Die „Inhale/Exhale“-Tour von Rüfüs Du Sol ist zur bislang umsatzstärksten Tournee eines Electronic-Acts geworden. Die Produktion führt die Band durch Australien, Neuseeland, Mexiko, Brasilien, Europa, Großbritannien und die USA, bevor sie im September in Kanada endet. Für das Audiodesign arbeitet das Produktionsteam mit den Clair Global-Unternehmen Britannia Row Productions und Eighth Day Sound zusammen.
Globales Touring-Konzept mit lokalen PA-Systemen
Im Mittelpunkt der Tour steht der Anspruch, die klangliche Integrität der Studioarbeit auch unter wechselnden Bedingungen in Arenen und Stadien möglichst konsistent auf die Bühne zu übertragen. Produktionsleiter Joel Stanley begleitet die Band seit fünf Jahren und betreut inzwischen den zweiten Albumzyklus.
Britannia Row Productions stellt die PA-Systeme in Großbritannien und Europa bereit, während Eighth Day Sound die Control Packages betreut. Das zentrale Steuerungspaket reist durchgängig mit der Produktion, während die PA-Systeme und die jeweiligen Systemteams marktbezogen bereitgestellt werden.
Damit reduziert das Team den Frachtaufwand und kann gleichzeitig mit Technikern arbeiten, die die jeweiligen Venues und lokalen Produktionsbedingungen kennen.
Produktionsleiter Joel Stanley: „Die Clair-Marken sind perfekt für uns, da unsere größten Märkte Nord- und Südamerika, Europa und Australasien sind. Wir haben unser Steuerungspaket aus Gründen der Konsistenz mitgenommen und was unsere PA-Anlage und das PA-Team angeht, haben wir uns dafür entschieden, diese in jedem Markt vor Ort bereitstellen zu lassen.“
Neben technischen und logistischen Faktoren spielt für Stanley auch die Belastung der Crew eine wichtige Rolle: „Ich lege großen Wert darauf, Touren mit genügend Personal zu besetzen, um Burn-out zu vermeiden. Schon fünf Prozent mehr Tourpersonal und Bühnenarbeiter ermöglichen es dem Team, seine Arbeit sicher und effektiv zu erledigen.“
Live-Performance statt trackbasierter Show
FOH-Tontechniker Cam Trewin mischt Rüfüs Du Sol seit fast einem Jahrzehnt und arbeitet auch im Studio mit der Band zusammen. Obwohl das Trio im elektronischen Bereich angesiedelt ist, basiert die Show zu einem großen Teil auf live gespielten Instrumenten.
Tyrone Lindqvist übernimmt Lead-Gesang und Gitarre, Jon George Keyboards und Synthesizer und James Hunt Schlagzeug und Percussion. Die Produktion arbeitet mit einer vergleichsweise hohen Kanalzahl für eine dreiköpfige Formation.
FOH-Tontechniker Cam Trewin: „Eine Rüfüs-Du-Sol-Show ist ein einzigartiges Erlebnis. Obwohl sie im elektronischen Bereich angesiedelt ist, dreht sich alles vor allem um die Live-Performance und nicht in erster Linie um eine trackbasierte Show.“
Die Band verwendet auf der Bühne zahlreiche Synthesizer, Pedale und Controller, die sich an den Studio-Setups orientieren. Entsprechend eng stimmen Künstler und Tontechniker den Mix und die Session-Dateien auf die Akustik des jeweiligen Veranstaltungsortes ab.
Yamaha Rivage PM5 mit hybridem FOH-Workflow
Das FOH-Setup basiert auf einem Yamaha Rivage PM5 mit DSP-RX-EX Engine. Ergänzt wird das System durch Waves– und UAD-Prozessoren, DAD Recording Interfaces, Bricasti-Reverbs sowie Outboard von Manley, API, Rupert Neve Designs, Crane Song, Elysia, Empirical Labs und Stam Audio.
Für den aktuellen Albumzyklus hat Trewin den bisher weitgehend digitalen Workflow um eine analoge Mix-Bus-Kette erweitert. Der Mix-Bus wird über einen DirectOut Prodigy MC per MADI an eine Kette aus Crane Song STC, Manley Massive Passive, Rupert Neve Designs MBT und Elysia VMAX geführt. Anschließend übernimmt ein Crane Song Interstellar die A/D-Wandlung, bevor das Signal über AES zurückgeführt wird. Die abschließende Limiter-Stufe erfolgt mit einem Waves L4 über SuperRack.
„Ich verwende in meinem Studio eine ähnliche Mix-Bus- und Mastering-Kette, daher war es ein logischer Schritt, diesen vertrauten Klangcharakter in die Live-Umgebung zu übertragen“, erklärt Trewin.
Für den Lead-Gesang setzt er einen RND Shelford Channel ein, gefolgt von einem UA LA-2A, einem 1176 und einem Maag EQ. Danach wird das Signal für PSE, dynamischen EQ und De-Essing über Waves zurück in das Mischpult geführt.
Kick- und Snare-Gruppen werden mit Distressors bearbeitet. Zusätzlich kommt ein Stam Audio 4K-5+ Stereo-Bus-Kompressor zum Einsatz. Bricasti-Reverbs werden für Schlagzeug und Gesang genutzt.
Rüfüs Du Sol auf der „Inhale/Exhale“-TourDirectOut und Dante verbinden die Systeme
FOH-Techniker Gabriel Martin Santana unterstützt Trewin und betreut gemeinsam mit der Kerncrew die Audioinfrastruktur der Tour. Für Aufzeichnungen nutzt das Team sowohl Pro Tools als auch Nuendo.
Dante ist umfangreich in FOH-, Monitor- und Playback-Systeme integriert. DirectOut Prodigy-Geräte übernehmen Routing, Wandlung und Signalverteilung.
„Die enge Zusammenarbeit mit Cam und die Tatsache, dass wir seit vielen Jahren mit derselben Kerncrew auf Tour sind, war ein riesiger Vorteil“, sagt FOH-Techniker Gabriel Martin Santana. „Jeder versteht das Feeling der Show und die technischen Anforderungen, die nötig sind, um sie jeden Tag konsistent umzusetzen.“
Am FOH kommen zusätzlich L-Acoustics X8 für die Nahfeldabhöre und ein SB18 Subwoofer zum Einsatz.
270-Grad-System mit L-Acoustics
Das Beschallungskonzept wurde von Johnny Keirle entwickelt und ist auf eine 270-Grad-Abdeckung ausgelegt.
Die Main- und Side-Hangs bestehen aus L-Acoustics K1 mit darunter geflogenen K2. Für den rückwärtigen 270-Grad-Bereich kommen weitere K2 zum Einsatz. KS28 Subwoofer stehen im vorderen Bühnenbereich, ergänzt durch eine nach außen geneigte, geflogene KS28-Konfiguration für die Tribünen.
Die Frontfills kombinieren A10, Kara und A15. Ein zentral geflogenes L2D unterstützt die Abdeckung im Publikumsbereich. Bei Bedarf kommen weitere L2D als Delays zum Einsatz.
Cam Trewin: „Unser L-Acoustics-System bietet ein hervorragendes Transientenverhalten und eine ausgezeichnete Detailwiedergabe, was für diesen Musikstil entscheidend ist. Es ermöglicht dem Mix, seine Musikalität zu bewahren, insbesondere bei den räumlichen Elementen wie Hall und Delays.“
Für Trewin sind eine konstante tonale Balance, definierte SPL-Zielwerte und eine möglichst gleichmäßige Abdeckung über den gesamten Veranstaltungsraum entscheidend.
Zwölf Monitormischungen für Band und Produktion
Monitoringenieur James „Jimmy“ Gueness erstellt zwölf Monitormischungen. Dazu gehören die Mixe für die Band, die Techniker sowie ein eigener Feed für das Dokumentarfilmteam der Tour.
Auch am Monitorplatz kommt ein Yamaha Rivage PM5 zum Einsatz. Vor der Tour testete Gueness das System eine Woche lang im Clair-Global-Standort in Los Angeles mit Mehrspuraufnahmen früherer Shows.
Monitoringenieur James „Jimmy“ Gueness: „In den elf Jahren, die ich nun schon bei dieser Band bin, habe ich mit Mischpulten aller großen Hersteller gearbeitet, und für mich klingt dieses hier am besten.“
Gueness nutzt Waves nur für PSE und Scheps Omni Channel. Weitere Bearbeitung erfolgt weitgehend innerhalb des PM5.
Extern setzt er zwei Bricasti-Reverbs für Gesang und Schlagzeug, einen Shelford Channel für den Gesang sowie zwei Distressors für Kick und Snare ein. Auf den Ausgängen der In-Ear-Systeme arbeitet eine Kombination aus Rupert Neve Designs MBT und Manley Nu Mu.
Rüfüs Du Sol auf der „Inhale/Exhale“-TourRedundanz bei Funk und Netzwerk
Monitortechniker Benny Masterton ist für Aufbau und Wartung des weltweiten Audiopakets verantwortlich. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Redundanz und Ausfallsicherheit.
Zum Funksetup gehören Shure ADX2FD Dual-Frequency Handsender, das AD-PSM-System und das ShowLink-Netzwerk. Mehrere Antennen werden mit im laufenden Betrieb austauschbaren Antennenkombinatoren eingesetzt.
Parallel betreibt das Team ein umfangreiches Dante-Netzwerk über Yamaha TWINLANe. Dante-Karten in den Bühnenracks verbinden FOH, Monitorplatz und Bühne.
Die Dante-Ausgänge der Shure-Empfänger werden unter anderem für drahtlose Talkback-Mikrofone der Technikcrew genutzt. Dadurch bleiben analoge Kanäle in Split- und Bühnenracks verfügbar.
Auch das DirectOut Andiamo des Playback-Teams ist in das TWINLANe-Dante-Netzwerk eingebunden. Die bidirektionale Verbindung ermöglicht Echtzeit-Stem-Aufzeichnungen vom FOH sowie die Übertragung zusätzlicher technischer Signale und von Timecode.
Über dasselbe Netzwerk wurden bei Broadcast-Produktionen auch Übertragungswagen und Rundfunkteams angebunden.
Support über mehrere Kontinente
Während des gesamten Albumzyklus wird die Produktion von Clair-Global-Teams in den USA, Europa, Australien und Südamerika unterstützt. Zu den zentralen Ansprechpartnern gehören Meegan Holmes bei Eighth Day Sound, Andy Walker in Großbritannien und Einsatzkoordinator Tim Omel.
Für das Touring-Team ist diese internationale Struktur besonders relevant, weil das zentrale Audiopaket durch mehrere Märkte reist und dennoch kurzfristig auf Ersatzgeräte, Reparaturen und technischen Support zugreifen können muss.
Monitortechniker Benny Masterton: „Für einen Techniker, der ein globales Tournee-Paket verwaltet, ist dieses Unterstützungsnetzwerk wohl der größte Vorteil überhaupt. Es gibt uns die Flexibilität und den Rückhalt, die wir brauchen, um uns an die sich ständig ändernden Anforderungen eines Tourneezyklus anzupassen.“