Helene Fischer setzt auf Sennheiser Spectera

„360°-Stadion-Tour 2026“ von Helene Fischer (Foto: © Sandra Ludewig)

Für die „360°-Stadion-Tour 2026“ von Helene Fischer wurde ein umfangreiches hybrides Wireless-System eingesetzt, in dem Sennheiser Spectera eine zentrale Rolle übernahm. Vier Spectera Base Stations, drei Prototypen des neuen Spectera Handsenders, 70 SEK-Bodypacks und zehn DAD-Antennen sorgten für Mikrofon-, In-Ear- und Steuerverbindungen auf der 360-Grad-Bühne. Die Tour führte im Juni und Juli durch Deutschland, Österreich, die Niederlande und die Schweiz und erreichte rund 750.000 Besucher.

Die Dimensionen der Produktion stellten hohe Anforderungen an das Funkkonzept. Die Center-Bühne wog 288 Tonnen, war fast 25 Meter hoch und verfügte über lange Catwalks sowie Flugbahnen über dem Publikum. Hinzu kamen 780 Quadratmeter LED-Flächen und eine Produktion mit 48 Trucks, 17 Bühnentrucks und 13 Nightlinern.

Drei Spectera Base Stations im aktiven Betrieb

Der Wireless-Arbeitsplatz befand sich direkt unter der Center-Bühne. Dort waren vier Spectera Base Stations mit jeweils einer Höheneinheit installiert. Drei Systeme arbeiteten aktiv, die vierte Base Station stand als Spare bereit.

Eine Base Station war Helene Fischer, ihrem Akrobatikpartner Thomas Seitel sowie den Tänzerinnen und Tänzern zugeordnet. Die zweite versorgte Musiker und Produktionsgäste mit In-Ear-Signalen, während die dritte Base Station für das IEM der Crew eingesetzt wurde.

Die Systeme arbeiteten mit 96 kHz und waren redundant über Dante Primary und Secondary in die Audioinfrastruktur eingebunden. Alle vier Base Stations wurden im UHF-Bereich betrieben.

Für Helene Fischer, Thomas Seitel und die Tänzer kam der Audio Link Mode „Live Low Latency“ mit 1,1 ms IEM-Latenz im Extended-Range-SeDAC-Betrieb zum Einsatz. Die übrigen Bodypacks arbeiteten im „Live“-Modus mit 1,6 ms Latenz.

Nur ein Bodypack: Helene Fischers kombiniertes IEM/Headset-Pack

Zehn DAD-Antennen für Bühne und Flugwege

Für die Base Stations 1 und 2 waren jeweils vier Spectera DAD-Antennen vorgesehen. Sie waren über bis zu 100 Meter lange Cat-Kabel angebunden und deckten Hauptbühne, Dachbühne, Catwalks und die Flugbahnen über dem Publikum ab.

Für die Crew genügten zwei weitere DAD-Antennen, da sich deren Aktionsradius während der Show auf einen kleineren Bereich beschränkte.

Die per PoE versorgten Antennen übernehmen bei Spectera gleichzeitig Sende- und Empfangsaufgaben für IEM-, Mic- und Line-Signale sowie Steuerdaten. Bei besonders hohen Außentemperaturen wurden sie zusätzlich vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.

Prototypen des Spectera Handsenders

Bei Helene Fischer kamen neben dem bekannten goldfarbenen SKM 6000 drei noch nicht regulär erhältliche Spectera Handsender zum Einsatz. Die Prototypen waren in Gold, Silber und Platin ausgeführt.

Die Silber- und Platin-Varianten erhielten für Flugakrobatik zusätzliche Safety-Ösen. Diese wurden von Sennheiser als 3D-Drucklösung auf Basis der Kunststoffringe am Mikrofongehäuse entwickelt.

„Die Handsender-Prototypen gehören zum Sennheiser Pioneer-Programm“, erklärt Thomas Holz, Sennheiser Artist Relations Manager. Rund 50 Exemplare werden demnach vor der Serienfertigung im professionellen Live-Betrieb getestet. Die Markteinführung der Handsender ist für September 2026 vorgesehen.

Die Spectera Handsender arbeiten bidirektional und ermöglichen unter anderem die Fernsteuerung von Gain und Low-Cut. Sie sind mit Mikrofonkapseln von Sennheiser und Neumann kompatibel und sollen sowohl als UHF- als auch als 1,4-GHz-Version erhältlich sein.

Sonderanfertigungen: die Spectera Handsender für Helene Fischer

70 SEK-Bodypacks für IEM und Mikrofone

Helene Fischer, Thomas Seitel, Tänzer, Band und Crew nutzten insgesamt 70 Spectera SEK-Bodypacks für das In-Ear-Monitoring. Bei Fischer übernahm ein Bodypack gleichzeitig die Übertragung des Mikrofonsignals eines Headmic 4 mit Nierencharakteristik.

Damit konnte ein einzelnes SEK sowohl den IEM-Empfang als auch den Mikrofon-Uplink übernehmen. Für die unterschiedlichen Kostüme und schnellen Wechsel wurden zwei Bodypacks vorbereitet, deren Position exakt auf die jeweilige Bühnensituation abgestimmt war.

Bei einem rückenfreien Kostüm in Verbindung mit Fluggeschirr konnte das Bodypack beispielsweise nicht an der Hüfte getragen werden. Dafür wurde eine spezielle Tasche im Schulterbereich angefertigt.

Auch vier Backliner nutzten die bidirektionale Funktion der SEK-Bodypacks. Sie kombinierten Ohrhörer mit Sennheiser HSP 4 Nackenbügelmikrofonen und einer speziell angefertigten Command-Lösung zur Mikrofonsteuerung.

Funkkonzept für eine 360-Grad-Produktion

Für Planung und Betrieb der Wireless-Technik war Svenja Dunkel verantwortlich. Bereits seit Sommer 2025 entwickelte sie das Funkkonzept für die Produktion.

„Das Funkkonzept musste anders strukturiert sein als bei einer klassischen Frontbühne, zumal Helene nicht nur singt, sondern auch viele Musical-, Tanz- und Akrobatikelemente in ihre Shows integriert“, erklärt Dunkel.

Insgesamt entwickelte sie während der Vorbereitungsphase fünf unterschiedliche Konzepte. Die 360-Grad-Anordnung, große Bewegungsradien und die Flugakrobatik führten schließlich zu einer hybriden Lösung aus bestehenden Sennheiser Digital 6000 Komponenten und Spectera.

„Bei einer hochkomplexen Produktion in der Größenordnung der ‚360°-Stadion-Tour 2026‘ stößt derzeit noch jedes einzelne Funksystem an seine Grenzen“, sagt Dunkel. „Wir haben daher ein hybrides Wireless-System mit zwei Funk-Universen konzipiert, um für alle Bereiche das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.“

Die HF-Expertin Svenja Dunkel begleitet Helene Fischer bereits seit vielen Jahren bei ihren Live-Auftritten

SKM 6000 und Spectera parallel im Einsatz

Der etablierte SKM 6000 blieb weiterhin Bestandteil des Systems. Helene Fischer begann Teile der Show mit dem goldfarbenen Digital-6000-Handsender und einer MMK 965 Kapsel.

Beim Einflug ins Stadion kam dagegen Spectera zum Einsatz. Nach der Landung wechselte Fischer aus szenischen Gründen auf den SKM 6000. Weitere Spectera Handsender standen für unterschiedliche Showteile bereit.

Während der Produktionsproben wurden die klanglichen Unterschiede zwischen Digital 6000 und Spectera mit identischen Mikrofonkapseln verglichen und die Kanalbearbeitung an den Konsolen entsprechend angepasst.

Dunkel bewertet den Praxiseinsatz der Spectera Prototypen positiv: „Trotz der enormen Tourneestrapazen haben die Handsender-Prototypen hervorragend durchgehalten, ich habe keinen einzigen echten Aussetzer wahrgenommen.“

David Chasteen, Head of RF Department bei BBM | CLAIR in Berlin, ging als unterstützender RF-Tech mit auf Tournee

Unterstützung durch BBM | CLAIR

Die Drahtlostechnik wurde von BBM | CLAIR aus Berlin bereitgestellt. David Chasteen, Head of RF Department, unterstützte Dunkel bei der Vorbereitung und begleitete die Tour als RF-Tech.

„Das Sennheiser Spectera Ecosystem gehört dabei zu den Aspekten, die mir persönlich am wenigsten Kopfzerbrechen bereiten“, erklärt Chasteen. Die DAD-Antennen hätten mit entsprechender Positionierung die benötigten Bereiche zuverlässig abgedeckt.

Für Spectera bedeutete die Tour zugleich einen groß angelegten Praxistest. Neben der komplexen Funkumgebung mussten Komponenten und Crew während der Sommerproduktion teilweise extrem hohen Temperaturen standhalten.