Nach Auftritten in Süd- und Nordamerika führt Kygos aktuelle Welttournee derzeit durch Europa, bevor es im September zurück in die USA geht. Bei der Open-Air-Show am 8. August im SparkassenPark Mönchengladbach wurde das komplette drahtlose In-Ear-Monitoring für Künstler und Crew über das Sennheiser Spectera Ecosystem realisiert. Eine einzelne Base Station stellte dabei 14 Stereo-IEM-Mixe bereit.
Neben Kygo selbst standen in Mönchengladbach verschiedene Gastsänger sowie sechs Streicherinnen und eine Marching-Percussion-Formation auf der Bühne. Konventionelle Monitorlautsprecher kamen nicht zum Einsatz. Lediglich am DJ-Platz befanden sich zwei Sidestacks.
14 Stereo-IEM-Mixe aus einer Base Station
Zentrale Komponente des Wireless-Setups war eine Spectera Base Station in einem 19-Zoll-Rack neben dem Monitorpult. Insgesamt standen 24 bidirektionale Spectera SEK-Bodypacks zur Verfügung, die für 14 Stereo-In-Ear-Mixe konfiguriert waren.
Ross James Mulhare (FoH) und Kevin Flasza (Monitor)Drei modulare L 6000 Ladestationen konnten insgesamt 24 BA 70 Lithium-Ionen-Akkupacks aufnehmen. Von vier mitgeführten Spectera DAD-Antennen wurden in Mönchengladbach drei eingesetzt. Zwei deckten die Bühne ab, eine weitere den Backstage-Bereich. Eine vierte Antenne kommt bei Produktionen mit längerem Catwalk zum Einsatz.
Die Steuerung und Überwachung erfolgte über das Spectera WebUI.
MADI-Anbindung mit 96 kHz
Die Spectera Base Station arbeitete im UHF-Bereich mit zwei 8 MHz breiten Blöcken, deren Center-Frequenzen bei 546 und 578 MHz lagen. Die Stromversorgung war über Netz und USV redundant ausgeführt.
Die Spectera Base Station am Monitorplatz arbeitete mit zwei HF Breitbandkanälen mit den Mittenfrequenzen 546 und 578 MHzDie Verbindung zur Monitorkonsole erfolgte über MADI mit koaxialer BNC-Punkt-zu-Punkt-Verkabelung bei einer Abtastrate von 96 kHz. Als Audio Link Mode nutzte die Produktion „Live Low Latency“ mit einer angegebenen Latenz von 1,1 ms im Extended-Range-SeDAC-Betrieb.
Kompaktes Touring-Paket für weltweite Shows
Das Sennheiser Equipment wurde von Studio 89 und Pulse PA aus Großbritannien bereitgestellt. Ross James Mulhare, Gründer und Inhaber von Studio 89, richtete das Spectera System ein und übernahm bei der Show in Mönchengladbach zugleich den FOH-Mix. Seit vier Jahren arbeitet er für Kygo.
Für die internationale Tournee verfügt die Produktion über ein A- und ein B-Set, die per Luftfracht zwischen den jeweiligen Tourregionen transportiert werden. Gewicht und Packmaß spielen deshalb eine wichtige Rolle.
„Früher haben wir viel mit Local-Hire gearbeitet, was mitunter eine echte Herausforderung sein kann“, erklärt Mulhare. „Mittlerweile haben wir jedoch ein für unsere Zwecke perfekt passendes Touring-Package zusammengestellt, zu dem nun auch Spectera gehört.“
Einen weiteren Vorteil sieht er in der Verkabelung der DAD-Antennen über konventionelle Netzwerkkabel. Dies vereinfache den Aufbau und erleichtere gleichzeitig die Beschaffung von Ersatzmaterial während internationaler Tourneen.
Eine von insgesamt drei
Spectera DAD-Antennen,
die die Bühne und den
Backstagebereich beim
Konzert abdecktenErster Spectera-Einsatz für Kevin Flasza
Am Monitorplatz arbeitete Kevin Flasza, der Kygo bereits seit 2018 in unterschiedlichen tontechnischen Funktionen begleitet. Für ihn war die Show in Mönchengladbach der erste Einsatz mit Spectera.
„Ehrlich gesagt war ich im Vorfeld ein wenig nervös, eine große Show mit einem mir noch gänzlich unbekannten Drahtlossystem zu bestreiten“, sagt Flasza. „Nach dem Setup und dem Soundcheck habe ich aber festgestellt, dass für Nervosität kein Grund bestand.“
Besonders die Audioqualität des IEM-Systems fiel ihm beim direkten Wechsel von einer vorherigen Festivalproduktion auf. Einen Tag zuvor hatte Kygo beim UNTOLD Festival in Cluj-Napoca noch mit einem anderen Wireless-System gearbeitet.
„Die Übertragung ist außergewöhnlich ruhig, mit einem extrem niedrigen Noisefloor, und die Musik klingt für mein Empfinden voller, als es bei anderen Produkten der Fall ist“, beschreibt Flasza seinen Eindruck. Besonders bemerkenswert sei für ihn zudem, dass eine einzelne Base Station mit einer Höheneinheit die 14 Stereo-In-Ear-Mixe der Produktion bereitstellt.
Eine einzige 19” Base Station spielt die 14 Stereo-In-Ear-Mixe der Produktion ausBidirektionale Funktionen als nächster Schritt
Bislang wird Spectera bei Kygo primär für das In-Ear-Monitoring genutzt. Künftig soll die bidirektionale Architektur des Systems stärker eingebunden werden.
Geplant ist zunächst, Crew-Mitglieder mit Sennheiser Headsets auszustatten, die direkt an die SEK-Bodypacks angeschlossen werden und für Talkback-Anwendungen genutzt werden können.
Mulhare erwägt darüber hinaus den Einsatz der neuen Spectera SKM-Handsender für Kygo und seine Gastvokalisten. Als mögliche Mikrofonkapseln nennt er MMD 945 und MM 445. Auch eine zweite Spectera Base Station könnte das Touring-System künftig ergänzen.