Die Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) hat ein ehemaliges Lagerhaus in ein Visual Effects Laboratory für Virtual Production, Forschung, Lehre und Medienproduktion umgebaut. Die Systemintegration übernahm ICT. Zum Einsatz kommen unter anderem LED-Wände von INFiLED, Processing von Brompton Technology und die PIXERA-Plattform von AV Stumpfl.
VFX Lab für praxisnahe Ausbildung
Die Hochschule Hamm-Lippstadt wurde 2009 gegründet und betreibt Standorte in Hamm und Lippstadt. Der Fokus liegt auf praxisnaher Ausbildung in Ingenieurwissenschaften und angewandten Wissenschaften.
Im August 2023 startete die Hochschule das Projekt, eine bestehende Lagerhalle in ein voll ausgestattetes VFX Lab umzuwandeln. Ziel war eine Umgebung, die als Virtual Production Stage, Forschungsplattform, Lehrraum und Medienproduktionsstätte genutzt werden kann.
Studierende sollen dort mit Workflows aus Film, Broadcast, Simulation und Visualisierung arbeiten können. Die Systemarchitektur musste entsprechend flexibel, nachhaltig und zukunftssicher ausgelegt werden.
ICT erweitert den Projektumfang
Für die Umsetzung holte die HSHL den AV-Integrator ICT an Bord. Vor der Installation der Medientechnik waren bauliche Maßnahmen erforderlich, darunter der Abriss mehrerer Innenwände. ICT erweiterte den ursprünglichen Projektumfang, um die Fläche umfassender nutzen zu können.
Das im Juli 2025 fertiggestellte Labor entstand in einer 23-monatigen Zusammenarbeit. Eingebunden sind Technologien von AV Stumpfl, Brompton Technology, INFiLED, Vicon, Panther und KinoFlo.
Drei LED-Bereiche und zentrale Synchronisierung
Das VFX Lab besteht aus drei LED-basierten Bereichen, einem Kontrollraum, einer Motion-Capture-Area, einer 360-Grad-Audioumgebung sowie Kamera- und Produktionstechnik.
Alle Komponenten sind über eine speziell entwickelte Hybrid-Netzwerkarchitektur synchronisiert. Diese umfasst 40 km Glasfaserkabel sowie Genlock-, Timecode- und Dante-Audio-Integration. Dadurch ist eine bildgenaue Synchronisierung der Systeme möglich.
Gebogene INFiLED-Wand als Hauptfläche
Das Herzstück bildet eine 19 m x 4 m große gebogene LED-Wand von INFiLED. Sie besteht aus Panels der DB– und Xmk2-Serie. Der Pixelabstand liegt bei 1,56 mm, die Bildwiederholrate bei bis zu 7.680 Hz.
Die Wand ist für hochauflösende Bilddarstellung, großen Farbraum und hohe Bildraten ausgelegt. Damit eignet sie sich für professionelle Filmproduktionen, In-Camera-VFX, Echtzeit-Rendering und immersive Simulationen.
Anna Ferrer, Marketing Director EMEA & USA bei INFiLED: „Virtual Production verändert die kreativen Möglichkeiten der Content-Erstellung grundlegend. Hochauflösende Bilder, präzise Farbwiedergabe und sehr hohe Bildraten sind entscheidend für professionelle Workflows und ermöglichen Studierenden praxisnahe Erfahrungen mit modernsten Standards.“
Brompton Processing für Farbwiedergabe und Synchronität
Für die Farbwiedergabe nutzt das Labor Brompton Dynamic Calibration. Dabei wird die Leistung jedes Pixels analysiert und kalibriert. Unterschiedliche LED-Panels können dadurch kombiniert werden, ohne dass die Bildhomogenität verloren geht.
Oliver Dier, Technical Solutions Manager EMEA bei Brompton: „Dabei wird die Leistung jedes einzelnen Pixels analysiert und entsprechend kalibriert. So lassen sich unterschiedliche LED-Panels kombinieren und dennoch ein einheitliches Bild erzeugen.“
Die Steuerung erfolgt über zehn Brompton Tessera SX40-Prozessoren und 19 XD-Datenverteilungseinheiten. Über ShutterSync kann die Synchronisierung zwischen Kamera und LED-Wand angepasst werden, um Artefakte und Farbabweichungen zu vermeiden.
Mobile LED-Wand und broadcasttaugliches Licht
Zusätzlich zur Hauptfläche entwickelte ICT eine 3 m x 3 m große mobile LED-Wand. Die motorisierte Konstruktion kann Lasten bis zu zwei Tonnen bewegen, große Objekte wie Fahrzeuge ausleuchten und flexibel positioniert oder geneigt werden.
Ein KinoFlo-Deckenbeleuchtungssystem mit RGBWW-Technologie sorgt für gleichmäßige, broadcasttaugliche Ausleuchtung und präzise Farbsteuerung.
PIXERA als zentrale Steuerplattform
Die zentrale Steuerung des Systems übernimmt PIXERA von AV Stumpfl. Die Software ermöglicht die synchronisierte Wiedergabe aller Inhalte und ist eng mit Unreal Engine 5 integriert.
Der Kontrollraum bündelt Medienserver und Rendering-Systeme in einer gemeinsamen Bedienumgebung. Damit lassen sich Inhalte, Echtzeitgrafik und LED-Ausspielung zentral steuern.
Rainer Brandstatter, Head of Marketing bei AV Stumpfl: „PIXERA wurde entwickelt, um selbst höchste Anforderungen zu erfüllen – heute und in Zukunft.“
Motion Capture, Kameras und 360-Grad-Audio
Für Motion Tracking nutzt das Labor ein Vicon-System mit 22 Kameras. Bewegungen werden in Echtzeit erfasst und an Unreal Engine übertragen.
Kamerasysteme von ARRI und Sony sowie ein 360-Grad-Audiosystem mit Dolby Atmos ergänzen die Ausstattung. Damit deckt das Labor Workflows aus Virtual Production, In-Camera-VFX, Simulation, Lehre und Forschung ab.
Nachhaltigkeit und laufender Support
Auch Nachhaltigkeit war Teil der Planung. Das Labor ist mit der Photovoltaikanlage der Hochschule verbunden. Zudem kommt energieeffiziente ColdLED-Technologie zum Einsatz, die die Wärmeentwicklung reduziert.
Professor Stefan Albertz: „Das VFX Lab ist ein hochmodernes System in allen Bereichen. Es ermöglicht uns, Studierenden eine praxisnahe Ausbildung auf höchstem Niveau zu bieten.“
Nach der Installation unterstützt ICT den Betrieb weiter mit Monitoring, Wartung und technischem Support.