Die Ausstellung Timewalk in London führt ihre Besucher in rund einer Stunde durch 12.000 Jahre Menschheitsgeschichte. Den Klang liefert ein immersives L-ISA-System von L-Acoustics, das für das Publikum unsichtbar bleibt. Der Rundgang beginnt am rituellen Versammlungsplatz von Göbeklitepe und führt über die Hängenden Gärten von Babylon, die Tempel des alten Ägyptens und die Observatorien der Maya bis zu den Moai von Rapa Nui. Jede dieser fünf Welten hat einen eigenen Raum mit Projection Mapping.
„Timewalk“ wurde im Juli im Immerse LDN eröffnet, Großbritanniens größtem Viertel für Immersive Entertainment an der Uferpromenade des ExCeL London am Royal Victoria Dock. Die Ausstellung erstreckt sich über mehr als 1.600 Quadratmeter und ist das britische Debüt von DEM Museums. Der türkische Produzent steht auch hinter dem Hagia-Sophia-Geschichts- und Erlebnismuseum sowie dem Ephesus-Erlebnismuseum.
Von Ephesus nach London
Asimetrik, zertifizierter L-Acoustics-Anbieter in der Türkei, hatte DEM beim Ephesus-Projekt bei Izmir mit L-ISA vertraut gemacht. Das dortige Museum wurde bei den MONDO-DR Awards 2024 als bestes Museum ausgezeichnet. Als DEM drei Jahre später mit dem Aufbau der Londoner Ausstellung begann, wandte sich das Unternehmen erneut an Asimetrik.
Asimetrik empfahl zunächst, einen unabhängigen Berater für das Soundsystem und das akustische Design der Inhalte zu beauftragen. So sollten die Entscheidungen auf technischen Kriterien beruhen und nicht auf den Vorlieben eines Anbieters. Zudem regte Asimetrik Gespräche mit anderen Herstellern an, sodass mehrere objektbasierte und immersive Systeme evaluiert wurden. Am Ende entschied sich DEM erneut für L-ISA.
Ein Briefing ohne sichtbare Technik
Das Briefing beschrieb eher ein Ergebnis als ein System: Die Besucher sollten die Technik überhaupt nicht wahrnehmen. Der Klang sollte zum Bild gehören, etwa ein Vogel über den Köpfen, Wasser unter dem Boden oder eine Stimme, die sich durch den Raum bewegt. Und das musste überall im Raum funktionieren, nicht nur an einem bestimmten Platz.
Buğra Kezan, Projektleiter bei Asimetrik, beschreibt die Zielsetzung: „Timewalk wünschte sich eine Umgebung, die so stimmig war, dass die Besucher gar nicht bemerken würden, dass sich Lautsprecher im Raum befanden. Der Ton musste ein integraler Bestandteil des Erlebnisses sein und überall funktionieren, egal wo die Menschen standen und durch welchen Raum sie gingen.“
Den Erfolg maß DEM am Inhalt: Der Ton sollte die gleiche emotionale Wirkung erzielen wie die Bildebene. Außerdem sollte das System während der gesamten Laufzeit jeden Tag unbeaufsichtigt und auf gleichbleibendem Niveau laufen.
Abdeckung, Verständlichkeit und Isolation
Da das Publikum in Gruppen steht und sich durch die Räume bewegt, gibt es keinen Sweet Spot. Das räumliche Klangbild musste deshalb auf der gesamten Fläche funktionieren. Hinzu kommt die Kühlung der Projektoren, die in jedem Raum dauerhaft laufen und ein konstantes, breitbandiges Grundrauschen erzeugen. Der Dynamikbereich wurde entsprechend angepasst: Leise Passagen bleiben über diesem Rauschen klar hörbar, laute Passagen stören die Intimität der Erzählung nicht. Zudem laufen in den fünf Räumen den ganzen Tag über unabhängige Programme. Übersprechen war dabei ausgeschlossen, auch wenn eine Gruppe ein Kapitel betritt, das eine andere gerade verlässt.
Auch die Architektur setzte Grenzen. Die Projektionsflächen liegen dicht an den Wänden, sodass davor kein Platz für Lautsprecher bleibt. Jedes Gehäuse wurde deshalb in eine eigens angefertigte Einbauvorrichtung direkt in der Wand versenkt. Diese Einbauten mussten drei widersprüchliche Anforderungen erfüllen. Sie durften weder den Frequenzgang noch das Abstrahlverhalten der Lautsprecher beeinflussen. Außerdem durften sie die Schalldämmung zwischen den Räumen nicht schwächen und nicht in die Fluchtwege direkt hinter den Wänden ragen. Diese Fluchtwege legten die maximale Einbautiefe fest, ohne Spielraum für Verhandlungen.
Die zweite harte Grenze war die Stromversorgung. Die elektrische Infrastruktur des Gebäudes hat eine festgelegte Kapazität, und die Audioanlage musste neben einer sehr hohen Projektionslast darin Platz finden.
Einbautiefe und Stromaufnahme entscheiden
Für Buğra Kezan gaben genau diese beiden Punkte den Ausschlag: „Hier hob sich L-Acoustics von den anderen evaluierten Alternativen ab. Die Gehäuseabmessungen im Verhältnis zum von uns benötigten Schalldruckpegel (SPL) ermöglichten es, dass die Einbaugehäuse innerhalb der von den Fluchtkorridoren zugelassenen Tiefe blieben. Und die Kombination aus Lautsprecherempfindlichkeit und Verstärkerwirkungsgrad lieferte das gleiche akustische Ergebnis bei deutlich geringerem Stromverbrauch. Das war ein technischer Vorteil, keine Vorliebe.“
„Timewalk“ wurde im Immerse LDNFünf Räume, fünf Setups
Das erste Kapitel, Göbeklitepe, arbeitet mit einem 9.1-Layout aus drei X8i, sechs 5XT und zwei SB15m. „Babylon“, „Das alte Ägypten“ und „Die Maya“ wechseln dann jeweils auf eine vollständige L-ISA-360°-Konfiguration. Dabei ist eine Lautsprecherebene in den Boden eingelassen, sodass der Klang sowohl von unten als auch rund um die Besucher kommen kann. Jeder dieser drei Räume ist mit fünf X8i, sechs X6i und elf 5XT ausgestattet, die in drei separaten Reihen parallel geschaltet sind, dazu jeweils zwei SB18i.
Das letzte Kapitel, „Rapa Nui“, ist das anspruchsvollste der fünf. Als einziger Raum verfügt es sowohl über eine Ebene unterhalb der Ohrhöhe als auch über eine Ebene über Kopf. Dadurch kann L-ISA den Klang tatsächlich über oder unter den Besuchern platzieren und nicht nur um sie herum. Hier kommen fünf X8i, zwei A10i Wide, 29 X6i und drei KS21i zum Einsatz. Drei weitere 5XT beschallen die Gänge zwischen den Kapiteln.
Insgesamt arbeiten bei „Timewalk“ 114 Lautsprecher und 11 Subwoofer in fünf separaten Zonen. Angesteuert werden sie von 15 Amplified Controllern, darunter LA7.16i, LA4X und LA2Xi, die alle über Milan-AVB laufen. Der finale Mix entsteht im L-ISA-Prozessor und wird an die Medienserver übergeben, die die Dateien über das Netzwerk direkt an die Amplified Controller senden.
Sergey Becker, Anwendungsingenieur bei L-Acoustics, übernahm gemeinsam mit dem Asimetrik-Team die abschließende L-ISA-Kalibrierung. Vertriebsleiter Pavel Aheunin begleitete das Projekt von den ersten Phasen bis zur Fertigstellung.
Infrastruktur für kommende Produktionen
Das Content-Team von DEM nahm das klangliche Ergebnis positiv auf, und der hauseigene Tontechniker der Ausstellung hat sich schnell in den täglichen L-ISA-Workflow eingearbeitet. Für einen Raum, der jeden Morgen auf dem gleichen Niveau öffnen muss, ist das ein wichtiger Faktor.
Buğra Kezan blickt bereits über die aktuelle Ausstellung hinaus: „Wir haben dies speziell für den Raum festgelegt, nicht für die Inhalte, die zufällig darin gezeigt werden. Immerse LDN wechselt seine Erlebnisse regelmäßig, und eine neue Produktion kann auf der Grundlage des bereits vorhandenen Lautsprecherlayouts und der Objektwiedergabe erstellt werden, in den meisten Fällen reicht dafür lediglich eine Neukalibrierung und eine neue Show-Datei. Die Infrastruktur ist das dauerhafte Kapital. Die Inhalte bauen darauf auf.“