Für die Stadiontour „The Circus Live – Summer 2026“ von Take That verantwortete Skan, eine Marke von Clair Global, die Audiotechnik. 736.000 Besucher erlebten die 17 Shows in Großbritannien und Irland. Neben einem aufwendigen d&b audiotechnik PA-Design setzte das Team auf DiGiCo Konsolen, KLANG Monitoring und eine umfangreiche HF-Infrastruktur.
Die Tour griff die ursprüngliche „The Circus Live“-Produktion von 2009 auf und entwickelte deren Konzept technisch und gestalterisch weiter. Für die Audio-Crew bedeutete das eine besondere Herausforderung. Große Teile der Show fanden nicht auf der Hauptbühne, sondern auf einer 360 Grad B-Bühne im Stadioninnenraum statt. Gleichzeitig sollte die Beschallung trotz der Dimensionen möglichst wenig in das visuelle Bühnenbild eingreifen.
Monitoring ohne direkte Sicht auf die Bühne
Becky Pell betreut Take That bereits seit vielen Jahren als Monitor-Ingenieurin. Während der aktuellen Tour arbeitete sie von einer ungewöhnlichen Position aus. Ihr Monitorplatz befand sich in einem abgeschirmten Bereich unterhalb des Bandpodests auf der linken Bühnenseite.
Eine direkte Sichtverbindung zu den Künstlern hatte sie nicht. Stattdessen erhielt sie ein Kamerabild der Videoabteilung, das überwiegend Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen zeigte.
„Ich muss mich wirklich stark konzentrieren, denn es passiert so viel Außergewöhnliches, dass man leicht abgelenkt werden könnte“, erklärt Pell. Die eingeschränkte Sicht helfe ihr bei dieser Produktion sogar dabei, den Fokus auf das Monitoring zu behalten.
Alle Künstler auf der Bühne nutzten In Ear Monitoring. Pell mischte Take That, eine Gastsängerin, die Band und die Techniker auf einem DiGiCo Quantum 7. Insgesamt gehörten rund 50 Personen zur Produktion.
Ein zusätzliches DiGiCo SD12 übernahm einen FOH Feed und ergänzte diesen unter anderem um Show Calls und Cues. Die HF-Technik betreute Emma Jane Lee.
Becky PellKLANG für die In Ear Mischungen
Für ihre Monitor-Mixe setzte Pell auf die Integration von KLANG in die DiGiCo Umgebung. Die räumliche Positionierung der Signale soll insbesondere bei langen Shows ein natürlicheres Hörerlebnis ermöglichen.
Eine zusätzliche Herausforderung entstand auf der B-Bühne. Da sich diese weit vor der Hauptbeschallung befand, erreichte der Schall der PA die Künstler zeitverzögert gegenüber ihrem direkten IEM Signal. Entsprechend wichtig waren stabile Click Signale und eine konsequente Nutzung der In Ears.
Vier Publikumsmikrofone am Rand der Hauptbühne ermöglichten Pell zudem, die Reaktionen des Publikums gezielt in die Monitor-Mischungen einzublenden.
Für die Bearbeitung der Gesangsmikrofone verwendete sie die in DiGiCo integrierten Mustard Source Enhancer. Damit ersetzte Pell externe Rupert Neve 5045 Primary Source Enhancer, die sie zuvor für ähnliche Aufgaben eingesetzt hatte.
Steve Carr übernimmt den FOH Mix
Nach rund 30 Jahren mit Gary Bradshaw übernahm Steve Carr erstmals den FOH Mix einer Take That Tour. Für ihn bestand die Aufgabe darin, den bekannten Charakter der Songs zu erhalten und gleichzeitig einen kraftvolleren Live-Sound zu entwickeln.
„Klanglich ist es das Ziel, dass die Leute die Songs sofort wiedererkennen, aber mit all der Energie und Begeisterung, die nur eine Live-Band vermitteln kann“, erklärt Carr.
Die musikalische Bandbreite der Produktion reicht von Pop über Disco und R&B bis zu Indie Rock. Besonders der abschließende Aufbau bis zu „Rule the World“ stellte für Carr einen zentralen dramaturgischen Punkt im Mix dar.
Am FOH kam eine Quantum 852 Konsole zum Einsatz. Carr nutzte einen großen Teil der integrierten Mustard Signalbearbeitung für Dynamik und Klangformung.
Als externe Hardware kamen unter anderem Distressors für Gesang, ein Bricasti M7, ein SSL Bus Compressor und ein Neve Master Bus Transformer zum Einsatz. Ergänzend arbeitete Carr mit einem redundant ausgelegten Live Professor System und Plug ins von unter anderem Kush, Oeksound, Valhalla, Eventide, UAD und Waves.
Steve CarrGesangsisolierung im Stadion
Drei offene Gesangsmikrofone vor einer großformatigen Stadion PA stellten Carr vor besondere Anforderungen. Hinzu kamen das Publikum und die teilweise weit vor der Hauptbeschallung agierenden Künstler.
Zur Verbesserung der Sprachverständlichkeit und Gesangsisolierung kombinierte Carr Primary Source Enhancer mit Rauschunterdrückung und Sidechain Kompression.
Das Ziel bestand darin, trotz der hohen Pegel und offenen Mikrofone eine klare Abbildung der drei Stimmen zu gewährleisten und gleichzeitig den energiereichen Charakter der Live-Produktion zu erhalten.
d&b GSL für die Hauptbeschallung
Matt Vickers von Skan entwickelte das PA-System gemeinsam mit dem Produktionsteam. Eine wesentliche Vorgabe war, die sichtbare Technik so weit wie möglich zu reduzieren.
Das Main-System bestand aus jeweils 18 d&b audiotechnik GSL Modulen. Ergänzt wurden diese durch zwölf SL Subwoofer pro Seite am Boden.
Für die Subwoofer entschied sich das Team bewusst für getrennte Arrays links und rechts der Bühne. Trotz des ungewöhnlichen Ansatzes erreichte das System eine gleichmäßige Tieftonabdeckung.
Auch die Frontfills wurden möglichst unsichtbar in das Bühnenbild integriert. Sie befanden sich hinter akustisch transparenten Bereichen an der Bühnenkante.
Eigene Beschallung rund um die B-Bühne
Fast die Hälfte der Show spielte auf der zentralen B-Bühne. Damit das akustische Geschehen dort nicht ausschließlich von der weit entfernten Haupt PA wahrgenommen wurde, integrierte das Team einen Ring aus Nahfeldlautsprechern direkt in die Konstruktion.
Die Lautsprecher waren in Podeste rund um die Bühne eingebaut und bewegten sich mit den Bühnenelementen. Gleichzeitig mussten sie gegen die großen Wassermengen geschützt sein, die während der Eröffnungssequenz auf die Konstruktion trafen.
Bei größeren Stadien ergänzte Skan das System um ein an der Dachkonstruktion befestigtes Ring Delay. Damit sollte auch in weit entfernten Zuschauerbereichen eine möglichst gleichmäßige Abdeckung erreicht werden.
v.l.n.r.: Becky Pell, Sierra Raia, Louis Briggs, Emma Jane LeePA, Licht und Flying auf gemeinsamer Struktur
Auch das Rigging der Hauptarrays stellte besondere Anforderungen. Die Lautsprecher wurden an auskragenden Trägern der Videowandkonstruktion befestigt. Auf derselben Struktur befanden sich zudem Beleuchtung und Komponenten für die Luftakrobatik.
Da klassische Windverstrebungen nicht eingesetzt werden konnten, wurden die Aufhängepunkte möglichst nahe an der endgültigen Trim Höhe positioniert. Dadurch ließ sich die Pendelbewegung der Arrays reduzieren.
Für die Verkabelung entstand ein schmaler Kabelweg innerhalb der Videowand. Dadurch konnten Lautsprecher und Lichtleitungen gemeinsam geführt, Kabellängen reduziert und die Anzahl der Verbindungen in der Luft verringert werden.
System Engineering als Teil des Mixes
Systemingenieur Joachim Dewulf unterstützte Carr bei der täglichen Anpassung des Systems an die verschiedenen Stadien.
Für Carr ist die enge Zusammenarbeit zwischen FOH und System Engineering entscheidend: „Das Mischen ist eine kreative Aufgabe, und deine Emotionen sind mit dem verbunden, was du tust. Der Schlüssel liegt darin, gut kommunizieren zu können, in entscheidenden Momenten ähnlich zu denken, unter Druck zusammenzuarbeiten und konstant gute Ergebnisse zu liefern.“
Neben Dewulf gehörten zahlreiche weitere Skan Techniker zum Team für FOH, Delays, PA, Rigging und Systemtechnik. Mehrere Crewmitglieder hatten zuvor die Ausbildung zum Live Audio Techniker bei Britannia Row absolviert.
Für Monitor-Ingenieurin Becky Pell lag die Stärke der Produktion vor allem im Zusammenspiel aller Beteiligten: „Dieses Team arbeitet auf höchstem Niveau, genau das, was diese Show braucht.“