin zu Backlight-Glow und bei Beam-Effekten bot dieser Lift vielfältige Möglichkeiten.
Der „Peek-A-Boo“-Lift wurde von WICREATIONS erstellt und konnte sich aus dem Screen erheben. Er beinhaltete ROBE GigaPointe, GLP Fusion Creos und zahlreiche Lasereinheiten.Edler Glanz: Das „Golden Construct“
Zu beiden Seiten der zentralen LED-Rückwand befand sich Florian Wieders sogenanntes „Golden Construct“. Die abstrakte Struktur aus Rohrleitungen bildete einen Kontrast zu den organischen Linien des Blatt-Designs sowie der Passerelle. An den oberen und unteren Kanten der Traversenabschnitte war jeweils ein Ayrton MagicDot NEO installiert. Vertikal wurden ACME Blinder Line 10 positioniert, die man in goldenes Vinyl einhüllte. Die Fixtures in diesem Grid waren zufällig angeordnet. Hinter dieser Installation gab es ein weiteres Grid aus 14 Lichtleitern, bestückt mit 172 Chroma-Q Color One 100 und 80 Martin MAC Viper XIP.
Großer Beam-Moment für die Schweizer Beitrag von Veronic Fusaro. Auch an der Passerelle kamen ROBE GigaPointe zum EinsatzTraversen-Design für 360-Grad-Perspektiven
Die Kameraführung des Eurovision Song Contest nutzte zahlreiche 360-Grad-Perspektiven auf Bühne und Publikum. Dafür wurden vier konzentrische Traversenringe über dem Zuschauerraum installiert, die die Kurven der Laufbrücke aufnahmen. Ergänzend kamen lineare Arrays auf mehreren Ebenen über Publikum und Green Room zum Einsatz.
101 Ayrton Mamba wurden an den beiden größten kreisförmigen Traversen montiert. Sie umrandeten die Bühne und hintere Publikumsbereiche und erzeugten großflächige Beam-Effekte im Raum, darunter Sweeps zur Einführung neuer Acts. Gleich hinter den Mambas befanden sich 80 Cobras an den äußersten geraden Traversenpositionen auf beiden Seiten des Raums; so hatte man die Möglichkeit für große architektonische Beam-Looks in der Arena. Für zusätzliche Beam-Effekte kamen 92 Ayrton EagleStrike zum Einsatz. Sie wurden für Hintergrundlicht, Querlicht, teilweise als Hauptlicht sowie für dynamische Effekte an den Seiten des Raums eingesetzt.
Bzikebi mit „On Replay“. Hinter dem Screen kamen zwei Grids mit Lichtfixtures zum Einsatz.Starke Beams und Eye-Candy-Looks: Das Herzstück der Mainstage
Im Zentrum des Lichtdesigns von Tim Routledges Team standen ebenfalls insgesamt 190 der aktuellen ROBE GigaPointe. Man positionierte sie etwa unter der nach oben geschwungenen Passerelle, im Floorset-Bereich rund um die Hauptbühne sowie entlang der Oberkante des vorderen Catwalks.
Die Bühnenkanten und die Verläufe der Passerelle wurden ebenfalls vom Lichtteam akzentuiert. Zum einen verwendete das Team 134 ACME Pixelline IP, die der technische Supplier Neg Earth Lights perfekt an die Rundungen anpasste. Ein weiterer Star für Eye-Candy-Looks war der flexible, doppelseitige ACME Pulsar S2.
Auch Australien war wieder dabeiAuch die Goalpost-Traversen an den Seiten der Arena wurden massiv bestückt und gaben dem Team weitere Möglichkeiten für Effekte von den Seiten. Die beweglichen 52 ACME Tornado ergänzten 98 flexible ROBE WTF! LED-Strobe-Wash-Blinder-Scheinwerfer und bildeten mit den bereits erwähnten Ayrton EagleStrike ein Trio.
Runde Formen setzten sich in den vier Traversenkreisen über der Bühne fort, die wie folgt zusammengestellt waren:
- Small Ring 1: 26 Ayrton Nando 502 Wash, 28 ROBE GigaPointe, 28 ROBE WTF!
- Medium Ring 2: 36 Ayrton EagleStrike, 2 ROBE FORTE Hi-Fid ROBO, 14 ROBE Robin FORTE Hi-Fid, 36 ROBE SVB1
- Large Ring 3: 47 Ayrton Mamba, 12 Martin MAC Encore Two, 6 ROBE FORTE Hi-Fid ROBO, 18 ROBE Robin FORTE Hi-Fid, 94 ROBE SVB1
- Massive Ring 4: 30 Ayrton Khamsin, 54 Ayrton Mamba, 12 Ayrton Nando 502 Wash, 6 Martin MAC Encore Two, 2 ROBE FORTE Hi-Fid ROBO, 18 ROBE GigaPointe, 18 ROBE Robin FORTE Hi-Fid, 54 ROBE SVB1, 2 ROBE iFORTE LTX ROBO
„JALLA“ von Antigoni Beitrag von Cypern brachte die Venue zum Beben. An den Bühnenkanten wurden die flexiblen ACME Pulsar S2 positioniert.Audience Light und Beleuchtung im Green-Room-Bereich
An der Frontkante des Green Rooms wurden für Reverse-Camera-Shots 64 Ayrton Naja eingesetzt. Im Kaffeehaus-Bereich des Sets wurde mit 12 Ayrton Nando 502 Wash positioniert; zusätzlich kamen 25 ROBE HolyPATT LED-Scheinwerfer im Vintage-Stil zum Einsatz.
Keylight-Details: Präzision mit ROBE und Follow-Me-Systemen beim ESC
Marc Nicholson war auch diesmal wieder für das Keylight-Programming zuständig, das beim Eurovision mit dutzenden beweglichen Props eine echte Mammutaufgabe ist. Der Großteil wurde mit ROBE iFORTE und iFORTE LTX geleuchtet; Martin MAC Encore Two wurden im Green Room verwendet. 14 Follow-Spot-Operator waren im Einsatz, 12 davon für ROBE RoboSpot Einheiten und 2 zusätzliche für die FOLLOW-ME-Systeme. Via FOLLOW-ME konnte so fast jegliches Fixture aus dem Rig als Keylight verwendet werden.
Lichtsteuerung via grandMA3 und die Lichtdesign-Crew
Die komplette Produktion wurde mit der MA Lighting grandMA3 Software gefahren und mithilfe von Syncronorm Depence minutiös im Preprogramming-Studio von Neg Earth Lights vorprogrammiert. Tim Routledge und sein Team vertrauen bereits seit dem Eurovision in Liverpool 2023 auf die 3er-Software. Bei einem derart großen und aufwendigen Setup spielen die Vorteile von Recipe-Workflows bei spontanen Änderungen eine immense Rolle. XYZ-Programming war ein weiteres Feature, das beim Fokussieren des asymmetrischen Setups und beim Anpassen des kinetischen Movinglight-Rigs über der Bühne unverzichtbar war.
Monroe performt den französische Song „REGARDE !“. Hier kam das kinetische Rig wieder voll zur Geltung.In dem aufwendigen Multi-User-Environment teilten sich Alex Mildenhall und Martin Higgins die Arbeit beim FX-Light-Programming. Beide nutzten eine MA Lighting grandMA3 full-size Konsole (inklusive Backup). Zusätzlich gab es noch zwei full-size Konsolen für die beiden Overnight Programmer Olly Martin und Manfred Nikitser sowie zwei weitere für den Floor.
Marc Nicholson übernahm das komplette Keylight und steuerte von einer MA Lighting grandMA3 lite aus, wobei er wieder hervorragend mit der erfahrenen Spot-Callerin Louise Smurthwaite harmonierte. Auch er hatte eine Backup-Konsole an der Seite, und ein weiteres lite-Mischpult war als Tech-Desk eingeplant.
Rock-Feeling bei „Ya Ya Ya“ von JONAS LOVVTim Routledge wurde ebenfalls von seinen Associates Morgan Evans und James Scott unterstützt. Als erfahrener Crew Chief und Gaffer kümmerte sich Keith Duncan zusammen mit dem technischen Dienstleister Neg Earth Lights um das massive Lichtsetup mit seinen über 3.000 Scheinwerfern.
Dies ist der erste Teil unserer Berichterstattung zum Eurovision Song Contest 2026. Part zwei folgt in Kürze und beleuchtet weitere technische Bereiche der internationalen TV-Show.
Lichtequipment-Liste: EUROVISION SONG CONTEST 2026 (Auszug)
- 145 ACME Blinder Line 10
- 153 ACME Pulsar S2
- 1 ACME Pixelline 500
- 134 ACME Pixelline IP
- 52 ACME Tornado
- 106 Ayrton 1202 Wash
- 80 Ayrton Cobra
- 92 Ayrton EagleStrike
- 48 Ayrton Khamsin
- 92 Ayrton MagicDot NEO
- 101 Ayrton Mamba
- 64 Ayrton Naja
- 58 Ayrton Nando 502 Wash
- 80 Ayrton Rivale
- 172 Chroma-Q Color One 100
- 29 GLP Fusion Creos
- 80 KINTEC LIGHTS Winch XL Double
- 80 KINTEC LIGHTS KL Gyro EMS
- 46 Martin MAC Encore Two
- 80 Martin MAC Viper XIP
- 10 ROBE FORTE Hi-Fid ROBO
- 190 ROBE GigaPointe
- 25 ROBE HolyPATT
- 54 ROBE FORTE Hi-Fid
- 182 ROBE SVB1
- 98 ROBE WTF!
- 2 ROBE iFORTE LTX ROBO
- 4 Astera FP6 HydraPanel
- 4 Nanlite Wireless RGBWW Handbasher
- 12 ROBE RoboSpot
- 2 Follow-Me Control Stations
Atmospherics
- 2 MDG theONE
- 4 Cirro Strata Haze
- 6 DMX Fan
Lichtkonsolen
- 8 MA Lighting grandMA3 full-size
- 3 MA Lighting grandMA3 lite
Beteiligte