Für Monitor-Engineer Paavo Kurkela gehört die Arbeit mit kraftvollen und dynamischen Sängerinnen zu den anspruchsvollsten Aufgaben im Touring-Alltag. Bei Alissa White-Gluz kommt hinzu, dass sie zwischen tiefen Growls und melodischen Sopran-Passagen wechselt. Um diese Gesangsdynamik im In-Ear-Monitoring präzise abzubilden, setzte Kurkela während der Tour mit Arch Enemy auf KLANG:konductor. Das System wurde von Go Audio bereitgestellt und sollte vor allem eine klare Trennung von Gesang und Instrumenten im immersiven IEM-Mix ermöglichen.
Präzision bei Stimme und Gitarren
Alissa White-Gluz war über mehr als zehn Jahre Leadsängerin von Arch Enemy. Nach ihrem im November 2025 bekanntgegebenen Ausstieg startete sie ihre Solokarriere mit der Single „The Room Where She Died“. Ein Debütalbum ist angekündigt. Paavo Kurkela arbeitet seit 2018 mit Arch Enemy und nutzt KLANG seit mehreren Jahren, um komplexe Monitormischungen differenziert aufzubauen.
Gerade bei einer Stimme wie der von Alissa White-Gluz wird die Trennung im Monitoring schnell zur Herausforderung. Ihre starke Eigenwahrnehmung über Knochenleitung verändert die Balance im Ohr deutlich. Hinzu kommt, dass sich Gitarre und Gesang teilweise in ähnlichen Frequenzbereichen bewegen.
Paavo Kurkela: „Alissa ist eine unglaublich kraftvolle Sängerin. Das bedeutet, dass sie sich beim Singen durch die Knochenleitung ganz natürlich sehr laut hört. Das macht die Trennung besonders schwierig, vor allem wenn die Gitarre genau im gleichen Frequenzbereich liegt wie ihre Stimme. Die Balance muss perfekt sein, denn Alissa nimmt schon einen Unterschied von nur ein oder zwei Dezibel sofort wahr. Glücklicherweise ist KLANG extrem präzise, sodass ich ihren Gesang trotz aller Unwägbarkeiten auf Tour immer im optimalen Bereich halten kann.“
KLANG mit Allen & Heath dLive im Touring-Einsatz
Kurkela kombiniert KLANG:vokal+ und KLANG:konductor regelmäßig mit seinem Allen & Heath dLive-System. Diese Kombination gehört für ihn inzwischen fest zum Arbeitswerkzeug. Bei Arch Enemy kam zusätzlich eine Mischung aus In-Ear- und Wedge-Monitoring zum Einsatz, was die Anforderungen an die Monitorstruktur weiter erhöhte.
Die immersive Platzierung war dabei ein zentraler Vorteil. KLANG ermöglicht nicht nur horizontale Positionierung im Stereobild, sondern auch eine vertikale Verortung einzelner Signale. Genau diese zusätzliche Ebene nutzte Kurkela für den Gesang.
Gesang mittig und über Kopfhöhe platziert
Für den Mix von Alissa White-Gluz platzierte Kurkela die Stimme mittig, hob sie im virtuellen Raum aber über die Kopfhöhe an. Dadurch gewann der Gesang mehr Klarheit und setzte sich deutlicher gegen die übrigen Signale durch.
Paavo Kurkela: „Ich habe Alissas Gesang ganz gerade und mittig gehalten, ihn aber im Mix über ihren Kopf angehoben. Dadurch gewann ich enorm an Klarheit, und der Klang wurde wirklich heller. Die KLANG-Bearbeitung ist super sauber und sorgte für eine enorme Trennung zwischen den Instrumenten. Selbst wenn sie richtig laut schrie, konnte Alissa die Gitarren an den Seiten immer noch hören. Es hat auf Anhieb funktioniert, und als sie den Mix hörte, war sie wirklich glücklich. Ich habe noch nie eine Sängerin so lächeln sehen.“
Monitor Engineer Paavo Kurkela.(Foto: © jensthepanda)Klare Trennung auch in schwierigen Räumen
Auf Tour arbeitete Kurkela mit der KLANG:app auf einem Mac und griff darüber auf die Mischungen des KLANG:konductor zu. Vier Mixe waren für die Band vorgesehen, ein weiterer für Gäste und zum Testen neuer Ideen. Laut Kurkela funktionierte das Setup unabhängig von der Venue-Größe zuverlässig.
Besonders in sehr trockenen Räumen zeigte sich für ihn der Vorteil eines klar strukturierten IEM-Mixes. Die einzelnen Elemente ließen sich deutlich voneinander trennen und gezielt anpassen.
Paavo Kurkela: „Es ist wirklich einfach. Ein Tool, ein paar Handgriffe und schon sind wir startklar. Wir hatten auf der Tour ein paar extrem trockene Räume, und in solchen Räumen zu sein, war für uns alle ein echtes Erlebnis. Da ihr KLANG-Mix so klar und präzise war, konnte Alissa den Unterschied wirklich genau heraushören, und das hat nur unterstrichen, wie klar der IEM-Mix mit KLANG geworden war. Wir konnten jedes Element wirklich herauslösen und individuell verfeinern. Das war wirklich positiv.“
Präzision als tägliche Arbeitsgrundlage
Für Kurkela ist dabei nicht nur die räumliche Darstellung entscheidend, sondern auch die exakte Kontrolle über Pegelveränderungen. Gerade bei einer Sängerin wie Alissa White-Gluz, die kleinste Unterschiede sofort wahrnimmt, ist diese Genauigkeit ein wesentlicher Faktor.
Paavo Kurkela: „Alissa ist supergenau, schon bei der kleinsten Abweichung bekomme ich einen bösen Blick, was lustig ist. Musiker kennen ihre Mixe. Ich sage zu jedem Kunden: ‚Es ist nicht mein Mix, es ist deiner, du sagst mir, was ich tun soll.‘ Ich möchte genau wissen, wo ich stehe, daher ist es gut, dass mir KLANG:app beim Bewegen des Faders auch eine grafische Darstellung liefert. Ich bin ein wenig fixiert auf die dB-Anzeige, sie hilft mir, so präzise zu bleiben, wie Alissa es von mir erwartet. Das Ausbalancieren wichtiger Elemente wie Click und Backing-Tracks wäre ohne KLANG fast unmöglich, und ich möchte nicht mehr ohne arbeiten.“
Immersives Monitoring für dichte Arrangements
Gerade im Melodic-Death-Metal-Umfeld sieht Kurkela die Stärke des Systems in der sauberen Trennung dichter Arrangements. Wo viele Signale gleichzeitig im Mix bestehen müssen, schafft die immersive Struktur zusätzlichen Raum und erleichtert die Orientierung für die Künstler auf der Bühne.