John MeyerLautsprecher-Linearität ist jetzt nicht wirklich ein radikal neues Konzept. Seit Jahren arbeiten Aufnahmestudios und Kino-Post-Production Studios mit linearen Systemen. Aber warum sind lineare Systeme nicht auch in großem Maßstab auf dem Beschallungsmarkt angenommen?
Mit den jüngsten Fortschritten bei digitalen Tools und technischen Errungenschaften bei Meyer Sound sieht John Meyer lineare Beschallungssysteme als einen unvermeidlichen nächsten Schritt für große Tourneen und Festivals. Als Folge daraus entstand bei Meyer Sound das LEO-System, bestehend aus dem LEO-M Line Array Lautsprecher, dem 1100-LFC Low Frequency Control Element und dem Galileo Callisto Lautsprecher Management System.
In diesem Interview erzählt John Meyer die Geschichte hinter LEO, warum die Industrie lineare Groß-Beschallungsanlagen braucht und wie diese Technologie den FOH Mixern endlich ermöglicht, die Entscheidungen wieder selbst zu treffen und einen neuen Maßstab an klanglicher Intimität bei großen Musikveranstaltungen erschafft. Der Text wurde uns freundlicherweise von Meyer Sound Germany zur Verfügung gestellt.
Was unterscheidet LEO eigentlich von MILO oder anderen Systemen für Großanwendungen?
John Meyer: LEO ist das erste System für Großanwendungen, das entwickelt wurde, um bei Anwendungen mit großer Abstrahlweite einen linearen Frequenzgang zu liefern – egal bei welchem Pegel. Egal wie laut Sie ein LEO-System fahren, es wird den Klang Ihres Mixes nicht verändern. Im Wesentlichen haben wir mit LEO ein hochgradig lineares System geschaffen, das keine Art oder Genre von Musik begünstigt.
„Im Wesentlichen haben wir mit LEO ein hochgradig lineares System geschaffen, das keine Art oder Genre von Musik begünstigt“. Es ist wie ein sehr leistungsfähiger Projektor, der farbneutral ist, egal wie hell es wird. Es hat genug Power um Metallica wiederzugeben – wie wir auf dem Outside Lands Festival bewiesen haben – kann aber auch klassische Musik oder Opern mit absoluter Transparenz wiedergeben. LEO hat keinen eigenen Fingerabdruck.
Was ist also anders beim Mixen auf LEO als auf weniger linearen Systemen?
John Meyer: Andere Systeme werden von vielen Rockmusik Mixern gerne weit über den Bereich in dem sie einen linearen Frequenzgang haben hinaus gefahren, um einen speziellen Klang durch die Überbeanspruchung von Systemkomponenten zu erhalten. Bei LEO haben wir einen enormen Headroom eingebaut, um auch sehr große Veranstaltungsflächen beschallen zu können. Wenn man die Lautstärke erhöht, bleibt die Tonalität konstant über alle Frequenzen gleich. Sie können darauf vertrauen, dass ihr Output eine lineare Wiedergabe des Inputs ist. LEO eliminiert die Probleme und Unwägbarkeiten, die bei nicht-linearen Systemen auftreten.
Aber warum würde man das System überhaupt überlasten wollen?
John Meyer: Sie machen es, um einen bestimmten Klang zu erhalten. Es ist ähnlich wie das Übersteuern eines Gitarrenverstärkers für bestimmte Effekte. Ich erinnere mich, dass Steve Miller das früher tat, um einen Effekt zu bekommen, den er den „dying speaker sound“ nannte, und er musste diesen Lautsprecher nach jeder Show ersetzen. Jetzt können Sie diesen Klang mit Hilfe von digitalem Modeling erzeugen.
LEO beim DeLuna Fest (siehe Video)Das haben Toningenieure doch auch mit analogen Bändern gemacht, oder?
John Meyer: Bis zu einem gewissen Grad ja. Sie haben die Bänder in die Sättigung gefahren um einen fetteren Drum-Sound zu bekommen und wieder gibt es heutzutage Möglichkeiten, diesen Effekt auch digital zu emulieren. Natürlich würde bei der digitalen Variante auch nicht die Gefahr bestehen, das Band zu beschädigen!
Also warum gab es Systeme wie LEO nicht schon früher? Warum passiert diese Änderung erst jetzt?
John Meyer: Es ist extrem schwierig, eine so leistungsstarke mechanische Vorrichtung zu bauen und dabei linear zu bleiben. LEO fasst zusammen, was unser Entwicklungsteam in den letzten Jahrzehnten entwickelt und in Tausenden von Stunden getestet hat, um es so robust zu machen.
Der zweite Grund ist, dass wir erst jetzt die notwendigen digitalen Tools besitzen, um solche charakteristischen Klänge zu erzeugen. Anstatt eine bestimmte Art von PA-Lautsprechersystem zu verwenden und zu übersteuern, um einen gewünschten Klang zu erhalten, kann man diesen Effekt jetzt mit einer Reihe von digitalen Tools, von denen viele als Plug-Ins für digitale Mischpulte erhältlich sind, modellieren. Damit beginnt auch die übliche Denkweise, dass man ein bestimmtes Lautsprechersystem für eine spezielle Art von Musik oder sogar für eine bestimmte Band benötigt, langsam zu verschwinden.
„Wenn Sie mit dem Drum-Sound auf unserem sehr handlichen HD-1 Studiomonitor zufrieden sind, werden Sie es auch mit dem Sound auf einem LEO-System in Stadiongröße sein“. Was sind die Vorteile des Mixings auf einem linearen System?
John Meyer: Zum einen ist es absolut skalierbar. Wenn Sie mit dem Drum-Sound auf unserem sehr handlichen HD-1 Studiomonitor zufrieden sind, werden Sie es auch mit dem Sound auf einem LEO-System in Stadiongröße sein. Das macht es viel einfacher, einen Mix im Voraus vorzubereiten – denn wenn man mit einem großen linearen System arbeitet, kann man den Mix im Studio oder einem kleineren Ort kreieren. Sie brauchen sich nicht mehr um den Mix für ein Lautsprechersystem zu sorgen. Sie können mixen was immer Sie wollen.
Ein lineares System bedeutet, dass das Publikum die Musik mit größter Klarheit erleben kann, auch bei einem Outdoor-Festival oder in einem Stadion. Ich denke, der Markt ist bereit dafür.
Bedeutet das also, dass man ein lineares System immer flat tunen soll?
John Meyer: Überhaupt nicht. LEO ist es gleichgültig, welche Art von Signal es bekommt. Es gibt einfach genau das wieder was hinein gegeben wird. So können Sie die Bässe verstärken, Harmonische Oberwellen einfügen oder dem High-End 30 dB hinzufügen, wenn Sie das wirklich wollen. LEO setzt einfach das elektrische Signal linear in ein akustisches Signal um.
Gibt es eine Geschichte zu LEO? Was hat den Trend zu so vielen verschiedenen Arten von nicht-linearen großen PA Systemen ausgelöst?
John Meyer: Damals in den sechziger und siebziger Jahren bauten viele PA-Verleiher für große Kunden individuelle Systeme, um diese einem speziellen Musikstil oder gar einer bestimmten Band anzupassen. Also gab es unterschiedliche PA für leichten Pop und wieder eine andere für Heavy Rock ’n‘ Roll. Also wurde für viele Leute der charakteristische nicht-lineare Klang der PA Teil des Klangs der Band.
Als ich zu dieser Zeit bei McCune Sound war, begannen wir die lineare Theorie bei der JM-3 zu nutzen, die ein Lautsprecher mit drei Endstufen war, den wir für Acts von Joan Baez bis hin zu Creedence Clearwater Revival verwendeten. Wir dachten, es wäre praktischer und effizienter, nur ein System zu haben, das man dann an jeden vermieten kann. Das war damals eine neue Herangehensweise und die Technik hat sich seitdem weiterentwickelt.
Die Anwendung der linearen Philosophie mit so viel Leistungsfähigkeit in der Praxis muss ein wichtiger Meilenstein für Meyer Sound sein.
John Meyer: Ja, genauso wie unsere ersten self-powered Systeme HD-1 und MSL-4. Die self-powered Technologie ist von entscheidender Bedeutung zum Erreichen der notwendigen Präzision in einem linearen Lautsprecher. Unsere Pre-Release-Version des LEO Systems befindet seit letztem Herbst auf einer Arena-Tournee, die jetzt nach Europa gekommen ist. In diesem Sommer haben wir mit LEO Verleihern zusammengearbeitet, um das System bei mehreren großen Festivals in ganz Europa und Nordamerika spielen zu lassen. Das Feedback von FOH-Ingenieure und Konzertveranstaltern hat uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und das finden wir großartig.
Video von Meyer Sound: LEO beim DeLuna Festival in Florida
www.meyersound.com/leo