Für das Musical „9 to 5“ in der Stadthalle Hadamar entstand ein Lichtdesign, das bewusst mit engen Grenzen arbeitete: begrenztes Budget, limitierte Strominfrastruktur und ein technisch gemischtes Setup. Lichtdesigner Benedikt Blech entwickelte daraus eine strukturierte, dramaturgisch fokussierte Gestaltung mit präzisem Farbmatching und über 500 sauber definierten Cues.
Projekt: Musical 9 to 5 unter Produktionsrealität
Die Aufführungen von „9 to 5“ in der Stadthalle Hadamar standen stellvertretend für typische Produktionsbedingungen außerhalb großer Tour-Setups. Statt maximaler Materialfülle lag der Schwerpunkt auf Planung, Priorisierung und Struktur.
Lichtdesigner Benedikt Blech beschreibt die Ausgangslage: „Die Rahmenbedingungen waren klar definiert: begrenztes Budget und eine eingeschränkte Strominfrastruktur. Das erforderte eine sehr präzise Priorisierung aller gestalterischen und technischen Entscheidungen.“
Die Einschränkungen wurden nicht als Hindernis verstanden, sondern als Filter für gestalterische Entscheidungen: „Solche Einschränkungen schärfen den Prozess. Unter realen Produktionsbedingungen zeigt sich, wie effizient sich Ideen in präzise Lichtgestaltung übersetzen lassen.“
Setup: konzentriertes Rig statt Materialfülle
Aus der Kombination von verfügbarer Technik und Stromlimit ergab sich ein kompaktes, aber klar definiertes Rig.
Licht-Setup im Detail
Die in die Kulisse integrierten LED-Spots und die Noname-LEDs wurden nicht als Nachteil gesehen, sondern als zusätzliche Layer, die bewusst in ein einheitliches Bild eingebunden wurden.
Netzwerk und Steuerung
Gesteuert wurde das System über eine MA-Umgebung von MA Lighting mit strukturiertem Netzwerk:
Musical „9 to 5“ in der Stadthalle Hadamar (Foto: © Stefan Gregorowius)Atmosphärische Säulen: Haze und Beam-Struktur
Zwei Geräte bildeten zentrale Konstanten im Lichtbild: der Hazer und die X4-Washes. Zur Rolle des Hazers sagt Benedikt Blech: „Die MDG ATMe ist für mich seit Jahren der verlässlichste Dunsterzeuger. Sie erzeugt eine fein auflösende, stabile Atmosphäre, die Beam-Strukturen unterstützt, ohne den Raum optisch zu überlagern.“
Die GLP X4 fungierten als zentrales Werkzeug für Wash, Positionsarbeit und Farbflächen. Blech beschreibt den Stellenwert der X4: „Die GLP X4 gehören seit langem zu meinen Standardwerkzeugen. Ihre Zuverlässigkeit und die homogene Farbwiedergabe ermöglichen einen konsistenten Look – selbst in Setups, die aus unterschiedlichen Serien oder Baujahren bestehen.“
So entstand aus einem heterogenen Rig ein konsistentes Lichtbild, das auf wenigen definierten Säulen basiert.
Projektion mit Panasonic Connect
Für Projektionselemente stellte Panasonic Connect in Zusammenarbeit mit René Raabe (Application Specialist & Sales Engineer) einen Panasonic MZ20 inklusive Optik und technischer Begleitung bereit.
Benedikt Blech betont die Bedeutung der Unterstützung: „Panasonic hat uns nicht nur materiell unterstützt, sondern auch mit technischer Expertise begleitet. Diese Kombination war für die gestalterische Präzision entscheidend.“ Die Projektion wurde dabei nicht als isolierte Ebene genutzt, sondern in das Lichtkonzept integriert, um Szenenräume zu strukturieren.
Kommunikation mit Riedel: Intercom als Produktionsfaktor
Die komplette Intercom-Infrastruktur wurde von Riedel Communications bereitgestellt. Zum Einsatz kam ein Bolero-System mit zehn Beltpacks. Benedikt Blech: „Riedel kenne ich seit vielen Jahren aus dem Broadcast-Bereich, insbesondere von großen Fernsehproduktionen. Dort ist eine klare, belastbare Kommunikationsstruktur essenziell – dieselbe Qualität, die wir auch hier benötigt haben.“
Die zuverlässige Kommunikationsstruktur ermöglichte eine saubere Umsetzung der Vielzahl an Cues und Übergängen, ohne zusätzliche Probenzeiten zu erzwingen.
Color-Matching über unterschiedliche Farbräume
Das Setup vereinte Fixtures mit RGB, RGBW und RGBL. Alle drei Varianten basieren auf unterschiedlichen spektralen Eigenschaften, wodurch eine perfekte Farbübereinstimmung physikalisch nicht erreichbar ist: „Der Unterschied zwischen RGB, RGBW und RGBL ist kein Detail – es sind vollständig unterschiedliche Farbräume.“
Mit Rosco DMG Dash und DMG MINI wurden alle Scheinwerfer auf möglichst ähnliche Farben und Filter abgestimmt. Ziel war keine absolute Identität, sondern ein konsistenter Gesamteindruck. Benedikt Blech: „Es geht nicht um absolute Identität – sondern darum, Unterschiede so weit zu minimieren, dass sie im Gesamtkontext nicht mehr auffallen.“ Damit wurde aus unterschiedlichen Farbräumen ein in sich schlüssiges, für das Publikum homogen wirkendes Bild.
500 Cues: Struktur als dramaturgisches Raster
Das Showfile orientiert sich an einem Workflow, der auf Wiederverwendbarkeit und Übersicht ausgelegt ist. Die Basis dafür bilden:
- konsistent aufgebaute Presets
- sauber definierte Fixture-Gruppierungen
- strukturierte Layouts, ähnlich den Magic Sheets aus dem Theaterbetrieb
- eine dramaturgisch gegliederte Cueliste
- über 500 eindeutig definierte Cue-Punkte
Benedikt Blech fasst seine Arbeitsweise zusammen: „Ich arbeite grundsätzlich strukturiert. Jede Farbe, jede Position, jeder Fade und jeder Cue folgt einer klaren gestalterischen Logik.“ Die Cues bilden ein fein gerastertes Zeit- und Bildsystem. „Cues sind wie Taktstriche: Je präziser sie gesetzt sind, desto klarer lässt sich der visuelle Ablauf formulieren.“ Mehr als 500 Cues stehen hier nicht für Komplexität um ihrer selbst willen, sondern für einen bewusst getakteten visuellen Ablauf.
Benedikt Blech bringt seine Grundhaltung auf den Punkt: „Ein starkes Lichtdesign definiert sich nicht über die Anzahl der Geräte, sondern über die Qualität der Entscheidungen. Ich programmiere nicht für die Konsole, sondern für den Moment, der beim Publikum ankommt. Das Ziel bleibt immer gleich: nicht die Technik in Szene zu setzen, sondern den Moment.“