CODA Audio beschallt Europa Open Air in Frankfurt

Europa Open Air des hr-Sinfonieorchesters (Foto: © Torben Gerok)

Beim Europa Open Air des hr-Sinfonieorchesters und der Europäischen Zentralbank wurde die Frankfurter Weseler Werft am 20. August zur Freiluftbühne für Klassik und Jazz. Rund 10.000 Besucher erlebten das hr-Sinfonieorchester unter Leitung von Chefdirigent Alain Altinoglu sowie die hr-Bigband. Den rund 250 Meter langen Publikumsbereich beschallte ein umfangreiches CODA Audio-System. Licht- und Beschallungstechnik stellte MKM Event Show Technik bereit, die das Projekt auch umsetzte.

Orchesterklang ohne Konzertsaal

Das Programm des Abends war musikalisch breit angelegt. Das hr-Sinfonieorchester spielte unter anderem Werke von Peter Tschaikowsky, Edvard Grieg und George Gershwin, als Solist trat der französische Akkordeonist Richard Galliano auf. Eröffnet wurde der Abend von der hr-Bigband unter Leitung von Jörg Achim Keller, mit dem mehrfachen Grammy-Gewinner Kurt Elling als Gast.

Die zentrale Aufgabe bestand darin, den differenzierten Klang eines großen Orchesters möglichst natürlich und gleichmäßig über die weitläufige Fläche zu bringen.

Alexander Kolb, der beim Europa Open Air den FOH-Mix des hr-Sinfonieorchesters verantwortete, beschreibt das Grundproblem: „Ein Orchester spielt traditionell in einem Konzertsaal, dessen Akustik für eine optimale Schallübertragung ausgelegt ist. Unter freiem Himmel fehlen diese Reflexionen und damit auch der gewohnte Raumeindruck. Gleichzeitig können in einer Stadt Häuserwände für hörbare Echos sorgen.“

Systemplanung vom Bauplan bis zum Ortstermin

Entsprechend wichtig war eine präzise Planung. Diese übernahm Daniel Vollrath, den MKM Event Show Technik für das Projekt engagiert hatte. Die grundlegenden Systempositionen waren durch die Ausschreibung des Hessischen Rundfunks und die örtlichen Gegebenheiten vorgegeben. Auf Basis von Bauplänen und Google Maps entstand mit dem CODA Audio System Optimiser ein erster Entwurf, den das Team bei einem Vor-Ort-Termin überprüfte und verfeinerte.

Daniel Vollrath erläutert die Anforderungen an das Design: „Der Publikumsbereich war etwa 250 Meter lang, das ist schon eine nicht zu unterschätzende Strecke, das Systemdesign musste so ausgelegt sein, dass ein möglichst breites Frequenzspektrum über große Distanzen übertragen werden kann.“

AiRAY als Hauptsystem, CiRAY und ViRAY für die Delays

Als Hauptsystem kam deshalb AiRAY zum Einsatz, ein 3-Wege-System mit zwei 12-Zoll-Treibern und das Topmodell der VCA-Familie von CODA Audio. Insgesamt standen 28 AiRAY mit 90 Grad und acht AiRAY mit 120 Grad Abstrahlwinkel bereit.

Für Daniel Vollrath war diese Wahl naheliegend: „Die Entscheidung für AiRAY als Hauptsystem lag auf der Hand, hier musste die höchste Leistung über die längste Strecke übertragen werden.“

Die erste Delay-Line bildete das Fullrange-Line-Array CiRAY. Wegen der Breite des Geländes waren dafür drei Arrays nötig. Für die zweite Delay-Ebene setzte das Team auf das kompakte 3-Wege-Line-Array ViRAY. Ergänzt wurde das Setup durch APS-Systeme (3-Wege Arrayable Point Source) sowie sensorgesteuerte SCP-Subwoofer. Auch das Monitoring lief über CODA Audio, unter anderem mit den 2-Wege-Punktschallquellen HOPS5 und HOPS8 sowie den 3-Wege-Bühnenmonitoren CUE ONE und CUE FOUR.

Durch die Kombination verschiedener Systeme und Abstrahlwinkel ließ sich die Beschallung genau an die Gegebenheiten der Weseler Werft anpassen. Gleichzeitig sollten die Schallemissionen außerhalb des Publikumsbereichs möglichst gering bleiben.

Daniel Vollrath fasst das Prinzip zusammen: „Eine gleichmäßige Beschallung des gesamten Areals ist Grundvoraussetzung, dafür ist fast immer eine Kombination aus eng- und breitabstrahlenden Systemen notwendig.“

Alexander Kolb (li.) und Daniel Vollrath (re.) // (Fotos: © Torben Gerok)

Detailauflösung und Dynamik bei Klassik

Bei klassischer Musik zählen Reichweite und Pegel allein wenig. Feine klangliche Nuancen müssen ebenso beim Publikum ankommen wie die große Dynamik eines Orchesters, vom leisen Soloinstrument bis zur Fortissimo-Passage.

Daniel Vollrath sieht hier eine Stärke der eingesetzten Systeme: „Meiner Meinung nach punktet CODA Audio gerade bei Klassik und Orchester durch hervorragende Detailauflösung.“

Entscheidend war außerdem, Hauptsystem und Delay-Lines bei den Messungen möglichst exakt aufeinander abzustimmen. Die finale klangliche Einrichtung erfolgte gemeinsam mit Alexander Kolb. Nach Soundcheck und Proben waren nur noch minimale Anpassungen nötig. Während des Konzerts passte das Team lediglich die Delayzeiten an die sich ändernden Temperaturen an.

Auch Alexander Kolb bewertet die klanglichen Eigenschaften positiv: „Die Systeme übertragen hohe Frequenzen hochaufgelöst über weite Distanzen, ohne dabei aggressiv zu klingen. Sie erzeugen wenig eigene Verzerrungen, sodass der natürliche Klang eines Orchesters kaum verfälscht wird.“

Transienten würden präzise übertragen, und die sensorgesteuerten Subwoofer lieferten den nötigen Druck im Bass, ohne zu wummern, so Kolb. Sein Fazit: „Darum gehören die Systeme für Veranstaltungen dieser Art für mich zur ersten Wahl.“

Der FOH-Mix als Balanceakt

Am FOH ging es vor allem darum, eine angenehme Lautheit zu erzeugen, ohne Balance und Dynamik des Orchesters zu stark zu verändern. Unterstützt wurde Kolb dabei von Tonmeister Christoph Claßen, der während des Konzerts die Partitur verfolgte.

Alexander Kolb beschreibt seinen Anspruch an den Mix: „Das hr-Sinfonieorchester klingt akustisch fantastisch. Wenn man es schafft, diesen Klang mit und trotz der notwendigen technischen Hilfsmittel ins Publikum zu übertragen, hat man schon viel richtig gemacht.“

Dass das beim Europa Open Air gelungen ist, macht er vor allem an den Reaktionen des Publikums fest: „Mein Eindruck war, dass wieder sehr viele Menschen bei unserem Konzert eine tolle Zeit hatten. Denn darum geht es letztendlich. Das erzeugt bei mir persönlich mehr Gänsehaut als meine eigene Tonmischung.“

Eingesetztes CODA-Audio-Material

PA und Delay:

  • 28x AiRAY 90°, High-Output-3-Wege-Line-Array, 2 x 12 Zoll
  • 08x AiRAY 120°, High-Output-3-Wege-Line-Array, 2 x 12 Zoll
  • 30x CiRAY 90°, High-Output-3-Wege-Line-Array, 2 x 10 Zoll
  • 06x CiRAY 120°, High-Output-3-Wege-Line-Array, 2 x 10 Zoll
  • 16x ViRAY 80°, kompaktes 3-Wege-Line-Array, 2 x 8 Zoll
  • 08x ViRAY 120°, kompaktes 3-Wege-Line-Array, 2 x 8 Zoll
  • 12x APS 120°, 3-Wege Arrayable Point Source
  • 12x SCP, sensorgesteuerter Subwoofer, 2 x 18 Zoll
  • 04x T-Rack, 12-Kanal-Systemverstärker-Rack
  • 12x M-Rack, 4-Kanal-Systemverstärker-Rack

Monitoring:

  • 02x CUE ONE, 3-Wege-Bühnenmonitor
  • 08x CUE FOUR, 3-Wege-Bühnenmonitor
  • 08x HOPS8, 2-Wege-Punktschallquelle
  • 10x HOPS5, 2-Wege-Punktschallquelle
  • 02x T-Rack, 12-Kanal-Systemverstärker-Rack
  • 01x M-Rack, 4-Kanal-Systemverstärker-Rack