Herbert Grönemeyers Programm „mittendrin – akustisch“ setzte auf ein Unplugged-Konzept mitten im Saal und nah am Publikum. Für die elektroakustische Umsetzung kam dabei umfangreiche Drahtlostechnik von Sennheiser zum Einsatz. Eine zentrale Rolle spielte das Spectera Ecosystem, das sowohl für den Trompeter Tobias Weidinger als auch für die Kommunikation der Backliner genutzt wurde.
Spectera für Trompete und In Ear Monitoring
Für die Konzerte wurde Grönemeyers Band um einen 20-köpfigen Chor, acht Streicher sowie drei Bläser erweitert. Tobias Weidinger nutzte ein bidirektionales Spectera-Bodypack, das sowohl seinen Stereo-In-Ear-Mix als auch das Signal seiner Trompete über ein Neumann MCM mit KK 14 Nierenkapsel übertrug.
Die Anforderungen an die Funkstrecke waren hoch. Weidingers kraftvolles Spiel und die ausgeprägten Obertöne seines Instruments stellten frühere Übertragungsansätze immer wieder vor Grenzen. In dieser Produktion gelang die drahtlose Übertragung laut Team klanglich sauber und stabil, auch bei hohen Pegelspitzen.
Für die Drahtlostechnik auf dem größten Teil der Tour zeichnete sich Tom Khan verantwortlich, der Herbert Grönemeyer bereits seit 13 Jahren bei dessen Live-Konzerten begleitet und als „Head of Audio“ für den Bühnenbereich fungiert. Für die zweite Runde der „mittendrin – akustisch“-Tour war er für die Vorbereitung verantwortlich, während Susanne Lutz, Audio System Technician bei Clair, das HF-Cockpit bei den Shows übernahm.
Tom Khan, Head of Audio für den Bühnenbereich, erläutert das HF-Setup für Weidinger: „Für die Übertragung des Trompetensignals habe ich beim Spectera System den Audio Link Modus ‚Raw‘ gewählt, der mit einem PCM-Codec arbeitet. Dabei wird das Signal verlustfrei in bestmöglicher Audioqualität übertragen“.
Wireless Engineer Tom KhanModerne Steuerung direkt am HF-Platz
Am HF-Platz neben der Rundbühne liefen auf zwei Bildschirmen die Sennheiser LinkDesk Software und das Spectera WebUI.
Tom Khan erklärt: „Das WebUI spricht mich persönlich mehr an als die Oberfläche der LinkDesk Software. Prinzipiell könnte ich das WebUI auch über ein Tablet oder Smartphone entfernt von meinem Arbeitsplatz bedienen. Zwischen dem in Würde gealterten Wireless Systems Manager und Spectera WebUI liegen Welten! Die aktuelle Benutzeroberfläche ist modern, klar strukturiert, ansprechend gestaltet und funktioniert absolut zuverlässig. Hat man das Grundprinzip des Spectera Systems einmal verstanden, erschließt sich die Bedienung nahezu von selbst. Der in die Jahre gekommene Wireless Systems Manager wird für das Spectera System nicht länger benötigt.“
Auch die Backliner-Kommunikation lief über Spectera. Monitor Engineer Sascha Kohl erstellte für die mit SEK-Bodypacks ausgestatteten Backliner zehn IEM-Mischungen. Geliefert wurden eine Spectera Base Station, 13 SEK-Bodypacks und zwei DAD-Antennen von Fichtner Tontechnik, einem frühen deutschen Spectera-Partner.
Praxistest unter realen Produktionsbedingungen
Bereits 2025 wurde das System bei den Proben von „mittendrin – akustisch“ unter Live-Bedingungen getestet. Dabei stand nicht nur die technische Seite im Fokus, sondern auch die Akzeptanz bei den Musikerinnen und Musikern.
Tom Khan: „2025 haben wir ein Spectera System zu den Konzertproben von ‚mittendrin – akustisch‘ mitgenommen, um es unter realen Einsatzbedingungen zu testen. Es ging nicht nur darum, wie wir als Tontechniker mit dem brandneuen System zurechtkommen, sondern auch darum, was die Musikerinnen und Musiker davon halten. Während der Proben hat sich Tobias Weidinger direkt entschieden, Spectera sowohl für sein Instrument als auch für seine In-Ear-Signale zu nutzen. Wir waren überzeugt, dass Spectera dieser Herausforderung gewachsen sein würde – und die Konzerte haben unsere Erwartungen voll und ganz erfüllt.“
Sascha Kohl ergänzt: „Im Moment ist sehr viel Bewegung im Markt, und natürlich haben wir während der Proben auch Wettbewerbssysteme für die Übertragung der In-Ear-Signale getestet. Nach einem Hörvergleich fiel die Wahl eindeutig auf das Spectera System.“
Monitor Engineer Sascha KohlKlang, Stabilität und Fernsteuerung
Für Tobias Weidinger bedeutete das System einen spürbaren Schritt nach vorn. Nach Angaben des Teams hatte er drahtlose Mikrofonstrecken früher eher gemieden. Mit Spectera habe sich das geändert.
Sascha Kohl: „Früher hatte Tobias Vorbehalte gegenüber dem Einsatz drahtloser Mikrofonstrecken und mied sie, wo immer möglich. Das ist dank Spectera nun nicht mehr der Fall. Auch bei der In-Ear-Übertragung, die im Audio Link Mode ‚Live‘ mit SeDAC-Codec und 1,6 Millisekunden Latenz umgesetzt wird, gibt es keinerlei Beanstandungen. Ich bin mit der Klangqualität ebenfalls mehr als zufrieden. Spectera klingt für mich wie ein exzellenter Kopfhörerverstärker – im normalen Betrieb vergesse ich völlig, dass überhaupt eine Funkstrecke im Einsatz ist. Kein Rauschen, kein Knistern. Auch mein Kollege Jochen Etzel, der das zweite Monitorpult für Streicher und Chor betreut, ist vom Klang der Strecke äußerst angetan. Aus reiner Neugier habe ich bei den Proben kurz auf eine bewährte 2000er Strecke umgeschaltet, die im direkten Vergleich klanglich klar unterlegen war. Meiner Ansicht nach lässt sich die Signalübertragung mit einem SEK-Bodypack übrigens auch Bassisten uneingeschränkt empfehlen – gerade im tiefsten Frequenzbereich eröffnet Spectera eine völlig neue Dimension. Ein Drahtlossystem in dieser Qualität ist mir bislang noch nicht begegnet.“
Auch Susanne Lutz, Audio System Technician bei Clair, hebt vor allem die Übertragungssicherheit hervor: „Klanglich hat mich Spectera ebenfalls sehr begeistert. Aber vor allem die Stabilität der Funkübertragung hat mich überzeugt: Aufgrund der Breitband-WMAS-Technologie ist es deutlich weniger störanfällig als herkömmliche Systeme. Ein weiterer Pluspunkt ist meiner Meinung nach, dass die Anschlüsse redundant ausgeführt sind – vom Netzteil über die Audioanschlüsse bis hin zu den Antennen ist alles doppelt vorhanden. Abgerundet wird das ganze durch die intuitive Bedienbarkeit. Spectera werde ich auf jeden Fall gerne wieder einsetzen.“
Susanne Lutz, Audio System Technician bei ClairEin weiterer Vorteil war die vollständige Fernsteuerung und Überwachung der Bodypacks. So konnten minimale und maximale Wiedergabelautstärken definiert und auch Verbindungsstatus sowie Steckerzustände kontrolliert werden.
Tom Khan: „Auf solche Möglichkeiten haben wir in der Branche lange gewartet. Bei ‚mittendrin – akustisch‘ habe ich für alle SEK-Bodypacks sowohl eine minimale als auch eine maximale Wiedergabelautstärke der In-Ear-Signale definiert. So kann niemand mehr an einem vermeintlich stummgestellten Gerät verzweifeln, wenn der Pegelsteller irrtümlich zu weit heruntergeregelt wurde – ein Audiosignal ist garantiert immer zu hören.“
Khan weiter: „Ich finde die Vorgabe einer Maximallautstärke bei einem praxisgerecht eingerichteten Aktionsspielraum sinnvoll, weil der in das SEK-Bodypack integrierte Kopfhörerverstärker wirklich viel Power hat und ich nicht möchte, dass jemand im Eifer des Gefechts sein Gehör schädigt. Sehr praktisch ist, dass in der Software angezeigt wird, wenn sich ein Stecker nicht mehr in der zugehörigen Buchse des Beltpacks befindet. So etwas kann bei Outfit-Wechseln oder Tanzeinlagen immer einmal unbeabsichtigt vorkommen.“
16 Stereo IEM Strecken in einem TV Kanal
Bei den Dortmunder Konzerten lief Spectera im UHF-Bereich mit 658 MHz als Center-Frequenz eines 8 MHz breiten TV-Kanals. Gerade bei größeren Produktionen sieht Khan darin einen zentralen Vorteil des Systems.
Tom Khan ordnet das ein: „Ich halte es für völlig gerechtfertigt, dass ein System wie Spectera einen Block von 8 MHz beansprucht. Es ist ja nicht dafür gedacht, bei einem Stadtfest vier Taschensender zu betreiben. Spectera spielt seine Stärken dann aus, wenn man zum Biespiel 16 In-Ear-Wege realisieren und parallel noch einige Mikrofone einsetzen möchte. Geht es wie im Fall von Tobias Weidinger um sehr anspruchsvolle Signale oder um Musikerinnen und Musiker, die besonders sensibel auf Latenzen reagieren, bietet Spectera mit der verlustfreien PCM-Übertragung ebenfalls die ideale Lösung.“
Für die Planung kamen der Spectera Mode Planner von SoundBase sowie die Sennheiser LinkDesk Software und das Spectera WebUI zum Einsatz.
Khan: „Mithilfe des Spectera Mode Planners von SoundBase lässt sich die noch verfügbare Kapazität des Breitbandkanals sehr gut ermitteln. Auch die Sennheiser LinkDesk-Software und das Spectera WebUI sorgen für die nötige Übersicht. Meiner Erfahrung nach muss man sich beim Spectera System um die verfügbaren Ressourcen weit weniger Gedanken machen, als im Vorfeld vielleicht befürchtet wird.“
Ein zentrales Fazit von Khan: „Bei Spectera kann ich in einem einzigen Fernsehkanal von 8 Megahertz Breite 16 stereophone In-Ear-Strecken unterbringen. Das wäre bei analogen Drahtlossystemen absolut undenkbar. Ich muss auch keine Interferenzen mehr berechnen. Probehalber habe ich Spectera bei einem Soundcheck einfach einmal auf einen TV-Kanal gesetzt, den ich normalerweise nicht nutzen würde, da dort Interferenzen von unseren analogen IEM-Drahtlossystemen zu erwarten waren. Es gab dann zwar eine ‚High Interference‘-Meldung, aber funktioniert hat das Ganze trotzdem, und zwar ohne nennenswerte Beeinträchtigungen.“
Die Spectera DAD Antennen werden über CAT-Kabel angeschlossenSchnellere Frequenzwechsel und CAT basierte Antennenanbindung
Im Produktionsalltag erwies sich auch die Systemarchitektur als praktisch. Bei einem Wechsel des Übertragungsblocks mussten die Beltpacks nicht einzeln neu synchronisiert werden.
Tom Khan bringt das auf den Punkt: „Über den Träger werden ja nicht nur Audiosignale, sondern auch Daten übermittelt, und Spectera organisiert die Übertragung selbst. Wenn tatsächlich einmal unerwartet ernsthafte Probleme auftreten sollten, könnte man mit entsprechender Kommunikation gegenüber den Künstlern das System in kürzester Zeit auf einen neuen TV-Kanal stellen. Generell finde ich es großartig, dass man bei einem Wechsel des Übertragungsblocks nicht mehr alle Beltpacks einsammeln und einzeln neu synchronisieren muss. Auch systemübergreifend funktioniert die Frequenzkoordination schneller, weil bei Spectera alles in einem einzelnen Block untergebracht wird.“
Bei den Dortmunder Shows waren die DAD-Antennen an ungewöhnlichen Positionen installiert. Eine Antenne befand sich nahe am HF-Platz, die zweite am FOH. Beide wurden über lange CAT-Kabel an die Base Station angebunden. Das reduzierte den Aufwand bei der Verkabelung deutlich.
Khan: „Die Übertragung ist ziemlich robust. Ich bin total froh, dass ich bei Spectera keine ‚Gartenschläuche‘ mehr zu den Antennen verlegen muss! Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Produktion mit einer B-Stage, denn dank der CAT-Verkabelung werden sich die dort platzierten Antennen ganz einfach anschließen lassen und mit den SEK-Bodypacks kommunizieren. Wenn wir bei ‚mittendrin – akustisch‘ Spectera schon für sämtliche Signale einsetzen würden, hätte ich einfach zwei DAD-Antennen am Rig unter dem Dach angebracht und sie mit zwei 100 Meter langen Ethernet-Kabeln an die Base Station angeschlossen. Eine Safety-Öse ist an den DAD-Antennen ja ohnehin vorhanden – ein nützliches Detail. Insgesamt ist das Spectera System wirklich ‚Next Level‘! Man merkt, dass sich Sennheiser intensiv Gedanken über die Zukunft der Drahtlostechnik gemacht hat. Herausgekommen ist mit dem Spectera System eine echte Innovation.“
Die Wiedergabelautstärke der In-Ears kann remote eingestellt werden. Außerdem lässt sich ablesen, ob versehentlich der Hörerstecker abgezogen wurdeAkkuverhalten und lautloses Handling im Betrieb
Im praktischen Einsatz zeigte sich auch das Verhalten der Bodypacks bei Grenzsituationen als Vorteil. Verlässt ein Beltpack den abgedeckten Bereich, wird die Verbindung ohne Störgeräusche getrennt. Auch beim Akkuwechsel im laufenden Betrieb blieb das System laut Team still.
Die BA 70 Lithium-Ionen-Akkupacks erreichten laut Produktion Laufzeiten von bis zu sieben Stunden, abhängig von Betriebsart, Audio Link Mode und Abhörlautstärke. Selbst mit benötigter Phantomspeisung für das eingesetzte Neumann MCM-System ließen sich die rund dreistündigen Shows ohne Akkutausch realisieren. Geladen wurden die Akkus in zwei L 6000 Ladestationen.
Weitere Sennheiser Systeme unter der Rundbühne
Neben Spectera kamen bei „mittendrin – akustisch“ weitere Drahtloslösungen von Sennheiser zum Einsatz. Unter der Rundbühne stand ein 19-Zoll-Rack, dessen oberer Bereich von neun EM 6000 Doppelempfängern aus der Digital 6000 Serie belegt war.
Zum emotionalen Höhepunkt der Dortmunder Konzerte wurde das Heimspiel im Ruhrgebiet. Neben Klassikern wie „Flugzeuge im Bauch“, „Mensch“, „Männer“, „Alkohol“ und „Bochum“ standen auch Titel aus dem Album „Unplugged 2 – Von allem anders“ auf dem Programm.
Thomas Holz, Sennheiser Relations ManagerThomas Holz, Relations Manager bei Sennheiser, sagt: „Ich halte es für eine sehr gute Idee, die Tourproben, Soundchecks und letztlich auch die Shows als eine Art Live-Test für Spectera zu nutzen. Selbstverständlich freue ich mich sehr, dass sich Wireless-Spezialist Tom Khan und auch andere Verantwortliche bereit erklärt haben, einen solchen Probelauf im Rahmen von ‚mittendrin – akustisch‘ zu ermöglichen. Das ist sicher auch ein Beleg für das über viele Jahre hinweg gewachsene Vertrauen. Es ist ja durchaus nicht üblich, dass sich die Crew angesichts der Herausforderungen einer derart großen Produktion die Zeit nimmt, um sich mit den Möglichkeiten eines neuen Produkts unter Live-Gegebenheiten auseinanderzusetzen.“