Theater in der Josefstadt setzt auf Spectera

Das Theater in der Josefstadt ist das erste Theater in Österreich, das über fest installierte Sennheiser Spectera Systeme verfügt

Das Theater in der Josefstadt in Wien hat seine drahtlose Audiotechnik mit Sennheiser Spectera modernisiert. Seit August 2025 ist das Breitband-Drahtlossystem Teil eines vollständig digitalen Audio-Workflows im historischen Haus.

Digitale Drahtlostechnik für den Theaterbetrieb

Mit mehr als 200.000 Gästen und rund 550 Vorstellungen pro Spielzeit zählt das Theater in der Josefstadt zu den etablierten Bühnen im deutschsprachigen Raum. Die Hauptbühne bietet knapp 580 Personen Platz und wird für ein dichtes Repertoire mit hohen Anforderungen an Sprache, Musik und Produktionsabläufe genutzt.

Die tontechnische Revitalisierung erfolgte im Sommer 2025 innerhalb von sechs Wochen. Zum neuen Setup gehören ein Digitalpult, neue Lautsprecher einschließlich Centercluster sowie das Sennheiser Spectera Ecosystem. Installiert wurden zwei Spectera Base Stations, 26 bidirektionale SEK-Bodypacks und acht DAD-Antennen.

Raimund Hornich, Leiter der Tonabteilung/Multimedia am Theater in der Josefstadt: „Wir sind das erste Theater in Österreich, das über fest installierte Sennheiser Spectera Systeme verfügt. Das ursprünglich vorhandene Tonequipment war deutlich in die Jahre gekommen und musste dringend ersetzt werden.“

Acht Spectera DAD-Antennen sind an verschiedenen Positionen im Theater in der Josefstadt angebracht

Bidirektionale Bodypacks für flexible Szenen

Raimund Hornich treibt die Modernisierung gemeinsam mit seinem Stellvertreter Thomas Haas voran. Vor der Entscheidung prüfte das Team verschiedene Wireless-Lösungen. Ursprünglich war geplant, den Bestand an Sennheiser Digital 6000 Systemen weiter auszubauen, die auch in den Kammerspielen des Hauses genutzt werden.

Raimund Hornich: „Drahtlostechnik von Sennheiser war im Theater in der Josefstadt bereits zuvor im Einsatz. Sie wurde und wird erfolgreich genutzt – selbst Empfängereinschübe eines betagten EM 1046 Mainframes verrichten bei uns in Spezialanwendungen noch immer zuverlässig ihren Dienst. Nichtsdestotrotz haben wir uns vor der Neuanschaffung von Wireless-Lösungen selbstverständlich umgesehen und auch Produkte anderer Marktteilnehmer geprüft. In Bezug auf Funktionsumfang und Preis-Leistungs-Verhältnis konnten die Wettbewerber jedoch nicht mithalten. Ursprünglich hatten wir geplant, unseren Bestand an Sennheiser Digital 6000 Systemen, die auch in den zum Haus gehörenden Kammerspielen genutzt werden, weiter auszubauen. Spectera kam dann aber genau zur richtigen Zeit für uns.“

Ein zentraler Vorteil ist die bidirektionale Funktion der Spectera SEK-Bodypacks. Sie können zugleich als Sender und Empfänger dienen und eröffnen dadurch zusätzliche Möglichkeiten für szenische Abläufe außerhalb der klassischen Bühne.

Raimund Hornich weiter: „Dass das SEK-Bodypack gleichzeitig als Sender und Empfänger dienen kann, ist großartig. Die Doppelfunktion wird zwar nicht immer benötigt, aber die Möglichkeit zu haben, ist ein echter Vorteil. Das erste Stück der kommenden Saison wird unter neuer Intendanz im gesamten Saal einschließlich der angrenzenden Sträußelsäle gespielt – das Geschehen beschränkt sich also nicht auf die Bühne. In diesem Kontext kann die Kombination aus Sender und Empfänger in nur einem Gerät ihre Stärken voll ausspielen.“

Abdeckung in Saal, Garderoben und Nebenräumen

Acht Spectera DAD-Antennen werden per PoE über Cat-Kabel versorgt und sind an unterschiedlichen Positionen installiert. Die Antennenstruktur soll maximale Flexibilität im gesamten Aktionsbereich ermöglichen.

Raimund Hornich: „Es ist vollkommen egal, wo gespielt wird – es gibt keine Aussetzer, auch nicht in den Garderoben. Sollte die Verbindung doch einmal abreißen, weil sich Akteure bei schönem Wetter vor Beginn der Aufführung auf dem nahegelegenen Jodok-Fink-Platz vor der Basilika Maria Treu aufhalten, ist sie beim Eintritt in den Aktionsbereich nach einem kurzen Moment wieder hergestellt. Der Log-in der SEK-Bodypacks in das System wird dem Vernehmen nach dank Update künftig sogar noch weniger Zeit beanspruchen.“

Neben Spectera bleiben weitere Sennheiser-Systeme im Einsatz. Im zweiten Rang befinden sich zwei aktive AD 3700 Richtantennen, die drei EM 6000 Doppelempfängern sowie einem EM 1046 Mainframe mit acht Empfängereinschüben zugeordnet sind.

Thomas Haas, stellvertretender Leiter der Tonabteilung am Theater in der Josefstadt: „Den EM 1046 nutzen wir vorwiegend mit Plug-on-Modulen, die uns in unterschiedlichen Zusammenhängen immer wieder gute Dienste leisten. Sie lassen sich einfach auf konventionelle Mikrofone aufstecken und liefern 48V-Phantomspeisung. Das ist ungemein praktisch, und für uns wäre es wünschenswert, wenn derartige SKP-Aufstecksender künftig auch das Spectera Ecosystem bereichern würden.“

​Raimund Hornich (Tonmeister und Leiter Tonabteilung/ Multimedia)

E-Ink-Displays und SEK-Bodypacks im Alltag

Eine Spectera Base Station kann bis zu 64 Audio-Links verwalten, also 32 Ein- und Ausgänge. Statt vieler schmalbandiger HF-Träger nutzt Spectera bis zu zwei unabhängige HF-Breitbandkanäle.

Im Theater in der Josefstadt kommunizieren aktuell bis zu 24 SEK-Bodypacks mit zwei Base Stations. Zwei weitere Bodypacks werden als Reserve vorgehalten. Für Übersicht sorgt eine durchgängige Nummerierung der Packs sowie ein beschrifteter Organizer. Die E-Ink-Displays ersetzen dabei eine Kennzeichnung mit Klebestreifen.

Die Empfangsfunktion der SEK-Bodypacks wird auch genutzt, um bei bestimmten Aufführungen kleine Aktivlautsprecher mit Audiosignalen zu versorgen. In der Szenerie versteckt dienen diese als unsichtbare Wiedergabequellen. Die BA 70 Akkus werden in L 6000 Rack-Ladestationen mit LM 6070 Modulen geladen.

Dante-Anbindung und feste Frequenzblöcke

Die beiden Spectera Base Stations werden redundant direkt aus dem Netz sowie über eine USV versorgt. Betrieben wird das System im UHF-Bereich in 8 MHz breiten Frequenzblöcken mit Mittenfrequenzen bei 474, 482 und 562 MHz.

Raimund Hornich: „Der innerstädtische Wiener Funkstress beginnt erst 700 Meter weiter in Höhe des Rathauses. Wir nutzen die unserem Haus fest zugeteilten Bereiche und ändern die Übertragungsfrequenzen nicht – wir müssen also nicht täglich die HF-Umgebung neu scannen.“

Im Regelfall arbeitet das Haus im Audio Link Mode „Live“ mit SeDAC Audio Codec und Extended Range. Die Base Stations sind über primäre und sekundäre Anschlüsse in das Dante-Netzwerk eingebunden. Die Abtastrate beträgt 48 Kilohertz.

Thomas Haas: „Wir verwenden in der Regel den Modus ‚Live‘ mit SeDAC Audio Codec und Extended Range, und zwar sowohl für den Sende- als auch für den Empfangsweg. Die Latenz von 1,6 Millisekunden ist vollkommen in Ordnung. Im Moment nutzen wir pro Base Station zwölf Mikrofonsignale und vier In-Ear-Wege. Das ist jedoch nicht in Stein gemeißelt. Wir können das Setting pro Produktion anpassen, sofern andere Übertragungsparameter gefordert sind. Die Spectera Base Stations sind über die primären und sekundären Anschlüsse direkt in unser Dante-Netzwerk eingebunden. Die Abtastrate beträgt 48 Kilohertz.“

Thomas Haas, Tonmeister (Stellvertretender Leiter Tonabteilung/Multimedia)

Support durch Sennheiser und TSAMM

Die Entscheidung für ein neues Drahtlossystem erfolgte mit Blick auf die praktische Bewährung von Spectera in Österreich, unter anderem beim „Woodstock der Blasmusik“ und bei der ORF-Produktion „Dancing Stars“.

Raimund Hornich: „Rückblickend war es schon ein gewisses Risiko, sich im Sommer 2025 auf ein brandneues Drahtlossystem einzulassen. Da wir aber kompetenten Support zur Seite hatten, gab es keine wirklich ernsthaften Bedenken – zumal sich Spectera ja bereits in Österreich beim ‚Woodstock der Blasmusik‘ und auch bei der ORF-Produktion ‚Dancing Stars‘ bewährt hatte.“

Unterstützung kam von Florian Fuchs, Sennheiser Sales Manager Professional Audio, Volker Schmitt, Sennheiser Manager Technical Application Engineering, und Gerhard Vonwald, Wireless Audio Support. Als Integrator war TSAMM unter der Leitung von Mario Reithofer beteiligt.

Praxiserfahrung nach hunderten Vorstellungen

Nach rund einem Jahr im Betrieb bewertet das Theater in der Josefstadt die Entscheidung positiv. Das System arbeitet in einem vollständig digitalen Signalfluss vom Mikrofon bis zu den Endstufen.

Raimund Hornich: „Die Sennheiser Spectera Breitband-Drahtlossysteme sind für uns ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung. Wir haben schon viele Anfragen von interessierten Kolleginnen und Kollegen erhalten, auch von der ÖTMV und der OETHG. Einen direkten Klangvergleich zur früher im Haus eingesetzten Drahtlostechnik kann ich leider nicht ziehen, da wir neben den Wireless-Systemen ja auch neue Lautsprecher und Endstufen sowie ein anderes Mischpult installiert haben und sich der Audiosignalfluss seither vom Mikrofon bis in die Endstufen vollständig digital gestaltet.“

Für die weitere Entwicklung des Systems wünscht sich Hornich zusätzliche Komponenten wie Spectera SKM-Handsender, leistungsstärkere Akkupacks und kompaktere Transmitter ohne IEM-Funktion.

Raimund Hornich: „Ich warte sehnsüchtig darauf. Auch die bereits angekündigten, noch leistungsstärkeren Akkupacks sind für unser Haus interessant, beispielsweise für besonders lange Stücke. Auf meiner persönlichen Wunschliste stehen als Ergänzung zu den bidirektionalen SEK-Bodypacks außerdem simplere Transmitter ohne IEM-Funktionalität. Diese sollten idealerweise besonders kompakt und bezüglich ihrer Abmessungen mit dem beliebten Sennheiser Mini-Taschensender SK 6212 vergleichbar sein. Das Spectera Breitbandsystem spielt absolut zuverlässig. Seit der Inbetriebnahme gab es keine unangenehmen Überraschungen. Auch die robusten SEK-Bodypacks erfüllen die Anforderungen des Dauereinsatzes im täglichen Theaterbetrieb ohne Einschränkung. Zusammenfassend sind wir nach einem Jahr im praktischen Einsatz rundum zufrieden. Das Sennheiser Spectera Ecosystem ist für unsere Anforderungen die absolut richtige Wahl.“

Wiener Theater mit langer Geschichte

Das Theater in der Josefstadt gilt als ältestes dauerhaft bespieltes Theater Wiens. Seine Ursprünge reichen bis 1788 zurück. 1822 wurde ein Neubau mit Beethovens Ouvertüre „Die Weihe des Hauses“ eröffnet, die der Komponist selbst dirigierte.

Einen wichtigen Wandel brachte das Jahr 1924, als Max Reinhardt die Leitung übernahm und das Haus umfassend modernisierte. Die heutige Gestalt mit Fassade, Sternfoyer, Sträußelsälen und dem in Rot und Gold gehaltenen Zuschauerraum geht auf diese Phase zurück.

Der Saal ist für seine sprachverständliche Akustik bekannt. Einige Produktionen werden ohne elektroakustische Verstärkung allein von den Stimmen der Schauspielerinnen und Schauspieler getragen. 2024 feierte das Theater das Jubiläum „100 Jahre Max Reinhardts Josefstadt“.