Der ORF und ARRI sind mit dem EBU Excellence in Media Award 2026 ausgezeichnet worden. Gewürdigt wurden die technischen und produktionellen Entwicklungen für den Eurovision Song Contest 2026 in Wien. Erstmals erhielt neben einer öffentlich-rechtlichen Medienorganisation auch deren Technologiepartner die Auszeichnung. Die Preisverleihung fand auf der IBC in Amsterdam statt.
Der ORF war Host Broadcaster der 70. Ausgabe des Eurovision Song Contest. Die beiden Halbfinals fanden am 12. und 14. Mai, das Finale am 16. Mai in der Wiener Stadthalle statt. Insgesamt erreichte der ESC 2026 nach Angaben der EBU 131 Millionen Menschen in 35 TV-Märkten.
24 ALEXA 35 Live beim Eurovision Song Contest
Ein Schwerpunkt der ausgezeichneten Produktion lag auf dem Kamerakonzept und der Verbindung von Live-Broadcast-Workflows mit einer stärker an Kino- und Musikproduktionen orientierten Bildästhetik.
Insgesamt kamen 28 Live-Kameras zum Einsatz, darunter 24 ARRI ALEXA 35 Live. ORF und ARRI entwickelten dafür gemeinsame Workflows für Kameratechnik, Farbmanagement und Live-Produktion.
Eine Besonderheit waren mehr als 50 individuell entwickelte Farb-Looks beziehungsweise LUTs. Diese wurden während der Live-Produktion automatisiert abgerufen und den einzelnen Auftritten zugeordnet. Auf diese Weise konnten Arbeitsschritte, die üblicherweise stärker der Postproduktion zugeordnet werden, direkt in den Live-Workflow integriert werden.
„Was wir gemeinsam mit dem ORF in Wien erreicht haben, geht über eine einzelne Produktion hinaus. Wir haben gezeigt, dass die Bildsprache des Kinos und die Anforderungen groß angelegter Live-Fernsehübertragungen in einer Live-Produktionsumgebung erfolgreich miteinander verbunden werden können“, sagt David Bermbach, Chief Product Officer bei ARRI.
EBU würdigt Zusammenarbeit von ORF und ARRI
Die EBU hebt mit der Auszeichnung insbesondere die gemeinsame Entwicklung der technischen Lösung hervor. ORF und ARRI hätten nicht lediglich bestehende Technik eingesetzt, sondern bereits bei Konzeption und Entwicklung eng zusammengearbeitet.
„Bei dieser Auszeichnung geht es darum, was eine öffentlich-rechtliche Medienorganisation und ein Anbieter gemeinsam erreichen können, was keiner von beiden allein schaffen könnte“, erklärt Antonio Arcidiacono, EBU Director of Technology and Innovation. „ORF und ARRI haben keine Lösung von der Stange gekauft; sie haben das Problem definiert, die Lösung entwickelt und diese dann in der unerbittlichsten Umgebung unserer Branche unter Beweis gestellt, dem Live-Fernsehen, das von Millionen von Menschen gleichzeitig verfolgt wird.“
Für den ORF sollen die während des ESC entwickelten Produktionsmethoden auch über die Veranstaltung hinaus genutzt werden.
„Wir betrachteten den Eurovision Song Contest 2026 als Investition und nicht als einmaliges Projekt“, sagt Harald Kräuter, Leiter für Technologie und Digitalisierung beim ORF. „Die von uns entwickelten Workflows und das Selbstvertrauen, das unsere Teams in Wien gewonnen haben, werden dem ORF langfristig erhalten bleiben und prägen bereits jetzt unseren Ansatz bei alltäglichen Produktionen.“
Zahlreiche technische Partner beteiligt
Neben ARRI waren weitere Unternehmen an der technischen Umsetzung des Eurovision Song Contest beteiligt. Kräuter nennt insbesondere Riedel Communications und NEP für die Entwicklung und Integration der Kamera- und Broadcast-Workflows.
Creative Technology verantwortete Bereiche rund um LED und Video, Neg Earth die Beleuchtung, Big Rig das Rigging und Agorà den Audiobereich. Sennheiser stellte Technik für Funkmikrofone und In-Ear-Monitoring bereit. Hinzu kamen weitere nationale und internationale technische Dienstleister.
„Der ORF bedankt sich bei allen Partnern und technischen Fachbereichen, die zu diesem Projekt beigetragen haben“, sagt Kräuter. „Besonderer Dank gilt ARRI, Riedel und NEP für die Entwicklung und Integration der Kamera- und Übertragungs-Workflows.“
Auszeichnung für technische und kreative Leistungen
Auch Michael Krön, Executive Producer des ORF für den ESC 2026, sieht die Auszeichnung als Anerkennung der Arbeit des gesamten Produktionsteams.
„Diese Auszeichnung gehört dem gesamten Team, das monatelang an einer besonderen visuellen Identität gearbeitet hat“, sagt Michael Krön, Executive Producer des ORF für den ESC 2026. „Wir wollten dem Publikum eine Show bieten, die es nicht nur sehen, sondern auch fühlen kann, und genau das hat das Kamerakonzept erreicht.“
Der Excellence in Media Award wird von EBU Technology & Innovation für technische und kreative Leistungen in der Medienproduktion vergeben. Ausgezeichnet werden können EBU-Mitglieder und ihre Projektpartner. 2025 ging der Preis an die SRG SSR für den Eurovision Song Contest in Basel, 2024 wurde France Télévisions für die Berichterstattung über die Olympischen und Paralympischen Spiele in Paris geehrt.