Zehn verschiedene Szenen werden im Lauf des Stücks bespieltSechs Monate sollte die Spielzeit des Musicals „Soldaat van Oranje“ ursprünglich betragen – mittlerweile läuft die Produktion im dritten Jahr und es ist kein Ende abzusehen. Ein Besuch lohnt sich nicht nur wegen der darstellerischen Leistungen, auch die technische Realisation beeindruckt mit Raffinessen wie einem drehbaren Auditorium oder einem ausgeklügelten Beschallungssystem, dass mit Meyer Sound D-Mitri und Lautsprechern von Alcons Audio umgesetzt wurde.
Die Idee ist so einfach wie effektiv: Anstatt mit einer herkömmlichen Drehbühne die jeweilige Szene vor das Publikum zu drehen, befindet sich dieses auf einer drehbaren Plattform und die Szenerie ist kreisförmig rundherum angeordnet. Zwischen Bühne und Publikum befindet sich ein ebenfalls kreisrunder Laufsteg, auf dem sich die Darsteller ebenfalls bewegen und sogar Motorrad fahren – die Geschwindigkeit der Fahrzeuge wird dabei noch erhöht, indem das Publikum sich entgegengesetzt zur Fahrtrichtung bewegt.
Alcons LR14 an 14 festen Lautsprecherpositionen rund um die Tribüne
Für das Sounddesign zeichnet Jeroen ten Brinke verantwortlich, einer der profiliertesten Sounddesigner der Niederlande, der auch bei Produktionen wie „Les Misérables“, „Evita“ oder „Die Schöne und das Biest“ für guten Klang sorgt. Seine ursprüngliche Überlegung war es, die Lautsprecher auf dem drehbaren Publikumspodest zu positionieren, diese Idee wurde jedoch unter anderem wegen des Gewichts und des Drehmoments bei der Rotation wieder verworfen.
Die Luftwaffe bombardiert Rotterdam
Das Beschallungssystem wird nun nicht mit dem Auditorium bewegt, sondern ist fest für jede Szene installiert. Es besteht aus insgesamt vierzehn Hangs mit je sechs Alcons Audio LR14 sowie einem LR16B. In der Praxis muss durch diese Anordnung bei jeder Drehbewegung des Publikums ein kompletter L-C-R-Mix mitbewegt werden, mit umfangreichen Hall- und Surround-Effekten. Kein leichtes Unterfangen, denn immerhin handelt es sich um eine 144×144-Matrix. Für die Verwaltung all dieser Signale kommt eine D-Mitri Audio Plattform von Meyer Sound zum Einsatz, die Steuerung am FoH erfolgt über eine CueConsole-Bedienoberfläche, die ebenfalls von Meyer Sound stammt. Laut ten Brinke ist D-Mitri eines der bestklingenden digitalen Live-Systeme, die Integration des 96 kHz Sampling Rate Converter war für ihn entscheidend bei der Auswahl des Systems. Darüber hinaus ist D-Mitri AVB-fähig und an diesem Standard schätzt ten Brinke vor allem die Qualität der Low Jitter Master Clock, die für qualitativ hochwertige Signale sorgt.
Soldaat van OranjeDas Musical thematisiert am Beispiel einer Gruppe von Studenten die Spaltung der niederländischen Nation während des 2. Weltkriegs.
14 Dimitri-Module
Um die gesamte Audio-Signalverarbeitung, das Matrixing und das aufwändig vorprogrammierte Panning zu bedienen, stützt sich die Produktion auf 14 integrierte D-Mitri Module. Zwei DCP Core-Prozessoren und eine DCM-2 Core Matrix sind das Herzstück des Systems, verbunden mit jeweils vier DAI-24 analogen Ein- und DAO-24 analogen Ausgangs-Modulen plus einen DDIO-24 digitalen Input/Output Modul. Wild Tracks liefert die Audio-Wiedergabe mit einem DWTRX Modul mit zwei Solid State Laufwerken, ein DGPIO-Modul kommuniziert mit der Automation des Drehtellers. Der Operator mixt die Show auf einer CueConsole mit einem Transport-Modul und fünf Fader-Modulen, die durch vier MacMini und Touchscreen-Displays erweitert wurden.
Bändchentreiber für optimale Klangabdeckung
Das Drehpodest im RohbauDie Entscheidung für Alcons Audio traf ten Brinke aufgrund der außergewöhnlichen Soundeigenschaften des Materials. Manchmal laufen die Schauspieler während des Stücks von einer Szene zur nächsten und der linke Speaker der einen Szene wird so zum rechten in der nächsten Szene. dank der Bändchenhochtöner ist dieser Wechsel kaum hörbar, was nicht zuletzt am Phasenverhalten des Materials von Alcons liegt. Auch das horizontale Abstrahlverhalten ist hier herkömmlichen, mit Kompressionstreibern bestückten Lautsprechern überlegen. Ten Brinke schätzt es vor allem für Theateranwendungen, wo der Schalldruck nicht so hoch wie im Rock’n’Roll sein muss und es eher auf Feinheiten im Klangbild ankommt.
Die fertige Tribüne fasst 1.100 Personen rund um den FoH
Im Interview führt uns Jeroen ten Brinke zu den beiden Ampracks, er zeigt uns die Lautsprecher, die in den ersten Reihen verbaut sind und er zeigt uns eine nicht ganz alltägliche Reflektionsfläche:
Mit einem Klick auf den entsprechenden Link geht es direkt zur passenden Stelle im Video: www.soldaatvanoranje.nl www.alconsaudio.com www.meyersound.de
Autor/Video: Markus Wilmsmann