Die neue Cirque du Soleil Show ALIZÉ im Theater am Potsdamer Platz in Berlin setzt auf ein immersives Meyer Sound PANTHER System und verbindet hochpräzisen Klang mit spektakulärer Akrobatik und Illusionen. Das Ergebnis ist ein Show-Erlebnis, bei dem Sounddesign, Musik und visuelle Effekte zu einer einheitlichen Gesamtinszenierung verschmelzen.
Show ALIZÉ und kreativer Ansatz des Sounddesigns
Der Cirque du Soleil wurde 1984 gegründet und zählt heute zu den bekanntesten Live-Shows weltweit, mit einem Schwerpunkt auf Artistik, Theaterkunst und Live-Musik. Die neue Produktion ALIZÉ ist eine Zusammenarbeit der Cirque du Soleil Entertainment Group und Live Nation und feierte im Cirque du Soleil Theater am Potsdamer Platz in Berlin Premiere.
Im Zentrum steht eine Mischung aus Akrobatik und Elementen, die der Cirque als „La magie nouvelle“ und „Acromagic“ beschreibt. Die Darstellerinnen und Darsteller erscheinen und verschwinden, bewegen sich scheinbar schwerelos im Raum und wechseln zwischen realer und surrealer Welt. Der Ton übernimmt dabei eine tragende dramaturgische Rolle.
Sounddesigner Jean-Michel Caron, der seit über 25 Jahren in verschiedenen Funktionen für den Cirque du Soleil tätig ist, erlebt ALIZÉ als neues Kapitel: „Ich habe schon viele Zirkus- und Arena-Shows gemacht – aber das Design für das Theater war besonders spannend. Man hat einen kontrollierten akustischen Raum, in dem jedes Detail fein abgestimmt werden kann, und kann den Mix wirklich bis zum Maximum optimieren.“
Dramaturgischer Einsatz von Klang im Raum
Caron rückt die musikalische und klangliche Ebene bewusst stärker in den Vordergrund, um die Emotionen des Publikums gezielt zu steuern. „Das Gehörte übernimmt eine tragende Rolle in der Show“, erklärt er. „Wenn man das Geschehen auf der Bühne mit der Musik und dem Sound Design in Einklang bringt, kann man Spannung aufbauen, das Publikum in seinen Bann ziehen und seine Reaktion komplett verändern.“
Ein Beispiel ist die Eröffnungsszene: Der erste Song spielt in einem Schlafzimmer, das etwa drei Meter über dem Boden positioniert ist. Zunächst wird der Sound in Mono aus dem Center wiedergegeben, bevor sich das Schlafzimmer in zwei Teile teilt und das Surround-System aktiviert wird. Links und rechts kommen zusätzliche Lautsprecher hinzu, die das Bild öffnen und die Szene räumlich erweitern.
„Das System verstärkt die Geschichte, fast wie ein weiterer Darsteller auf der Bühne“, beschreibt Caron.
Immersiver Mix mit Spacemap Go
Der immersive Teil der Produktion basiert auf dem Meyer Sound Spacemap Go Spatial Sound Design und Live Mixing Tool. Die Show arbeitet mit Artistinnen und Artisten, die durch den Zuschauerraum fliegen, Sängerinnen und Sängern auf Balkonen sowie Szenen, die ständig zwischen Realität und magischer Welt wechseln.
„Wir haben Darsteller, die durchs Haus fliegen, Sänger, die auf Balkonen erscheinen, und Szenen, die zwischen Realität und einer magischen Welt wechseln“, erklärt Caron. „Mit Spacemap Go kann ich Klänge an jeden beliebigen Ort im Raum verschieben – eine Spieluhr auf einem Balkon, eine Stimme, die plötzlich von der gegenüberliegenden Seite kommt – und die Aufmerksamkeit des Publikums genau dorthin lenken, wo sie hingehört.“
PANTHER Systemkonfiguration im Theater
Geliefert wurde das Beschallungssystem vom langjährigen Meyer Sound Partner Solotech aus Montreal.
Das zentrale Beschallungssystem besteht aus:
Sound Designer Jean-Michel Caron (Foto © Anne-Marie Forker)Für den Tieftonbereich kommen pro Seite jeweils drei 2100-LFC Low-Frequency Control Elements zum Einsatz. Fünf 1100-LFC Low-Frequency Control Elements unter der Bühne übernehmen spezielle Effekte und ergänzen das Hauptsystem im Bassbereich. Sämtliche Komponenten sind in ein AVB-Milan-Netzwerk eingebunden.
Caron erklärt: „Ich habe mich wegen der Leistung und Transparenz für PANTHER entschieden. Selbst bei sehr niedrigen Pegeln hört man jedes Detail, wie den Bogen auf einer Cellosaite oder das Atmen einer Sängerin zwischen zwei Noten. Gleichzeitig kann ich im selben Raum sehr hohe Lautstärkepegel erreichen – ganz ohne Ermüdungserscheinungen oder Verzerrungen.“
Tieftonkontrolle mit 2100-LFC und 1100-LFC
Der 2100-LFC ist als Partner für PANTHER auf ein präzises, kontrolliertes Tieftonverhalten ausgelegt: „Er reicht bis 28 Hz herunter und ist im ganzen Raum gleichmäßig. Jede Bassnote ist klar zu hören – und es klingt nie matschig. Man spürt, wie der Raum vibriert, aber die Note ist verschwunden, wenn sie verschwinden soll, und die nächste kommt klar und deutlich. Die Geschwindigkeit und Präzision sind außergewöhnlich – und deshalb habe ich mich für dieses System entschieden.“
Die fünf 1100-LFC unter der Bühne ermöglichen zusätzliche tieffrequente Effekte, die punktuell eingesetzt werden, etwa wenn Illusionen und Acromagic-Sequenzen klanglich unterstrichen werden.
Theater am Potsdamer Platz und Systemintegration
Das Theater am Potsdamer Platz in Berlin wurde 1999 als Musicaltheater eröffnet und gehört zu den größten Spielstätten dieser Art in Deutschland. Bisher war im Saal ein Dolby Atmos System von Dolby installiert, das Caron für ALIZÉ in das Gesamtdesign integrierte.
Caron erläutert: „Wir verwenden allerdings keinen Dolby-Atmos-Prozessor – bei uns läuft alles über Galileo GALAXY Netzwerkprozessoren und Spacemap Go. Dadurch habe ich nicht nur die volle Kontrolle und Flexibilität, sondern bin auch nicht an ein festes Lautsprecherlayout gebunden – man kann jede beliebige Konfiguration zeichnen und sich absolut kreativ ausleben. Das gefällt mir sehr.“
Über die Galileo GALAXY Prozessoren von Meyer Sound wird das gesamte System gesteuert, entzerrt und zeitlich ausgerichtet. Spacemap Go übernimmt das dynamische Panning und die Positionszuweisung einzelner Klangereignisse im Raum.
Transparenter Übergang zwischen Playback und Live-Musik
Der Soundtrack von ALIZÉ kombiniert Orchesteraufnahmen mit live gespielten Instrumenten wie Harfe, Klarinette, Celesta und Kantelen sowie Live-Gesang. Die Transparenz des Systems sorgt dafür, dass die Übergänge zwischen vorproduzierten und live gespielten Elementen kaum wahrnehmbar sind.
„Das System ist so transparent, dass man nicht sagen kann, wo die Aufnahme endet und die Live-Musik beginnt“, so Caron. „Irgendwann fragt man sich, ob das Mikrofon der Sängerin überhaupt eingeschaltet ist – es klingt einfach so, als würde sie ganz natürlich im Raum singen. Diese Illusion ist sehr wirkungsvoll und trägt maßgeblich zur Magie der Show bei.“
Ausblick für zukünftige Cirque du Soleil Produktionen
Für Caron setzt ALIZÉ einen Maßstab für zukünftige Produktionen des Cirque du Soleil. Die Kombination aus Illusionen, Bewegung im Raum und einem konsequent immersiv gedachten Sounddesign prägt die Show von der ersten Sekunde an: „Diese Show ist anders – von den Illusionen bis hin zur Art und Weise, wie Ton und Musik komponiert sind. Wenn wir bereits bei den Proben begeistert sind, wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind, um auch das Publikum zu begeistern.“