Rigging & Automation für SABATONs „The Legendary Tour“

Sabaton Show im Hallenstadion Zürich

Sabatons „The Legendary Tour“ begeisterte tausende Fans in ganz Europa. Die schwedische Power-Metal-Band legt extrem viel Wert auf eine szenische Live-Inszenierung mit theatralischen Überraschungen. Neben einem bombastischen Licht- und Pyro-Setup überraschte die Band diesmal mit einer bis zu 24 Meter langen Catwalk-Zugbrücke, die direkt über dem Publikum zwischen Main- und B-Stage abgehängt wurde.

Jimmy Johnson, Automation Project Manager von Motor Stage Automation, erklärt im Interview mit EventElevator die technischen Herausforderungen hinter dieser massiven Konstruktion. Für das Projekt kamen einerseits eigens entwickelte Laufsteg-Module der M:CAT-Serie zum Einsatz, während die Pre-Rig-Truss HOF MLT FOUR als tragende Systembasis für die Konstruktion im Dach eingesetzt wurde. Lichtdesigner Bertil Mark (Stop Making Sense) skizziert zudem die Vision des Bühnendesigns und den Einsatz neuer Fixtures wie dem flexiblen ACME TORNADO.

Logistik und Bühnenvision von Sabaton

Mit einer 200-köpfigen Crew und nicht weniger als 26 Trucks tourte Sabaton durch Europa. Die Produktion unterstreicht damit den Ruf der Band für bildgewaltige Live-Performances: Realistische Burgkulissen, eine automatisierte Zugbrücke mit integriertem Licht und Nebel sowie ein schwebendes Schlagzeug-Podest für Drummer Hannes Van Dahl, das von mächtigen Inflatable-Krallen umschlossen wird.

HOF MLT FOUR Trusses beim Rigging des Catwalks.

Lichtdesigner Bertil Mark arbeitet bereits seit 2022 eng mit den Bandmitgliedern und Production Manager Johan Bengs zusammen, um immer wieder neue Performance-Welten zu erschaffen. Auf dieser Tour ist Mark sogar selbst als Operator aktiv mit hinter der Lichtkonsole. Im Showverlauf wechseln sich dabei hochenergetische Musik und szenische Einlagen fließend ab.

Für das Projekt kamen einerseits eigens entwickelte Laufsteg-Module der M:CAT-Serie zum Einsatz, während die Pre-Rig-Truss HOF MLT FOUR das solide Rückgrat der Konstruktion im Dach bildete.

Lichtdesign von Sabaton: zwischen Bombast und Mystik

Bertil Mark war es wichtig, die energetische Metalmusik nicht nur wuchtig zu unterstreichen, sondern auch immer wieder atmosphärische, fast fragile Momente mit großer Tiefe zu kreieren. Um die liebevollen Details der Set-Bauten richtig zur Geltung zu bringen, wurde hinter fast jeder Zinne Lichttechnik versteckt und viele Nebelmaschinen hüllten die Szenerie immer wieder mystisch ein.

Bertil Mark war für das Lichtdesign von Sabaton zuständig. Er arbeitet bereits seit 2022 mit der Band zusammen.

Für eine Prise Retro-Ästhetik in den pyramidenförmig gestaffelten Dachtraversen nutzte der Lichtdesigner unter anderem 44 Einheiten der beweglichen ACME TORNADO Effekt-Scheinwerfer. Zusätzlich dirigierte er ein ganzes Heer leistungsstarker ROXX CLUSTER B4 FC (105 Fixtures) und ROXX CLUSTER S2 (32 Fixtures) LED-Color-Blinder in verschiedenen Kombinationen und tauchte die Venues in Farbe. Auch sechs neue ROXX NEO fx wurden in der Festung versteckt. Mit 57 Ayrton Veloce Profile S erstrahlten atemberaubende Beam-Momente über der realistischen Burgkulisse. Unter der stattlichen Zugbrücke und an der Truss wurden die neuen GLP JDC Burst 1 montiert, die zusätzlich zu den JDC1 in den Mainstage-LX-Traversen ihre Strobe-Power entfachten. Ziel war es ja auch, das Publikum durch die verfahrbare Brücke direkt in das Geschehen einzubinden.

Beim Key-Light verließ sich die Produktion auf ein bewährtes Follow-Me-System, das bei den vielen Bewegungen der Band und der zusätzlichen Akteure extrem hilfreich war. Insgesamt wurden damit 18 Ayrton Huracán gesteuert.

Die Programmierung des Showverlaufs musste entsprechend präzise sein, damit B-Stage, Brücke und Hauptbühne in jedem Moment eine visuelle Einheit bildeten. Die Tour von einer MA Lighting grandMA full-size aus gesteuert und mit der aktuellen grandMA3 Software programmiert.

Technischer Dienstleister im Bereich Licht war PRG mit auf Tour, die auch unterstützend im Rigging tätig waren.

Hero-Moment der Sabaton-Show. Die Band liebt szenische Elemente und Details.

Automatisierung als Storytelling-Werkzeug

Die Automation wurde zum zentralen Werkzeug des Storytellings. Es bedurfte enormen Aufwands, die mechanischen Bewegungen organisch in die Show zu integrieren. Die technische Umsetzung in diesem Bereich lag in den Händen von MOTOR Stage Automation. Production Manager Johan Bengs forderte ein System, das nicht nur maximale Sicherheit bietet, sondern auch extrem effizient im Auf- und Abbau ist, um der Crew trotz des straffen Zeitplans ausreichend Ruhephasen zu ermöglichen.

Mit Pyro-Momenten wurde nicht gespart, sogar am fliegendem Drum-Riser gibt es feuerspeiende Drachenköpfe.

Ein zentrales Element war der automatisierte Laufsteg aus M:CAT-Elementen. Jimmy Johnson erläutert im Video das Zusammenspiel der Module mit dem aktuellen HOF MLT FOUR Traversensystem. Ein entscheidender Vorteil: Das komplette System konnte vorkonfiguriert werden (inklusive Kabelmanagement, Automations-Hoists und vorinstallierter Beleuchtung). Und dank der HOF-Transport-Dollys konnte die gesamte Konstruktion wie eine herkömmliche Traverse schnell ins Dach gezogen werden. Zusätzlich wurden auch HOF MLT TWO und HOF MLT THREE Traversen als Pre-Rig für die restliche Beleuchtung und das Kabelmanagement genutzt.

Sabaton Leadsänger Jaokim Brodén

Safety first: Management von massive Lasten

Die Rigging-Daten der Show sind beeindruckend:

  • Das Schlagzeug-Podest: Wiegt inklusive Licht und Pyro über 2 Tonnen und fliegt in 8 Metern Höhe.
  • Die Zugbrücke: Bringt rund 5 Tonnen auf die Waage.
  • Die Gesamtlast: Insgesamt hängen etwa 8 Tonnen am Mothergrid über Bühne und Publikum.
Sabaton Drummer Hannes Van Dahl hing mit seinem Schlagzeugpodest in 8 Metern Höhe.

Sicherheit hat dementspreichend oberste Priorität: Die Steuerung erfolgt über ein redundantes MOVEKET-System (Haupt- und Backup-Konsole). Da das System die SIL3-Sicherheitsnorm erfüllt, kommunizieren alle Komponenten permanent miteinander. Lastüberwachung, Fehlermeldungen und globale Not-Aus-Schalter garantieren dem Operator jederzeit die volle Kontrolle. Ein „Deadlock“-System verhindert zudem jede Bewegung des Schlagzeug-Podests, solange der Drummer nicht gesichert ist.

360-Grad-Moment: Die Band lief zum Schluss noch mal über den Catwalk, um den Fans ganz nah zu sein.

Logistische Meisterleistung

Von den 26 LKWs sind allein drei für die Automation reserviert. Das Entladen beginnt pünktlich um 09:00 Uhr morgens. Dank der integrierten Räder rollt der Laufsteg direkt aus dem Truck und ist oft schon 30 Minuten nach dem Einschalten einsatzbereit. Bis zum Mittag steht meist die gesamte Konstruktion – ein Beweis für die hocheffiziente Planung dieser Produktion. Im EventElevator-Video erklärt Jimmy Johnson weitere spannende Details zur technischen Umsetzung.