Die Grace Family Church in Bubikon im Zürcher Oberland hat ihren Gottesdienstraum mit einem L-Acoustics L-ISA Scene System ausgestattet. Die Installation gilt als erste L-ISA Festinstallation in einem Gotteshaus in Europa. Fünf Lautsprecher-Hänge sorgen im sogenannten „Church Dome“ für eine objektbasierte Beschallung von Sprache und Musik.
Der Gottesdienstraum bietet Platz für bis zu 350 Personen und wird neben den sonntäglichen Gottesdiensten für die „Worship Nights“ der Gemeinde genutzt. Das bisherige Beschallungssystem war fast 20 Jahre alt und sollte ursprünglich durch eine klassische Links-Rechts-Lösung ersetzt werden.
Vom Stereo-System zur L-ISA Installation
Bei der Planung zeigte sich, dass sich an den vorhandenen Lautsprecherpositionen mit einem Links-Rechts-System nicht die gewünschte räumliche Abbildung für Sprache und Musik erreichen ließ. Da eine Neupositionierung ohnehin erforderlich war, entwickelte der Schweizer L-Acoustics Vertriebspartner SDS gemeinsam mit Soundrig und unter Beteiligung von Stagelight ein alternatives Konzept.
Ausgangspunkt war zunächst eine Demonstration im SDS Auditorium in Winterthur. Im weiteren Projektverlauf rückte L-ISA zunehmend in den Mittelpunkt. Entscheidend war insbesondere die Möglichkeit, Stimmen und Instrumente akustisch an ihrer tatsächlichen Position auf der Bühne zu lokalisieren.
Anschließend wurde das geplante System im Maßstab 1:1 direkt im Church Dome aufgebaut und demonstriert. Auf dieser Grundlage entschied sich die Gemeinde für die immersive Lösung.
Fünf A15i-Hänge für den Church Dome
Die Architektur des 24 mal 26 Meter großen und bis zu acht Meter hohen Raums stellte besondere Anforderungen an die Planung. Die gewölbte Membrandecke, ein zentraler Kronleuchter sowie Frontbeleuchtung und Frontprojektion mussten bei der Positionierung berücksichtigt werden. Gleichzeitig erwies sich die gut gedämmte Gebäudehülle akustisch als Vorteil.
„Die Kuppeldecke und ein markanter Kronleuchter waren zweifellos herausragende Merkmale, die die Installation und das Design einzigartig machten“, sagt Roger Sommer, Firmeninhaber der Soundrig AG. „Außerdem mussten wir die L-ISA-Konfiguration um die Frontbeleuchtung und die Frontprojektion herum auslegen.“
„Die Gebäudehülle ist bemerkenswert gut gedämmt, sodass überraschend wenig Umgebungslärm eindringt“, ergänzt Michael Graf von Stagelight und Impact Atelier.
Die Modellierung und Berechnung erfolgte mit Soundvision. Neben der Abdeckung und Schalldruckverteilung wurden damit die Positionen der Lautsprecher in Bezug auf Sichtlinien, Projektionsfläche und Frontbeleuchtung optimiert. Auch hier war Michael Graf in die Planung eingebunden. Die virtuelle Platzierung half dabei, einen Kompromiss zwischen akustischer Abdeckung, Sichtlinien, Projektionsbereich und Frontbeleuchtung zu finden.
Das finale L-ISA Scene System besteht aus fünf Hängen mit jeweils einem A15i Wide und einem A15i Focus. Für den Tieftonbereich sind zwei zentral geflogene Arrays mit jeweils zwei KS21i installiert. Zwei X8, jeweils einer pro Seite, versorgen die seitlichen Bereiche im vorderen Teil des Raums.
Damit umfasst das System insgesamt 16 Lautsprecher. Ein L-ISA Processor II übernimmt die objektbasierte Signalverarbeitung. Die komplette Lautsprecheranlage wird von einem einzelnen LA7.16i Amplified Controller angetrieben.
Milan-AVB verbindet L-ISA und LA7.16i
Als Mischpult kommt ein Yamaha Rivage zum Einsatz. Von dort gelangen die Audiosignale über MADI zum L-ISA Processor II. Die Weiterleitung zum LA7.16i erfolgt über Milan-AVB.
Im Rahmen der Installation wurde auch das Audionetzwerk der Kirche erneuert. Michael Graf, Systemingenieur und erfahrener L-ISA Anwender, verantwortete die Planung und Umsetzung sowie die Integration von Netzwerk-Switch und Mischpult. Graf war damit in unterschiedlichen Funktionen an der technischen Planung des Projekts beteiligt.
Die objektbasierte Systemarchitektur eröffnet der Gemeinde zudem Möglichkeiten für eine zukünftige engere Verknüpfung von Audio und Licht.
Patric Schafroth (SDS), Roger Sommer (Soundrig), This Hochstrasser (Grace Family Church), Christian Schmid (L-Acoustics) und Michael Graf (Soundlight/Impact Atelier)Installation innerhalb von fünf Tagen
Für die Umrüstung stand nur ein enges Zeitfenster zur Verfügung. Die Arbeiten begannen am Sonntagabend nach dem letzten Gottesdienst und mussten bis zum darauffolgenden Freitagabend abgeschlossen sein. Zu diesem Zeitpunkt fand bereits die nächste „Worship Night“ inklusive der erforderlichen Proben statt.
Soundrig übernahm die Montage und Installation der PA und begleitete das Projekt von der ersten Demonstration bis zur Übergabe.
„Die Unterstützung durch Christian Schmid und das L-ISA-Anwendungsteam war vom ersten Tag an großartig“, sagt Patric Schafroth, Vertriebs- und Anwendungsingenieur bei SDS.
Bedienung durch ehrenamtliches Audioteam
Eine weitere Anforderung war die Bedienbarkeit des Systems. Die Grace Family Church ist kein kommerzieller Veranstaltungsort. Die Audiotechnik wird im regulären Betrieb überwiegend von einem Team semiprofessioneller Freiwilliger betreut.
„Angesichts der schier unendlichen Möglichkeiten, die das System bietet, sind die Grundfunktionen so übersichtlich wie möglich gehalten, sodass der Einstieg nicht allzu schwierig ist“, sagt This Hochstrasser, Leiter der Tontechnik bei der Grace Family Church.
Auch Stagelight sieht in der neuen technischen Infrastruktur Potenzial für eine erweiterte Nutzung des Church Dome, etwa für zusätzliche eigene Veranstaltungen oder eine Vermietung der Räumlichkeiten.
Auch die Integration der Lautsprecher in den Raum bewertet Hochstrasser positiv: „Es fügt sich sehr gut in das Gebäude ein und ist optisch ein Gewinn im Vergleich zu einer klassischen Line-Array-Anlage. Das Feedback von allen Seiten war überaus positiv.“