Video: Jean Michel Jarre und die größten Sidefills der Welt

Jean Michel Jarre an der Laserharfe

Wenn Jean Michel Jarre auf Tour geht, dann versammeln sich vor dem Konzert Trauben von Menschen am Bühnenrand, die wie wild Fotos von den Instrumenten schießen. Kein Wunder: Jarre und seine drei Musiker performen inmitten eines Sammelsuriums an Synthesizern, die das Herz jedes echten Tastenfreundes oszillieren lassen. Aber wieso hängt die PA im Rücken der Band?

Alain Courieux, FoH-Techniker von Jarre, hat sich mit den altehrwürdigen Klangkisten arrangiert, auch wenn Sie teilweise etwas „noisy“ sind, wie er berichtet. Mit dem Auseinanderhalten der etwa 100 Signale, die von der Bühne an seiner DiGiCo SD7 auflaufen, hat er keine Probleme, aber „man muss schon wissen, wer was spielt“, so Courieux. Immerhin lassen sich die einzelnen Instrumente nicht so leicht unterscheiden wie die Bestandteile eines Drumsets, das im Regelfall der Hauptverdächtige bei der Entstehung zweistelliger Kanalzahlen ist. Die Signale kommen aus mehr als 80 DI-Boxen von der Bühne und werden in DiGiRacks digitalisiert. Für die nächste Tour ist geplant, die Signale bereits auf der Bühne zu digitalisieren und per AES 42 zu transportieren.

Das PA-System, K1 von L-Acoustivs mit einigen dVdoscs, hängt zudem nicht an der Rampe, sondern hinter den Musikern. Wüste Feedbackattacken sind allerdings nicht zu befürchten, da kein einziges der Bühnensignale per Mikrofon abgenommen wird. Durch diese ungewöhnliche Positionierung der PA kann sich die Videoprojektion in voller Pracht entfalten. Bei der letzten Tour hing das Beschallungssystem sogar hinter dem Videoscreen, aber da bei dieser Tour die Bilder per Rückprojektion an die Leinwand geworfen werden, ließ sich das nicht realisieren.

Ambience aus der Doppelkapsel

Jean Michel Jarre in seiner SynthieburgJean Michel Jarre in seiner SynthieburgJean Michel Jarre darf also für sich in Anspruch nehmen, mit den mächtigsten Sidefills unterwegs zu sein, die je ein Musiker gesehen hat. Und tatsächlich sorgen die SB-28-subwoofer, die das K1 ergänzen, für ein sattes Low-End auf der Bühne. Zusätzlich sind alle vier Musiker mit InEar-Monitoring versehen. Monitortechniker Julien Vouillon steht nun vor der Aufgabe, die Signale der Musiker mit Umgebungsgeräuschen anzureichern.

Denn da sich auf der Bühne kein einziges Mikrofon befindet, würden die Künstler ansonsten nur ein sehr klinisches Signal über die InEar-Wege empfangen. Vouillon verwendet dazu Geräte der MKH-Serie von Sennheiser, unter anderem das MKH 800 Twin. Dieses Mikrofon enthält eine Doppelkapsel mit zwei im akustischen Verbund arbeitenden symmetrischen Gegentaktwandlern. Die Signale beider Wandler werden jedoch nicht im Mikrofon kombiniert, um unterschiedliche Richtcharakteristiken zu erzeugen, sondern sie stehen getrennt zweikanalig am Mikrofonausgang zur Verfügung. Dadurch ist die Richtcharakteristik des MKH 800 TWIN ferneinstellbar. Die Signale können im Mischpult beliebig kombiniert werden, um alle Richtcharakteristiken von Kugel über Niere bis Acht mit beliebigen Zwischenformen zu erzeugen.

Große und kleine Laserharfe

Und natürlich darf auch dieses Mal die Laserharfe nicht fehlen. Sogar eine kleine Miniaturharfe findet sich dieses Mal auf der Bühne, eingebaut zwischen den übrigen Gerätschaften Jarres. Und es wirkt fast ein wenig rührend, dass der Mann, der einst als einer der ersten mit Samples arbeitete und im letzten Jahrhundert seiner Zeit stets ein wenig voraus war, dass dieser Mann heute so „retro“ wirkt, wie er da mit kindlicher Freude die Hände über seine Tastatur aus Licht gleiten lässt. Aber in einem ist sich die gesamte Crew einig: Seine goldenen Ohren hat er bis heute nicht verloren und sie sind stets offen für ihre Anliegen.

Bildergalerie

[widgetkit id=41]

 Autor: Markus Wilmsmann