Sam Smith setzt auf Sennheiser Spectera

Sam Smith

Bei seinen aktuellen Residencies im Warsaw in Brooklyn und zur Wiedereröffnung des Castro Theatre in San Francisco setzte Sam Smith auf Sennheiser Spectera. Das bidirektionale digitale Breitband-Drahtlossystem kam dort in einer besonders anspruchsvollen HF-Umgebung zum Einsatz und sollte ein komplexes drahtloses Monitoring zuverlässig absichern.

Wechsel von analogem Funk zu digitalem Breitband

Für den Wechsel war Saul Skoutarides, langjähriger Monitor-Techniker von Sam Smith, verantwortlich. Er stellte Sam Smith und die Band auf Spectera um, um die technischen Grenzen älterer analoger Systeme hinter sich zu lassen und ein transparenteres, musikalischeres Monitoring zu erreichen. Aus seiner Sicht hat dieser Schritt den Produktionsablauf deutlich verändert.

Saul Skoutarides blickt auf eine lange Laufbahn zurück, die in der australischen Clubszene der 1990er Jahre begann und ihn später ins Team von Sam Smith führte. Entsprechend genau kennt er die Einschränkungen klassischer Funktechnik. Der Umstieg auf Spectera erfolgte vor allem mit Blick auf Zuverlässigkeit, Klarheit und ein differenzierteres Stereo-Bild.

Saul Skoutarides: „FM-Stereo wurde in den 60er Jahren erfunden, und bis heute verwenden wir eine Version davon, die nicht weit vom Original entfernt ist. Im Vergleich zu dem, was Spectera leistet, ist es ‚Faux-Stereo‘. Es gibt keinen Kompander und vergleichsweise kein Grundrauschen. Spectera kommt von allem, was ich je genutzt habe, am ehesten dem Gefühl nahe, Kopfhörer direkt an einen guten Kopfhörerverstärker anzuschließen.“

Monitor-Ingenieur Saul Skoutarides

Mehr Ruhe und mehr Tieftonstabilität

Besonders deutlich fiel der Unterschied im Tieftonbereich auf. Nach Angaben von Skoutarides konnten tieffrequente Synth-Bass- oder Sub-Patches bei herkömmlichen HF-Systemen hörbare Effekte verursachen, weil der Kompander auf diese Frequenzen reagiert. Bei Spectera habe sich dieses Verhalten nicht gezeigt.

Saul Skoutarides: „Der Tieftonbereich ist echt. Als ich einen A/B-Test mit der 2000er-Serie durchführte, klang das alte Equipment plötzlich so, als wäre der Tieftonbereich phasenverschoben. Ich war mehr als überzeugt.“

Neben dem Frequenzverhalten beschreibt Skoutarides auch das Wegfallen des typischen analogen Grundrauschens als entscheidenden Faktor. Gerade in langen Proben habe das zu einer spürbar ruhigeren Arbeitsatmosphäre geführt. Auch David Odlum, musikalischer Leiter, Produzent und Toningenieur, habe den Unterschied unmittelbar wahrgenommen.

Saul Skoutarides: „Die machen überhaupt kein Geräusch. Wir haben gemerkt, dass wir nicht mehr an den Rand der Erschöpfung stoßen. Das ständige HF-Rauschen belastet unbewusst die Nerven – ohne es zu merken. Sobald es weg war, hat sich die Energie im Raum komplett verändert. Selbst Künstler*innen, die In-Ears eher skeptisch sehen, waren von der Klarheit überwältigt.“

Das Spectera-Bodypack vereint Mikrofonübertragung und In-Ear-Monitoring in einem einzigen bidirektionalen Gerät

Stabilität in schwierigen HF-Umgebungen

In der dichten städtischen Umgebung von Brooklyn spielte laut Skoutarides vor allem die Stabilität des Systems in belegten Frequenzbereichen eine zentrale Rolle. Während klassische Systeme für jeden Kanal eine freie Frequenz benötigen, ermöglicht der Breitbandansatz von Spectera auch den Betrieb unter schwierigen HF-Bedingungen.

Saul Skoutarides: „Bei Auftritten in New York City tauchen überall unbekannte, außerhalb unserer Kontrolle liegende Faktoren auf. Ich arbeitete mit leichten bis mittleren Störungen auf diesen TV-Kanälen, und es machte keinen Unterschied. Es funktionierte einwandfrei. Es war beruhigend zu wissen, dass es auch in einer so störungsreichen Umgebung zuverlässig funktioniert.“

Bidirektionale Steuerung entlastet den Festivalalltag

Ein weiterer Vorteil zeigte sich bei logistisch anspruchsvollen Situationen, etwa bei abgelegenen Garderoben oder sehr knappen Umbauzeiten. Skoutarides erinnert sich an ein Festival in Mexiko, bei dem er den gesamten HF-Bereich allein betreuen musste. Dort musste er kurzfristig einen Frequenzblock ändern. Mit Spectera ließ sich dieser Wechsel deutlich einfacher umsetzen als bei klassischen Setups, weil die Packs zunächst stumm bleiben, bis sie die Basisstation erkennen und sich dann automatisch neu synchronisieren.

Saul Skoutarides: „Ich hatte kürzlich eine Situation, in der ich in letzter Minute einen Frequenzblock ändern musste. Früher wäre ich zur Garderobe gelaufen und hätte alle Packs einsammeln müssen, bevor ich mitten in einem Festival-Umbau einen alternativen Funkplan erstellen und umsetzen konnte, was sehr stressig sein kann. Mit Spectera bleiben die Packs zunächst stumm, bis sie die Basisstation erkennen. Ich habe gesehen, wie sie in Reichweite kamen, sich automatisch neu synchronisierten und die Band gleichzeitig auf die Bühne ging – das war in dieser Situation eine große Erleichterung.“

Vereinfachte Infrastruktur auf Tour

Auch die Infrastruktur der Tour wurde durch das System vereinfacht. An die Stelle starrer LMR400 HF-Kabel traten Standard Cat 5 Kabel, was das Setup robuster und weniger sperrig machte. Hinzu kommen MADI-Integration und eine sehr geringe Latenz, die laut Vorlage eine hohe Klangtreue für komplexe Gesangs-Reverbs und detailreiche Arrangements ermöglicht.

Für Saul Skoutarides geht der Wechsel deshalb über ein klassisches Technik-Upgrade hinaus. Er versteht ihn als grundlegende Veränderung seines Arbeitsumfelds: „Ich habe meine Karriere damit verbracht, nach besserer Klangqualität zu streben, und dies ist die nächste Stufe. Wir haben die Stille gefunden, und wir haben den Raum gefunden. Ich werde nie wieder zurückgehen.“

Perspektive für kommende Tourtermine

Mit Blick auf künftige Tourdaten will Skoutarides das Setup weiterführen. Dabei richtet sich der Blick bereits auf den Spectera SKM-Handmikrofon-Sender, der für Produktionen mit drahtlosem Gesang eine naheliegende Ergänzung sein soll.

Saul Skoutarides: „Sobald die [SKM]-Handsender verfügbar sind, werden sie eine naheliegende Ergänzung sein, wenn wir wieder ein drahtloses Mikrofon verwenden müssen. Das wird Sam die nötige Freiheit auf der Bühne geben und gleichzeitig dem Publikum das gleiche, sehr hochwertige Klangerlebnis bieten.“

Der Spectera SKM-Handmikrofon-Sender kann vorbestellt werden und wird voraussichtlich ab September 2026 ausgeliefert.