Die Everybody Scream-Tour von Florence + The Machine verbindet eine dichte, atmosphärische Klangästhetik mit einer visuell stark aufgeladenen Inszenierung. Zwischen Alternative Rock, theatralischer Zuspitzung und dunkler Folklore entsteht eine Show, die auf emotionale Wirkung und technische Präzision gleichermaßen setzt. Für die Audioseite steht ein Team aus FOH, Systemtechnik und Monitor-Regie bereit, das mit Britannia Row innerhalb des Clair Global Netzwerks ein global konsistentes Touring-Setup realisiert.
Das aktuelle Live-Konzept knüpft an den Erfolg des fünften Albums an, das in Großbritannien wie auch in den USA Spitzenplätze erreichte. Auf Tour wird die Produktion von Lucy Graubart als Tourdirektorin, Wob Roberts als Produktionsleiter und Emily Holt als Tourmanagerin getragen. Die Show bewegt sich bewusst zwischen Sanftheit und Wucht und setzt damit den musikalischen Charakter der aktuellen Phase auch live konsequent fort.
Produktion zwischen Präzision und Intensität
Tourmanagerin Emily Holt: „Ich bin so stolz darauf, mit einigen ikonischen Künstlerinnen zusammenzuarbeiten, und Florence ist zweifellos eine davon.“
Emily Holt beschreibt Florence Welch als Künstlerin mit außergewöhnlicher Stimme, großem Gehör und hoher Sensibilität für ihre akustische Umgebung. Daraus ergibt sich ein Anspruch an Technik und Crew, der weit über eine funktionierende Grundversorgung hinausgeht. Vertrauen in das Setup und in die Menschen dahinter ist für diese Show ein zentraler Faktor.
FOH mit Fokus auf Stimme und Atmosphäre
Seit 2017 verantwortet Brad Madix den FOH Sound von Florence + The Machine. Die Zusammenarbeit beschreibt er als konstant inspirierend. Der Grundcharakter des Sounds habe sich über die Jahre nicht grundsätzlich verändert, die Stimmung der Show jedoch schon. Heute sei der Ansatz dunkler, introspektiver und bedrohlicher, ergänzt um ungewöhnliche Klangquellen, die zusätzliche Textur und Atmosphäre schaffen.
Zu diesen Elementen gehören eine Glasharmonika und ein Waterphone. Letzteres setzt Brad Madix nicht nur innerhalb der Songs, sondern auch in den Pausen zwischen den Titeln ein, um Übergänge klanglich zusammenzuhalten und Spannung aufzubauen.
Brad Madix: „Sie ist eine phänomenale Sängerin, wirklich talentiert und eine so aufrichtig angenehme Person, mit der man zusammenarbeiten kann. Der Sound hat sich im Laufe der Jahre nicht drastisch verändert, aber die Stimmung schon. Er ist düsterer, introspektiver und etwas bedrohlicher geworden, und wir haben begonnen, einige unkonventionelle Elemente einzubauen, mit ungewöhnlichen Instrumenten, um Textur und Atmosphäre zu schaffen. Die Band ist fantastisch, unser musikalischer Leiter Pauli Lovejoy ist unglaublich, und Florence war schon immer unglaublich gut darin, auf der Bühne sehr körperbetont zu singen, also habe ich viel Talent, mit dem ich arbeiten kann.“
Brad Madix verantwortet den Sound von Florence + The Machine seit 2017Für Florences Gesang kommt eine DPA 4018V Kapsel zum Einsatz. Brad Madix schätzt daran die weiche Wiedergabe und die angenehme Präsenz im Hochtonbereich. Gemischt wird auf einem AVID VENUE | S6L. Den Workflow hält er bewusst übersichtlich und nutzt das Pult als vertraute Zentrale, ergänzt um wenige Plug-ins und eine enge Integration mit Pro Tools. Für jeden Song erstellt er eigene Layouts, um die jeweils relevanten Parameter direkt im Zugriff zu haben. Gleichzeitig versucht er, so viele Abläufe wie möglich zu automatisieren, damit seine volle Aufmerksamkeit auf der Stimme liegt.
Brad Madix: „Abgesehen von ein paar Plug-ins versuche ich, die Dinge relativ einfach zu halten und das zu nutzen, was mein Mischpult bietet. Es kommt auf Vertrautheit und den Arbeitsablauf an, und dieses Mischpult lässt sich gut in Pro Tools integrieren. Ich mag ihre Flexibilität und erstelle für jeden Song eigene Layouts, sodass ich alles, was ich brauche, direkt vor mir habe. Das Ziel ist jedoch, so viel wie möglich im Hintergrund zu automatisieren, damit ich mich auf ihren Gesang konzentrieren kann. Das hat immer Priorität. Ihre Stimme ist so dynamisch, sie wechselt ohne zu zögern von einem Flüstern zu einer kraftvollen Note. Das ist nicht nur technisch beeindruckend, sondern auch emotional ausdrucksstark. Und weil sie sehr beständig ist, macht das aus Sicht des Mixings einen großen Unterschied.“
Cohesion System für globale Konsistenz
Systemingenieur Elad Kleiner arbeitet seit zehn Jahren mit Clair Global zusammen und begleitet die Produktion in ihrer aktuellen Ausbaustufe mit Britannia Row. Für ihn ist die internationale Struktur des Unternehmens ein wesentlicher Vorteil, weil technischer Support und logistischer Rückhalt weltweit verfügbar bleiben.
Elad Kleiner: „Sobald man versteht, was es bedeutet, ein wirklich globales Unternehmen zu sein, wird einem klar, dass der verfügbare Support nahezu unbegrenzt ist. Gemeinsam können wir alle Probleme unterwegs schnell lösen, und das ermöglicht es uns, uns darauf zu konzentrieren, jeden Abend eine großartige Show zu liefern.“
Auch Brad Madix hebt genau diesen Punkt hervor. Für ihn liegt eine der größten Stärken von Clair Global und seinen Marken in der weltweiten Reproduzierbarkeit eines einmal entwickelten Systems. Das gleiche Setup lasse sich an unterschiedlichen Orten mit hoher Zuverlässigkeit wieder aufbauen.
Systemingenieur Elad Kleiner und FOH Sound Brad MadixBrad Madix: „Eine der größten Stärken von Clair, für alle seine Marken, ist die globale Konsistenz. Ich weiß, dass ich genau dieses Setup überall auf der Welt einsetzen und nachbauen kann. Dieses Maß an logistischer und technischer Unterstützung ist kaum zu übertreffen.“
Produktionsleiter Wob Roberts arbeitet seit vielen Jahren mit Britannia Row zusammen und sieht die Entscheidung für das Cohesion PA System durch die Erfahrungen der Promo-Shows im Vorjahr bestätigt.
Wob Roberts: „Es ist großartig, wieder mit Britannia Row und Skan PA zusammenarbeiten zu können. Brad und Elad haben bereits bei den Promo-Shows im letzten Jahr ihre Vorliebe für ein Cohesion-PA-System geäußert, und nachdem ich es jetzt in Aktion gehört habe, kann ich verstehen, warum.“
Systemdesign mit Haupt, Side, Rear und Delay
Das Touring-System basiert auf Cohesion CO12 als Haupt und Side Hang. Die Rear Hangs bestehen aus CO10 Lautsprechern. Für den Tieftonbereich kommen geflogene CP218 II+ Subwoofer in Nierenkonfiguration zum Einsatz, ergänzt durch CP218 Bodensubwoofer im ULF Modus über die gesamte Front. Der Front Fill wird mit CP6+ Aktivlautsprechern realisiert, die entlang der Bühnenkante verteilt sind. Ein zusätzlicher CP6+ steht am Ende der Bühne.
Bei den Delay-Systemen unterscheidet sich die Ausführung nach Region. In Europa arbeitet das Setup mit CO10, auf der aktuellen US Tour mit CO12. Beide Varianten nutzen einen Abstrahlwinkel von 80°.
Elad Kleiner sieht die Rolle des Systems klar definiert. Das PA müsse dem sorgfältig ausgearbeiteten Mix von Brad Madix eine stabile und präzise Frequenzbasis liefern.
Elad Kleiner: „Brad ist ein phänomenaler Toningenieur. Wir scherzen oft, dass er sich um die Eingänge kümmert und ich um die Ausgänge. Sein Mix ist unglaublich konsistent und sorgfältig ausgearbeitet, was bedeutet, dass die Aufgabe unseres PA-Systems darin besteht, ihm eine stabile und präzise Frequenzbasis zu bieten, auf der er arbeiten kann.“
„Everybody Scream“-Tour von Florence + The Machine (Foto: © Lillie Eiger)Akustische Herausforderungen der Inszenierung
Gemeinsam mit den PA Technikern Anthony Dean, Sascha Stevenson und Lukasz Szatarow arbeitet Elad Kleiner daran, eine gleichmäßige Beschallung über den gesamten Saal zu erreichen und gleichzeitig den Pegel auf der Vorbühne so weit wie möglich zu reduzieren. Das hilft sowohl bei der Rückkopplungssicherheit für Florences Mikrofon als auch bei der Minimierung von Störgeräuschen in ihren IEMs.
Das Bühnenbild bringt dabei konkrete akustische Herausforderungen mit. Die große Videowand und die lange Vorbühne beeinflussen die Schallausbreitung deutlich. Hinzu kommt, dass sich Höhe, Größe und Position der Videowand regelmäßig verändern. Dadurch können akustische Summationspunkte zwischen linker und rechter Seite abgeschattet werden, was sich insbesondere im hinteren Bereich der Arena auf den Frequenzgang auswirken kann. Als Gegenmaßnahme wurde ein zentraler Delay Hang integriert, um die Konsistenz auch auf diesen Plätzen zu verbessern.
Elad Kleiner: „Wir sorgen für eine gleichmäßige Beschallung des gesamten Saals und reduzieren gleichzeitig den Pegel auf der Vorbühne so weit wie möglich. Das ist nicht nur wichtig, um Rückkopplungen von Florences Mikrofon zu reduzieren, sondern auch, um das Rauschen in ihren IEMs zu verringern. Dabei achten wir darauf, dass das Klangbild mit der Bühnenperspektive übereinstimmt. Die Höhe der Videoleinwand ändert sich regelmäßig; ihre Größe und Position können die akustischen Summationspunkte zwischen links und rechts abschatten. Dies könnte zu einem schlechten Frequenzgang am hinteren Ende der Arena führen, aber um dem entgegenzuwirken, haben wir einen zentralen Delay-Hang implementiert, um die Konsistenz für das Publikum auf diesen Plätzen zu verbessern.“
Am Ergebnis zeigt sich für Brad Madix vor allem ein klanglicher Fortschritt in den Höhenbereichen. Der Korrekturbedarf per EQ sei deutlich geringer als früher.
Brad Madix: „Dieses System gefällt mir wirklich gut. Die Höhen sind spürbar weicher, und wir müssen viel weniger korrigierende EQ-Einstellungen vornehmen als früher. Es fühlt sich wie ein echter Fortschritt an.“
Monitoring zwischen Technik und Psychologie
An der Monitor-Konsole arbeitet Hannah Brodrick mit einem Ansatz, der technisches Handwerk und soziale Wahrnehmung eng miteinander verbindet. Für sie beginnt guter Monitorsound nicht erst bei der Reaktion auf einen Wunsch des Künstlers, sondern im frühzeitigen Erkennen von Problemen und Stimmungen.
Hannah Brodrick: „Das Kennzeichen eines guten Monitor-Ingenieurs ist es, zu erkennen, ob ein Problem vorliegt, und es zu beheben, noch bevor der Künstler es überhaupt bemerkt. Ich scherze immer, dass ich Monitor-Ingenieurin geworden bin, weil mein Vater Elektronikingenieur und meine Mutter Therapeutin war. Diese Kombination hilft wirklich. Bei Monitoren geht es zu 80 % um emotionale Intelligenz und zu 20 % um technisches Können. Man muss Menschen lesen können und ihre Stimmung, ihr Selbstvertrauen erkennen, ob sie müde sind, verstehen, wer Bestätigung braucht usw., und diese Seite des Jobs fällt mir ganz natürlich. Wenn mich Leute fragen, welche Fähigkeiten man zum Abmischen von Monitoren braucht, sage ich immer: Lernt ein bisschen Psychologie.“
Für Brodrick endet diese Verantwortung nicht beim Hauptact. Auch Crew und weitere Beteiligte benötigen verlässliche und konsistente Signale, weil ihre Aufgaben unmittelbar mit dem Ablauf der Show verknüpft sind.
Hannah Brodrick: „Jeder Mix ist wichtig. Auch die Crew braucht Konsistenz, denn ihre Rollen sind genauso wichtig.“
Monitor-Team: Nick Jackson und Hannah BrodrickHexenchor, Raumgefühl und neue Werkzeuge
Neu in dieser Tourphase ist die Integration der Tänzerinnen beziehungsweise Backgroundsängerinnen, die als „Hexenchor“ Teil der Inszenierung sind. Die vier Performerinnen erweitern die Show um zusätzliche Choreografie und verstärken den Eindruck einer durchkomponierten visuellen Performance.
Hannah Brodrick: „Das bringt viel mehr Choreografie mit sich, sodass es jetzt weniger darum geht, einfach nur mit einer Band auf der Bühne zu stehen, sondern vielmehr um eine umfassende visuelle Performance.“
Technisch arbeitet Hannah Brodrick mit einer DiGiCo Quantum 338 sowie einer Kombination aus Shure Axient Digital PSM und Ultimate Ears. Hinzu kommen die Fourier Audio transform.engine und Seventh Heaven von LiquidSonics. Erstmals setzt sie auch KLANG: technologies ein, um der atmosphärischen Dichte der Show ein kontrolliertes Raumgefühl in den Monitor-Mixen hinzuzufügen. Die Eingriffe bleiben bewusst subtil und konzentrieren sich vor allem auf Backing Vocals und Schlagzeug. Ergänzend nutzt sie einen Fairchild 670 Kompressor und einen Lexicon 224 Digitalhall.
RF, IEM und Ablauf auf Tour
Bei der Vorbereitung der Show arbeitete Hannah Brodrick mit Monitor-Techniker Nick Jackson zusammen. Die Unterstützung durch Britannia Row beschreibt sie als sehr praxisnah, insbesondere bei den Funkstrecken und beim digitalen Betrieb der IEMs. Eine wichtige Rolle spielte dabei Sam Spice, Leiter der Abteilung RF & Mics bei Britannia Row, der sowohl beim Aufbau als auch bei den Tests während der Proben unterstützte.
Hannah Brodrick: „Zum Beispiel war das Lager am 2. Januar geöffnet, als ich vorbereiten wollte, womit ich nicht gerechnet hatte. Sam Spice war eine große Hilfe beim Aufbau der Funktechnik. Da ich zum ersten Mal IEMs digital betrieb, habe ich von Anfang an eng mit ihm und Shure zusammengearbeitet. Er kam sogar zu den Proben, um uns bei den Tests zu helfen, daher fühle ich mich sehr gut unterstützt.“
Auch Nick Jackson verweist auf den Ausbau der technischen Möglichkeiten bei Britannia Row. Für ihn ist vor allem entscheidend, dass zusätzlich benötigtes Material weltweit schnell verfügbar gemacht werden kann. Ein großer Teil seiner Arbeit besteht darin, Abläufe zu straffen, kleine Einzelprozesse im Blick zu behalten und auf Störungen vorbereitet zu sein.
Nick Jackson: „Die Ausstattung bei Britannia Row ist mittlerweile fantastisch. Ich habe vor 11 Jahren in ihrem Lager angefangen, und seitdem haben sich die Möglichkeiten enorm erweitert. Wenn wir zusätzliches Equipment benötigen, ist es von überall auf der Welt verfügbar. Wir fragen einfach nach, und es wird besorgt – dieses Maß an Unterstützung ist wirklich beeindruckend. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, den Ablauf zu optimieren. Es gibt so viele kleine bewegliche Teile, da geht es darum, alles so effizient wie möglich zu gestalten. Erfolg hängt von guter Vorbereitung und Wachsamkeit während der Show ab; man muss bereit sein, falls etwas schiefgeht, deshalb habe ich immer einen Plan.“
Das neue Clair Global Headquarter in Lititz (Pennsylvania)Start in den USA nach Vorbereitung in Lititz
Vor dem Beginn der Nordamerika-Tour bereitete sich das Team von „Everybody Scream“ im Hauptsitz von Clair Global in Lititz auf den nächsten Abschnitt vor. Der Tourstart erfolgte anschließend in Minneapolis. Für Produktionsleiter Wob Roberts zeigt das Gesamtpaket aus Lautsprechersystem, Steuerung, HF Koordination und Genehmigungen, wie umfassend die Produktionsanforderungen innerhalb des Clair Global Netzwerks abgebildet werden können.
Wob Roberts: „Ich bin beeindruckt vom gesamten Clair-Global-Paket. Sie haben alle unsere Anforderungen – von der Steuerung und den Lautsprechern bis hin zur HF-Koordination und den Genehmigungen – mühelos erfüllt. Vielen Dank an unsere Kundenbetreuer Chris Fitch und Jonathan Dunlop, die das möglich gemacht haben.“