Unprocessed tourt mit flexiblem Floorset durch Nordamerika

„Angel“ North America Tour 2026 von Unprocessed

Für die „Angel“ North America Tour 2026 von Unprocessed entwickelte Lichtdesigner Joel Rörig von Sky-Lighting ein kompaktes Floorset, das mit möglichst wenigen Fixtures eine große Bandbreite unterschiedlicher Looks erzeugen sollte. Auf 25 Club-Shows innerhalb von 36 Tagen setzte die Produktion unter anderem auf GLP JDC Burst, ACME Tornado und Hyperzone sowie eine grandMA3 light. Kompletter Tour-Supplier war Christie Lites.

Die Tour führte im Frühjahr 2026 von Mexico City über die US-Westküste und Kanada bis nach Pittsburgh. Das eigene Lichtsystem musste dabei mit sehr unterschiedlichen Bühnengrößen, Hausanlagen und Stromversorgungen funktionieren.

Vielseitigkeit statt großer Stückzahlen

Ausgangspunkt des Designs war die Frage, wie sich mit einem begrenzten Touring-Setup über ein 90-minütiges Konzert möglichst unterschiedliche Bilder erzeugen lassen. Statt viele spezialisierte Scheinwerfer einzusetzen, konzentrierte Rörig das Rig auf Fixtures, die mehrere Aufgaben übernehmen können.

„Auf einer Club-Tour zählt jede Lampe doppelt, im Trailer, im Aufbau und im Strombudget. Also muss jede einzelne Lampe möglichst viele verschiedene Jobs können“, erklärt Joel Rörig.

Eine zentrale Rolle übernahm der GLP JDC Burst, der während der gesamten Tour im Vollpixel-Modus betrieben wurde. Rörig nutzte die Geräte sowohl als Strobe und Blinder als auch für Farbflächen, Pixel-Animationen und Chases.

Als zweite zentrale Komponente kamen acht ACME Tornado zum Einsatz. Mit jeweils fünf einzeln nutzbaren Beams standen damit insgesamt 40 Beams zur Verfügung, die sich unter anderem für Fächer, Raster und räumliche Effekte einsetzen ließen.

„Angel“ North America Tour 2026 von Unprocessed

22 Fixtures auf sechs Towern

Das eigene Set war vollständig als Floorset auf Dollys konzipiert. Vier Upstage-Tower auf F-Type-Track-Dollys wurden mit jeweils zwei ACME Tornado und zwei GLP JDC Burst bestückt. Zwei weitere Gassen-Tower auf Truss-Dollys trugen jeweils drei ACME Hyperzone für seitliche Beleuchtung.

Die vier Upstage-Tower standen bewusst nicht auf einer durchgehenden Linie. Durch ihre Staffelung entstanden unterschiedliche Tiefenebenen. Gleichzeitig waren Tornado und JDC Burst in verschiedenen Höhen angeordnet. Die seitlichen Hyperzone ergänzten eine weitere räumliche Ebene.

Ursprünglich waren vier Gassen-Dollys mit insgesamt zwölf Hyperzone vorgesehen. Auf den kleineren Bühnen erwies sich diese Konfiguration jedoch als zu groß und nahm der Band zu viel Bewegungsfläche. Die Produktion reduzierte deshalb auf zwei Gassen-Tower und sechs Hyperzone.

Damit bestand das finale eigene Floorset aus 22 Scheinwerfern.

Hauslicht ergänzt das Touring-Setup

Das Floorset bildete bei jeder Show die konstante Basis. Frontlicht, Dachpositionen und Publikumsbeleuchtung wurden dagegen aus dem vorhandenen Lichtbestand der jeweiligen Venue ergänzt.

Die Bandbreite reichte dabei von umfangreich ausgestatteten Club-Rigs bis zu Häusern mit lediglich einigen LED-PARs und wenigen Frontlichtpositionen.

„Da war es einfach wichtig, dass wir als Hauptsegment wirklich unser Floorset haben“, erklärt Rörig. „Das schafft uns jeden Abend eine Konstante, mit der wir arbeiten können.“

Für den Touring-Alltag waren sämtliche Komponenten auf den Dollys vorkonfektioniert und verkabelt. Das System konnte über Rampe oder Lift in die Clubs gebracht und dort nach einem festgelegten Schema aufgebaut werden.

grandMA3 light und Timecode

Gesteuert wurde die Produktion mit einer grandMA3 light. Die komplette Show lief auf Timecode. Aufgrund der komplexen Songstrukturen von Unprocessed mit Taktwechseln, Breaks und exakt gesetzten Stops entschied sich Rörig gegen ein überwiegend manuelles Operating.

„Die Songs haben so viele Cues, dass man das live gar nicht sauber hinbekommt. Timecode ist da nicht Bequemlichkeit, sondern die einzige Möglichkeit, dass jeder Akzent genau da sitzt, wo er hingehört“, so Rörig.

Das eigene Floorset blieb dabei als fester Bestandteil der Programmierung bestehen. Die jeweiligen Hausanlagen wurden täglich in die Show integriert und an die vorhandenen Möglichkeiten angepasst.

„Angel“ North America Tour 2026 von Unprocessed

Zwei Stromkonzepte für die Club-Tour

Eine weitere Herausforderung war die stark variierende Stromversorgung der nordamerikanischen Venues. Im technischen Rider forderte die Produktion 208 Volt, dreiphasig, fünfadrig in Wye-Konfiguration und mindestens 200 Ampere über Cam-Lok.

Tatsächlich reichten die Bedingungen von 100-Ampere-Gastanschlüssen bis zu Clubs in Pittsburgh und St. Louis, in denen lediglich einzelne 20-Ampere-Edison-Stromkreise zur Verfügung standen.

Deshalb führte die Produktion zwei vollständige Versorgungskonzepte mit. Im regulären Aufbau führte Cam-Lok zu einer 30-Kanal-208-Volt-Distro. Von dort wurden vier Socapex-Wege zu den Upstage- und Gassen-Towern verteilt.

Als Alternative standen Edison-auf-TRUE1-Adapter zur Verfügung. Damit konnten die Fixtures unter Umgehung der zentralen Distro direkt aus bis zu 15 dedizierten 20-Ampere-Stromkreisen der Venue versorgt werden.

„Der Edison-Fallback war die wichtigste Entscheidung der ganzen Vorbereitung“, sagt Rörig. „Ohne ihn hätten wir in mindestens drei Städten nur das halbe Rig gehabt.“

Christie Lites übernimmt Tour-Supply

Christie Lites lieferte das komplette Lichtmaterial einschließlich Stromverteilung, Verkabelung und Dollys. Ansprechpartner während der Planung war Max Wallstein. Rig-Layout, Verkabelung und Änderungen am Material wurden gemeinsam bis kurz vor Tourbeginn abgestimmt.

Da Rörig zum Tourstart bereits mit Unprocessed in Mexiko war, übernahm Christie Lites am Standort Nashville auch die Vorbereitung des Floorsets. Dazu gehörten die Vorkonfektionierung der Verkabelung und der vollständige Aufbau auf den Dollys.

Der typische Tourtag begann gegen 13 Uhr mit dem Load-in. Rund zweieinhalb Stunden waren für Aufbau und Verkabelung vorgesehen, gefolgt von 45 Minuten Soundcheck und den Changeovers für zwei Support-Acts. Vier lokale Hands unterstützten Load-in und Load-out, zwei davon zusätzlich bei den Changeovers.

Das Konzept soll in angepasster Form auch bei der Europa-Tour von Unprocessed im Herbst 2026 eingesetzt werden.