MSA bewegt Laufsteg und Drum-Podest für Sabaton

Sabatons „The Legendary Tour“ (Foto: © Sabaton / Jens de Vos (@jensthepanda))

Der Automatisierungsspezialist Motor Stage Automation (MSA) hat für die „The Legendary Tour“ von Sabaton zwei zentrale kinetische Showelemente sowie die zugehörige Steuerung entwickelt und geliefert. Im Mittelpunkt stehen eine 30 Meter lange bewegliche Laufbrücke zwischen A- und B-Bühne sowie ein geflogenes Drum-Podest, das im Showverlauf auf drei riesigen aufblasbaren Händen landet.

Bewegliche Brücke über dem Publikum

Die Laufbrücke verbindet während der Show die Hauptbühne mit der B-Bühne. Sie wird aus dem Rig herabgelassen und ermöglicht es der Band, sich über dem Publikum zu bewegen. An beiden Enden befinden sich bewegliche Treppen, die an unterschiedliche Bühnenhöhen angepasst werden können.

Das Projekt wurde bei MSA von Jimmy Johnson geleitet. Der Prozess begann mit einer Risikobewertung nach EN 17206, aus der die Spezifikationen für die Automatisierungselemente abgeleitet wurden. Neben der Showwirkung standen Tourtauglichkeit, schnelle Aufbauzeiten und sichere Arbeitsabläufe im Fokus.

M:Cat-Laufsteg mit HOF MLT FOUR und Moveket

Der Laufsteg basiert auf dem modularen M:CAT-System von MSA und wird an einem Hauptträger aus HOF MLT FOUR Traversensystemen aufgehängt. Für die Bewegung kommen 14 Moveket-Hebezeuge zum Einsatz, davon zehn Einheiten mit 1250 kg Tragkraft und vier Einheiten mit 500 kg Tragkraft. Die Antriebe arbeiten mit V-Motion-Systemen.

Der M:Cat-Laufsteg wird im 90 Grad Winkel zur Bühne im Raum positioniert. An strategischen Punkten senkt sich das System ab, während die Treppen auf die Bühnen klappen und der Band einen sicheren Zugang ermöglichen.

Jimmy Johnson, Projektleiter bei MSA: „Wir wollten, dass der Auf- und Abbau so reibungslos und schnell wie möglich abläuft, daher war dies ein wesentlicher Bestandteil bei der Entwicklung des gesamten Systems.“

Die Konstruktion musste zehn Personen tragen und zusätzlich Platz für Beleuchtung, Nebelmaschinen und Spezialeffekte bieten. Die Laufstegabschnitte verfügen über integrierte Räder für das Einbringen und Positionieren in der Venue. Jeder Abschnitt wiegt ohne Zuladung 300 kg bei 3 Metern Länge. Die Gesamtkonstruktion besteht aus acht Abschnitten und kommt damit auf 2,4 Tonnen Grundlast, zuzüglich der daran befestigten Showtechnik.

Drum-Podest als szenisches Automationselement

Das zweite bewegliche Element ist ein Drum-Podest in der Mitte der Bühne. Produktionsleiter Johan Bengs entwickelte die Idee gemeinsam mit der Band und einer Zeichnung von Schlagzeuger Hannes Van Dahl. Das Podest sollte visuell so wirken, als werde es von drei riesigen aufblasbaren Händen nach oben bewegt. Die Hände wurden von Airworks Inflatables hergestellt.

MSA prüfte mehrere technische Varianten, darunter Bühnenlifte, ein maßgeschneidertes System und eine Lösung mit Kettenzügen. Die Entscheidung fiel auf eine geflogene Plattform mit vier Moveket-Zügen mit jeweils 1250 kg Tragkraft und V-Motion-Antrieben. Diese Lösung bot mehr Flexibilität für Venues unterschiedlicher Größe.

Die Bewegung ist Teil der Show-Erzählung und musste entsprechend flüssig und kontrolliert ablaufen. Gleichzeitig musste Hannes van Dahl sicher auf das Podest gelangen und sich dort sichern können. Auch der Arbeitsablauf für Schlagzeugtechniker Emanuel „Kebbe“ Isaksson wurde in die Konstruktion einbezogen.

Aufbau am Boden, Zugriff über die Bühnenarchitektur

Das Schlagzeug wird am Boden auf Rädern vorbereitet, vor die Bühne gerollt und anschließend auf Arbeits- beziehungsweise Backline-Höhe angehoben. Hannes van Dahl erreicht das Podest über einen Zugang im ersten Stock, der in die szenische Burgmauer des Bühnenbildes integriert ist. Diese Lösung geht auf Bühnenbildner und Lichtdesigner Bertil Mark (Stop Making Sense) sowie die Band zurück.

Anschließend wird die Podestkonstruktion in das Dach geflogen. Von dort senkt sie sich im Showverlauf ab und trifft auf die aufblasbaren Hände, die aus der Bühne herausragen.

Jimmy Johnson: „Die Zusammenarbeit mit Johan und dem Bühnenmanagement-Team war entscheidend, um einen sicheren und effizienten Arbeitsablauf zu gewährleisten und die Sicherheit der Crew hat zu jeder Zeit absolut denselben Stellenwert wie die Sicherheit der Künstler.“

Sabatons „The Legendary Tour“ (Foto: © Sabaton / Jens de Vos (@jensthepanda))

Sicherheit als Teil des Designs

Neben der Wirkung auf der Bühne spielte die Sicherheit eine zentrale Rolle. MSA arbeitete in der Konzeptionsphase mit Blumano Associates zusammen. Die Anforderungen aus Risikobewertung, Tourbetrieb und Venue-Kompatibilität flossen direkt in die Konstruktion ein.

Die Arbeiten in der Höhe wurden minimiert. Zusätzlich integrierte MSA Sicherheitsgeländer, Anschlagpunkte für Sicherheitsgurte und ein Absturzsicherungssystem, das vom Hauptgerüst aus erreichbar ist. Dadurch bleibt auch bei außerplanmäßigen Wartungsarbeiten ein sicherer Zugang möglich.

Ein weiteres technisches Thema war die Drehbewegung des Drum-Risers. Um diese zu verhindern, wurden acht RCF LightLocks unterhalb des Risers positioniert. Sie wirken dort ähnlich wie Stabilisatoren und verhindern unerwünschte Rotationen.

Hannes van Dahl erhielt während der Tour-Etappe im Sommer 2025 eine Schulung zu Notfällen und Rettungsmaßnahmen. Chef-Rigger Yose Lawson war maßgeblich an der sicheren Umsetzung der geflogenen Elemente beteiligt.

Enge Abstimmung zwischen Automation und Rigging

Yose Lawson wurde früh in die Planung eingebunden, da die Automatisierung, die Aufhängung und der Betrieb in wechselnden Venues zusammen gedacht werden mussten.

Jimmy Johnson: „Yose war entscheidend dafür, dass die Technik und die Aufhängung sowohl für die Riser als auch für die Brücke praktikabel waren.“

Gemeinsam reduzierten MSA und das Rigging-Team die notwendigen Arbeiten in der Höhe und verbesserten gleichzeitig die Zugänglichkeit. Yose Lawson brachte ein erfahrenes Team aus Riggern ein, das der Tour vorausreiste und die Rigging-Anlagen in den jeweiligen Venues vorbereitete.

UK Rigging stellte die Rigging-Elemente der Tour bereit. Insgesamt passten Automation, Rigging, Licht, Audio, Video und Bühnenbau in 24 Lkw. Drei Lkw waren mit der Automation beladen, vier weitere transportierten das tägliche Vorab-Rigging-Paket. Die Vorab-Rigging-Teams A und B wurden von Yoses Rigging Machine gestellt.

Muttergerüst für Automation und Showtechnik

Über der Bühne installierte MSA ein Muttergerüst aus 9 m x 6 m großen Feldern. Auch hier kamen HOF MLT FOUR Traversen zum Einsatz. Das Gerüst nahm Automationszüge, Kabelmanagement sowie Sicherheits- und Rettungsausrüstung auf.

Die Beleuchtungskörper für das Muttergerüst wurden von Vigsø Rentals bereitgestellt, dem Schwesterunternehmen von MSA. Die Integration in die Traversen erleichterte die logistische und technische Umsetzung.

Die Showsteuerung erfolgt über ein vollständig redundantes Moveket Expert III Konsolensystem. Als Automatisierungsprogrammierer und Operatoren arbeiten Kentaro „Ken“ Johnson und Sam Colclough auf der Tour. Zum weiteren Automationsteam gehören Daniel KlausenValdemar EnemarkMartin Kirch und Gareth Sumnall.

Teamarbeit über mehrere Gewerke

Das Projekt entstand in enger Abstimmung zwischen Automation, Backline, Bühnenbild, Licht, Bühnenmanagement, Rigging und der Band. Bassist Pär Sundström, zugleich Manager von Sabaton, war Teil des kreativen Prozesses.

Jimmy Johnson: „Johan hat uns alle dazu ermutigt, unsere Fähigkeiten und Erfahrungen zu bündeln, um gemeinsam die besten, spektakulärsten, sichersten und praktikabelsten Lösungen zu entwickeln, daher gab es vier zentrale konzeptionelle Aspekte des Automatisierungsentwurfs – Wie, Was, Warum … und Was wäre, wenn. Es war ein fantastisches Projekt, geprägt von viel Teamarbeit zwischen einigen wirklich talentierten Leuten, und wir freuen uns alle auf die nächsten Etappen der Tour. Ich glaube, Produktionsleiter und Designer schätzen eine persönliche Note sehr, und dieser Ansatz steht ganz im Vordergrund der Vision von MSA. Wir lieben Herausforderungen genauso sehr, wie wir es lieben, einfallsreiche und praktikable Lösungen zu finden!“