Bewegte Traversen und transparenter LED-Screen für die Street Parade Zürich

Die Center Stage am Nachmittag (Foto: © Nube Fotografie)

Rund 900.000 Besucher, mehr als 200 Acts und neun Bühnen: Am 8. August 2026 fand die 33. Street Parade unter dem Motto „Together we move“ in Zürich statt. Eine der größten Bühnen am Seebecken war die von der Schweizer Firma event ag konzipierte und realisierte Center Stage am Bürkliplatz. Projektleiter Silas Bachmann setzte das Projekt gemeinsam mit Lichtdesigner und Programmierer Joel Rörig von Sky-Lighting um. Zum technischen Setup gehörten mehr als 200 Quadratmeter transparenter LED-Screen, rund 200 Scheinwerfer, fünf verfahrbare Fingertraversen sowie ein grandMA3-System. Dank dieser Kombination aus Bühnen-, Licht- und Medientechnik konnte die Center Stage als eindrucksvolle Plattform für die Acts der diesjährigen Street Parade realisiert werden

Von 13 Uhr bis Mitternacht standen unter anderem Archie Hamilton, Sonny Fodera und Yamagucci hinter den Decks. Für das Team bedeutete das elf Stunden durchgehenden Showbetrieb mit wechselnden Acts. Die komplette Lichtshow und der LED Content wurde live gebuskt.

„Elf Stunden Betrieb von der prallen Mittagssonne bis Mitternacht, dazu ein Line-up mit ständig wechselnden Acts, da muss das Setup so gebaut sein, dass ich auf jeden Stilwechsel sofort reagieren kann. Die Show ist von der ersten bis zur letzten Minute live gefahren worden“, erklärt Joel Rörig, Lichtdesigner und Programmierer bei Sky-Lighting. 

Fünf bewegliche Fingertraversen

Das Bühnenbild bestand aus zylindrischen Gerüsttürmen und einer rund 200 m² großen Fläche aus transparentem LED-Screen. Vor dem DJ-Pult war zusätzlich eine Bogentraverse installiert. Ein wesentliches Gestaltungselement bildeten fünf Fingertraversen, die sich während der laufenden Show über dem Publikum bewegen ließen. Zum Einsatz kam dafür eine C1-Anlage von Stage Kinetik.

Silas Bachmann: „Bereits in der Konzeptionsphase hat sich schnell herausgestellt, dass der transparente LED-Screen T3 von event ag das optimale Produkt für diese Bühne ist. Der offene Blick auf den Zürichsee war ein wichtiger Bestandteil des Designs. Gleichzeitig bot der LED-Screen die Möglichkeit, mithilfe von Licht zusätzliche Ebenen hinter der LED-Fläche zu schaffen – ein weiterer entscheidender Faktor für die Gestaltung.“

Alle Scheinwerfer auf den beweglichen Traversen waren im vollständigen Pixelmodus gepatcht. Dadurch konnte Rörig die Bewegung der Traversen mit unabhängig programmierten Pixel-Effekten kombinieren.

„Die Finger haben das Bühnenbild über den Tag immer wieder neu zusammengesetzt, kein Set sah aus wie das davor. Und weil alles darauf im vollen Pixelmodus lief, konnte ich die Bewegung der Traverse und den Effekt auf dem Gerät gegeneinander laufen lassen. Das ist das Werkzeug, mit dem man auf einer Bühne, die elf Stunden läuft, für Abwechslung sorgt“, so Rörig. 

(Foto: © Nube Fotografie)

Mehr als 200 Scheinwerfer im Outdoor-Rig

Den Kern des Rigs bildeten 45 Martin MAC Viper XIP. Neben ihrem Output für den Showbetrieb bei Tageslicht spielte die IP54-Klassifizierung für den Einsatz unter freiem Himmel eine Rolle.

Zwölf Martin MAC Aura Raven XIP lieferten Farbflächen und Gegenlicht. Für die kinetischen Effekte kamen 36 ACME Tornado zum Einsatz. Mit jeweils fünf einzeln steuerbaren Köpfen standen damit insgesamt 180 Heads zur Verfügung, mit denen sich unter anderem Wellen- und Fächereffekte über die Bühnenbreite erzeugen ließen. 

Direkt hinter dem DJ-Pult waren außerdem acht GLP WildBar 16 positioniert. Rörig nutzte sie gezielt, um die visuelle Dimension der Bühne während der Build-ups auf den Bereich um den DJ zu reduzieren und das vollständige Rig erst im Drop wieder zu öffnen: „Die WildBars hinter dem Pult sind mein Werkzeug für den Aufbau. Ich nehme im Build-up alles andere raus und lasse nur die acht Bars stehen, dann wirkt diese riesige Bühne plötzlich klein und alles zieht sich auf den DJ zusammen. Und im Drop geht das komplette Rig wieder auf. Der Kontrast macht den Moment, nicht die Helligkeit.“ 

Blinder hinter transparenten LED-Flächen

Eine weitere Gestaltungsebene befand sich hinter den transparenten LED-Flächen. Dank der hohen Transparenz von 52 Prozent eignet sich der bewährte Screen hervorragend für die Positionierung von Blindern hinter der LED-Fläche. Bei ausgewählten Peaks wurde deren Licht gezielt eingesetzt und durch den transparenten Screen sichtbar gemacht.

Auch diese Effekte setzte Rörig bewusst sparsam ein: „Wenn die Blinder hinter dem transparenten LED durchbrechen, hast du genau diesen einen Moment, für den die Leute gekommen sind. Das funktioniert aber nur, wenn du ihn dir den ganzen Abend aufhebst.“ 

Mehr als 20.000 Parameter auf grandMA3

Die Steuerung der Center Stage erfolgte über ein grandMA3-System in einem sACN-Netzwerk. Als Hauptkonsole kam eine grandMA3 full-size zum Einsatz, eine grandMA3 light stand als Backup bereit.

Durch den vollständigen Pixelmodus der Fixtures auf den Fingertraversen umfasste die Show mehr als 20.000 Parameter, verteilt auf über 30 Universen. 

Herausforderung FOH

Aufgrund der Lage, der hohen Besucherzahl und der geografischen Gegebenheiten war ein klassisches FOH vor der Bühne nicht möglich. Die Operator waren deshalb seitlich der Bühne positioniert. Dadurch blieb zwar die direkte Sicht auf die Bühne erhalten – eine wichtige Voraussetzung für den Betrieb der C1-Anlage –, dennoch stellte die Positionierung besondere Anforderungen an das Monitoring und Operating.

„Damit die Operator auch von der seitlichen Position aus einen optimalen Überblick über das Bühnengeschehen behielten, wurde das FOH mit mehreren Kameras und einer Low-Latency-Video-Funkstrecke unterstützt. Die Übertragung der Bildsignale im stark belegten RF-Umfeld erwies sich dabei als besondere technische Herausforderung“, erklärt Silas Bachmann.

Die nächste Street Parade findet am zweiten Samstag im August 2027 statt.