Bis auf wenige Ausnahmen genügt das Equipment den Ansprüchen der meisten BandsSeit neun Jahren betreut satis&fy die Tontechnik bei Rock am Ring. Das Team, mit dem Crewchef Arnd Wagner dieses Jahr die Beschallung der rund 86.500 Besucher organisierte, hat sich im Lauf der Jahre zu einer Stammcrew formiert. Unser Autor Oliver Kilian hat ihnen bei der Arbeit über die Schulter geschaut und sich mit Arnd Wagner unterhalten.
EventElevator:
Arnd, wie lange bist Du schon bei satis&fy?
Arnd Wagner:
Bei satis bin ich jetzt seit elf Jahren. Rock am Ring betreuen wir jetzt seit neun Jahren. Ich bin hier für die Gesamtplanung verantwortlich und sorge dafür, dass alles glatt läuft.
EventElevator:
Crewchef Arnd WagnerCrewchef Arnd Wagner
Das bedeutet, dass Du hier mit einer Stammcrew vertreten bist?
Arnd Wagner:
Auf jeden Fall. Nach der langen Zeit hat sich eine Stammcrew etabliert. Die gesamte Crew auf der Mainstage besteht aus elf Personen plus der Crew der Clubstage. Natürlich gibt es auch Wechsel, je nachdem wer mit welchen Tourneen unterwegs ist. Eine gewisse Fluktuation ist da kalkulierbar. Zudem tauschen wir ab und zu auch mit der Crew von Rock im Park, dass wir ja auch betreuen. Dieses Jahr sind allerdings viele Künstler unterwegs, die wir begleiten: Grönemeyer und die Ärzte sind nur zwei davon. Da ist so ziemlich alles knapp, Personal, wie auch das Material. Gerade an diesem Wochenende. Zudem sind wir auch noch auf dem Plaza Festival in Hannover.
EventElevator:
Wann fangt Ihr mit der Vorplanung für die Festivals an?
Arnd Wagner:
Die läuft eigentlich fast ganzjährig durch. Im Oktober, November wird schon mal grob das Material in der Warenwirtschaft disponiert. Der Zuschlag seitens des Veranstalters MLK kommt meistens etwas später. Die heiße Phase beginnt im März und richtig rund geht es dann ab Mai. Die Rider der Bands sind dabei noch nicht mal das schwierige sondern einfach die Organisation der Masse an Material das hier verbaut ist.
EventElevator:
Wie ist die PA zusammengesetzt?
Arnd Wagner:
Das Festivaldesign wurde, wie seit zwei Jahren schon, durch Johan Schreuder erstellt, der selbst gerade bei Rock im Park ist. Er legt die fest wie das System zu bauen ist. In der Front spielen pro Seite 12 K1 von L-Acoustics, jeweils mit 4 K1SB über den K1. Unten auf dem Boden 48 SB 28 Bässe. Es gibt keine wirkliche Seiten-PA, da das Gelände eher schmal als breit ist. Bei uns wird damit eher das Nahfeld unterstützt (L-Acoustics KUDO). Zudem kommen noch Front-Fills für die ersten Reihen zum Einsatz (L-Acoustics KIVA) wie auch eine kleine, auf der Bühne gestackte KIVA-Einheit, für die VIPs, die von der Seite aus zuschauen.
„Letztes Jahr ist in einem Tower der Blitz eingeschlagen“
Insgesamt sind acht Delaytower in vier Reihen vorhanden, die erste Reihe ist mit je acht K1 pro Seite bestückt, die restlichen mit jeweils acht V-Dosc Lautsprechern. Die Signale werden per Riedel RockNet Ring verteilt. Vor zwei Jahren wurden neue Abwasser/Kabel-Schächte extra für Rock am Ring gebaut, um alle Positionen miteinander verbinden zu können. Vorher gab es kein komplett durchgängiges Schachtsystem. Das wurde von uns angeregt und vom Veranstalter mit dem Betreiber vom Nürburgring umgesetzt.
Delaytower aka BlitzableiterDelaytower aka BlitzableiterZudem laufen über das Rocknet über einen IP Tunnel die Steuerdaten für den LA-Network-Manager. Für den Havariefall liegen aber auch noch analoge Leitungen an jedem Delaytower an. Letztes Jahr ist in einem Tower der Blitz eingeschlagen, nachts, als keiner da war. Da sind doch einige RockNet-Geräte gestorben. Da wurden die analogen Leitungen morgens in aller Eile gelegt.
Unsere Signale von der Bühne und zurück laufen ganz klassisch über analoge Multicores. Unsere Standardcores sind zwar schon 120 Meter lang aber bei Rock am Ring ist das schon ziemlich knapp. Zudem liegt noch Ethernet über Lichtwellenleiter, ebenfalls für das Systemcontrolling über den LA Network Manager der die LA8 Systemamps steuert. Darüber läuft übrigens das komplette Sytemprocessing wie EQ’s und Delays. Zudem liegen noch diverse optische Kabel, BNC, Ethernet über LWL und weitere analoge Cores um Gästen, falls sie es wünschen, die Ankopplung so einfach wie möglich zu machen.
Die Signalverteilung der verschiedenen Gastpulte und der beiden Heritage 3000 läuft über einen Meyer Galileo, die hier die komplette Matrixverteilung übernimmt. Das schöne an der Galileo ist, dass alle Signale und Wege schön grafisch über einen PC dargestellt werden und analoge wie auch digitale Anschlüsse zur Verfügung stehen. Auf der Bühne stehen diverse L-Acoustics 115XT HiQ Monitore und KUDO Sidefills zur Verfügung. Auch hier läuft alles über LA8 Systemamps.
Eigenes Multicore für Metallica
EventElevator:
Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Bands?
Arnd Wagner:
Die Managements der Bands schicken ihre Bühnenanweisungen an den Veranstalter MLK. Vom Veranstalter läuft die Logistik und alle Organisation über zwei Stagemanager, die sich darum kümmern. MLK hat zu diesem Zweck extra einen Server zum Austausch von Dateien und Ablaufplänen eingerichtet. Hier laufen die Rider und alle zusätzlichen Informationen auf und alle Gewerke können darauf zugreifen. Zudem werden hierüber auch alle Funkfrequenzen koordiniert, die die Bands benötigen. Die endgültige Frequenzkoordination wird von der Bundesnetzagentur übernommen und überwacht. Hierüber erfahren wir auch, wer eigene Pulte und eigenes Material mitbringt und wer von uns versorgt wird.
Der Headliner Metallica heute Abend hat zum Beispiel alles selbst mitgebracht, bis hin zum eigenen Multicore, das heute morgen noch gezogen wurde. Die sind also komplett autark. Am FOH haben wir, wie schon gesagt, zwei Heritage 3000, die gerne genutzt werden. Analoge Pulte kann noch jeder bedienen. Plus die entsprechenden Sideracks. An der Monitorposition haben wir zwei Yamaha PM5D RH. Vielleicht nicht das am besten klingende Pult, aber das Pult, das die meisten Monitormischer kennen. Es hat einfach die größte Verbreitung.
EventElevator:
Set Changes in MinutenschnelleSet Changes in Minutenschnelle
Und das klappt?
Arnd Wagner:
Im Großen und Ganzen klappt das sehr gut. Manchmal kommt es vor, dass Bühnenanweisungen veraltet sind, oder das ein Headliner in der letzten Minute noch Sonderwünsche hat. Vor ein paar Tagen hatte sich der heutige Headliner dazu entschieden doch ein anderes Sidefill zu wünschen. Es musste unbedingt ein Meyer Mica System sein. In Absprache mit dem Veranstalter haben wir auch das in letzter Minute realisieren können. Das bedeutete Mica organisieren, Freitagnacht das KUDO abhängen und das Mica aufhängen.
Heute Nacht spielen wir das Spiel dann wieder rückwärts. Wir hatten mal in der Vergangenheit die Ansage eines Headliners die ganze PA abzubauen und ein favorisiertes Fabrikat einzubauen. Der FOH-Mann wollte unbedingt sein Endorsement durchsetzen. Das ging dann doch ein bisschen zu weit. Auch veraltete Bühnenanweisungen können uns ganz schön auf Trab halten, wenn du plötzlich mal 20 Kanäle mehr hast, die auf keinem Plan vermerkt waren. Aber das macht auch die Herausforderung spannend und da zahlt sich wieder das eingespielte Team aus!
EventElevator:
Wie plant ihr die Set Changes?
Arnd Wagner:
Über die Bühnenanweisungen wissen wir welche Rollriser vorzubereiten sind. Dank der riesigen Hinterbühne von ca. 40×6 Metern haben wir Platz genug alle Bands vorzubereiten. Während die eine Band spielt wird die nächste Band verkabelt, mikrofoniert und mit Strom versorgt. Entsprechende 220V und 120V Versätze liegen überall verteilt auf der Hinterbühne. Wir spielen mit zwei Multicore-Systemen. Während das „A“ System „Live auf Sendung“ ist wird das „B“ System mit den Subcores auf der Hinterbühne verbunden. Alle Wege können so am FOH und am Monitorpult getestet werden. So können die Mischer an den Pulten auch schon mal Ihre Pegel überprüfen.
Kurz vor dem Auftritt werden die Subcores von den Stageboxen auf den Risern getrennt und mit den aktiven Subcores die auf diversen Positionen auf der Bühne vorbereitet sind verbunden. Nun werden die Subcores auf der Bühne noch von Splitter „A“ auf Splitter „B“ gepatcht. Das „B“ System ist nun live und das „A“ System wird zum Vorbereiten genutzt. Die Vorbereitung am FOH sieht ähnlich aus: die Gastpulte kriegen eigene Verteilungen von uns, die wir einfach aufstecken, falls kein eigenes Coresystem vorhanden ist. An den Splittern hängt übrigens auch der Eurosound-Truck der den Sendeton für das Festival liefert.
Die Crew
Arnd Wagner: TL Crewchef
Ralf Basten:FOH
Tony Szabo: System
Nils Ottmann: System (Delays)
Stefan Hüser: Monitor
Ravi Rai: Monitor
Paul Max Wunderlich: Splitter Bandkoordination
Oguz Ejder: Bühne / Mikrofonie
Christoph Heydrich: Bühne / Mikrofonie
Michael Kleinat/Christian Bautze: Bühne und Mikrofonie
Text & Fotos: Oliver Kilian