Selbst die Allradstapler haben sich gern mal in dem losen Sand festgefahrenIn sehr familiärer Atmosphäre erlebten am 18. Mai mehr als 6.500 Besucher das erste Förde Festival Open Air in Laboe. Die Veranstalter des Festivals handeln normalerweise mit Lebensmitteln.
Die Idee wurde von Sebastian Amft geboren, einem Mitarbeiter eines Edeka, der seinen Chef und einen weiteren Partner davon überzeugen konnte, dass so ein Festival in der Region fehlt – eben auch direkt am Strand. Große Bereiche der 5.000-Seelen-Gemeinde Laboe, ca. 19 km nördlich von Kiel gelegen, wurden für das Festival zur Einbahnstraße gemacht, ebenso die Kreisstraßen K30 und K52 über die man die Strandgemeinde an der Kieler Förde erreicht. Diese wurden einseitig gesperrt und als kostenloser Parkplatz genutzt. Durch dieses Verkehrskonzept größere Verkehrbehinderungen und Staus aus.
Keine Chance ohne Allradantrieb4 Mann, 4 Ecken
Um das Festivalgelände herzurichten, war schweres Gerät notwendig, denn am unbefestigten Strand besteht ohne Allradantrieb keine Chance sich mit einem Fahrzeug fortzubewegen. Dies musste auch einer der Zeltbauer erfahren, der meinte, man könnte doch mal mit dem voll beladenen 7,49 Tonner hinter die Bühne fahren, um das Fahrzeug zu entladen – selbst im Schlepptau eines Traktors scheiterte dieses Vorhaben.
Der Auf- und Abbau sowie sämtliche Logistik in dem Sand war eine der Herausforderungen für diesen Job, das wusste auch André Zettner, einer der Geschäftsführer der conTZept Veranstaltungstechnik GmbH & Co.KG, als er das Projekt auf den Tisch bekam. Die Firma conTZept war für das Festival als technischer Gesamtdienstleister für die Bühnen-, Licht-, Ton – und Videotechnik verantwortlich und hat den Vermietpark vor dem Festival noch um 16 x Clay Paky QWO 800, Sharpys und ein JBL Linearray System VT 4888 / STX 828 mit entsprechendem Amping erweitert.
Die Bühne wurde am Mittwoch bei teilweise strahlend blauem Himmel und Sonne im weißen Quarzsand direkt an der Kieler Förde aufgebautAm Dienstag wurden Strandkörbe und sonstiges Inventar vom Strand entfernt, eine temporäre Baustraße in Richtung Bühne verlegt und der Strandsand etwas eingeebnet und im Bereich der Bühne auch verdichtet. Die Bühne wurde am Mittwoch bei teilweise strahlend blauem Himmel und Sonne im weißen Quarzsand direkt an der Kieler Förde aufgebaut, durch ein kleines Unwetter am Abend konnte der Aufbau nicht mehr vollständig abgeschlossen werden und Restarbeiten an der Bühne wurden am Donnerstag fortgesetzt. Ton, Licht und Video wurde am Donnerstag und Freitag installiert.
Aber mal eben ne Kiste um die Bühne schieben ging nicht. Zum Bewegen wurde immer ein Allradstapler oder echte Manpower benötigt – 4 Mann 4 Ecken! Selbst die Allradstapler haben sich gern mal in dem losen Sand festgefahren, konnten sich aber meist selbst wieder mit ihrer Gabel aus dem Sand ziehen. Wie ein Kollege von der Technik gern mal als Anweisung lautstark von sich gab: „Die Rollen bitte nicht in den Sand!“ Ok, dachte sich ein Kollege – dann zur Not halt auf dem Deckel durch den Sand gezogen.
Ok, dachte sich ein Kollege – dann zur Not halt auf dem Deckel durch den Sand gezogenAm Freitag wurde die Kameratechnik aufgebaut und am späteren Nachmittag fanden dann auch die ersten Soundchecks, sowie das finale programmieren der Lichttechnik statt. Illja Damm von conTZept erzählt, dass er die Show auf der grandMA2 schon im groben vorprogrammiert hat, da es vor Ort nur wenig Zeit gab, dies zu tun. Die teilweise lokalen Bands mussten am Freitag schon ihren Soundcheck machen, da es am Samstag keine Zeit in dem straffen Zeitplan gab – 9 Bands und eine Tanzgruppe in 7 Stunden Showtime waren ehrgeizig, es hat aber gut funktioniert.
Ergänzende Ton- und Lichttechnik
Illja Damm an der grandMA2Der Haupt Act des Fördefestivals war „Der Graf“ von Unheilig, der für seinen Auftritt noch ergänzende Ton- und Lichttechnik über seinen Dienstleister ttl-Veranstaltungstechnik Bernd-Michael Tombült mitbrachte. Auch die ttl-Crew hat den Sand und die damit erschwerten Bedingungen zu spüren bekommen – so dauerte das LoadIn am Ende 90 Minuten anstelle von geplanten 30 Minuten am Samstagmorgen.
Die Wettervorhersagen waren nicht sehr positiv, für Samstag war eigentlich Starkregen angesagt, der aber nur während des Auftritts von F.R.E.I. alles gegeben hat. Somit musste die Technik auch Regenfest gemacht werden und konnte zum Teil am späten Abend nicht eingesetzt werden, nach dem der Regen einsetzte, packte man die Movinglights kurzfristig in Müllsäcke, um sie vor dem Regen zu schützen.
Der GrafAls erster Show Act begannen Lions of Nebraska um 14.30 ihr knapp 30 minütiges Konzert, in der Umbaupause spielte auf dem Bühnenausleger das Duo TM-Folk, während die Bühne auf Staubkind umgebaut wurde, die über Nacht für Roland Bless eingesprungen waren. Bis auf Unheilig die ca. 120 Minuten spielten, waren die anderen Konzerte von Alive & Kicking, Björn Paulsen, Illegal 2001, Tonbandgerät und F.R.E.I. alle um die 30 Minuten, was ja bei einem Live Act extrem kurz ist. In den jeweils ca. 10-15 minütigen Umbaupausen, waren auf der Vorbühne meist weitere Künstler aktiv, vom Gitarren Duo bis zur Tanzgruppe mit 30 Tänzern. Stagemanager Bastian Groß von Contzept leistete hier eine unglaubliche Arbeit, die auch seitens des Künstlermanagements gelobt wurde.
Soundcraft Vi4 und Vi6
Bei Unheilig wurde der Sound über zwei eigens mitgebrachte Soundcraft Vi4 (Front/Monitormix) gesteuert, die restlichen Bands bis auf F.R.E.I. spielten über das vorhandene Soundcraft Vi6 in der Front und ein Soundcraft Vi4 für das Monitoring. F.R.E.I. setzten für ihren Sound ein eigens mitgebrachtes Behringer X32 Pult ein. Das Licht wurde bis auf die Show von Unheilig über ein GrandMA2 light gesteuert. Die Unheilig Lichtshow steuerte Philipp Zanders über sein Chamsys MQ 100 PRO 2010.
Alles in allem ein gelungenes Festival, dass nach Wiederholung schreit – vielleicht mit etwas mehr Sonne am Showtag und einem weiteren Showtag bei solch einem Aufwand vor dieser traumhaften Kulisse direkt am Meer!
Bildergalerie
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Autor/Fotos: Thomas Rohwedder