Das Musical Maria Theresia der Vereinigten Bühnen Wien kehrt am 12. September 2026 nach der Sommerpause ins Wiener Ronacher zurück. Hinter den Kulissen setzt das Theater bereits seit 2023 auf zactrack SMART. Das vollautomatisierte Trackingsystem des österreichischen Technologieunternehmens liefert dem Licht- und Tonteam präzise Positionsdaten von Darstellern und Bühnenelementen.
„Maria Theresia – Das Musical“ feierte am 10. Oktober 2025 seine Weltpremiere im Ronacher. Für die Umsetzung der kreativen Konzepte von Lichtdesigner Ben Cracknell und Sounddesigner Carsten Kümmel greift das Team auf Hard- und Software von zactrack zurück.
Das Herzstück des Systems bilden Tracker, die von den Darstellern am Körper getragen werden, sowie Anker rund um Bühne und Zuschauerraum.
Florian Andratsch, Leitung Beleuchtung Ronacher, beschreibt den Umfang des Systems: „Für die Produktion setzen wir insgesamt zehn Anker und 21 Tracker ein. Der vom zactrack-System abgedeckte Bereich umfasst in der 2D-Fläche rund 80 bis 100 Quadratmeter und erstreckt sich im 3D-Raum bis auf etwa sechs Meter Höhe.“
Die Tracker verschwinden in Perücken oder eigens genähten Kostümtaschen, die schwarzen Anker unauffällig in den Traversen des Ronacher.
Mehr als nur ein Verfolger: Tracking als kreatives Werkzeug
Die visuelle Welt von Maria Theresia lebt von Kontrasten: Rund 1.500 Licht-Cues, integrierte Pixel-LEDs und unterschiedliche Nebeleffekte begleiten den Wechsel zwischen großen Ensembleszenen und intimen Momenten.
Ben Cracknell, Lichtdesigner der Produktion, beschreibt die visuelle Konzeption: „Maria Theresia verfügt über eine außergewöhnliche musikalische und visuelle Welt. Wir erzählen die epische Geschichte einer bemerkenswerten Frau im Zentrum großer politischer und persönlicher Veränderungen. Mein Ansatz war es, ein Design mit einem enormen visuellen Vokabular zu schaffen, das in einem Moment schön, skulptural und theatralisch sein kann und im nächsten in etwas Kühnes, Zeitgenössisches und Spektakuläres explodiert.“
zactrack ist dabei Teil des Lichtdesigns: Positionsdaten ermöglichen es, mehrere Scheinwerfer gleichzeitig auf die Performer auszurichten.
Ben Cracknell erläutert, warum ihn zactrack als kreatives Werkzeug überzeugt: „Für mich ist das Spannende an zactrack, dass es nicht einfach ein Ersatz für den traditionellen Verfolgerscheinwerfer ist. Es ist zu einem weiteren kreativen Werkzeug im Lichtdesign geworden. Bei Maria Theresia nutzen wir Tracking, damit mehrere Scheinwerfer gleichzeitig aus verschiedenen Winkeln den Darstellern folgen und sie modellieren können.“
Präzision auf der Bühne
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die Nummer „Ist viel jemals genug“.
Florian Andratsch beschreibt diese konkrete Anwendung: „Bei ‚Ist viel jemals genug‘ steht Maria Theresia in einem einzelnen Gegenlicht, das sie dauerhaft verfolgt. Diese Effekte wären ohne zactrack so nicht umsetzbar.“ Das System kommt für das Licht in nahezu jeder Szene zum Einsatz.
Ben Cracknell fasst den praktischen Nutzen für die tägliche Arbeit zusammen: „zactrack sorgt dafür, dass wir das Lichtdesign Vorstellung für Vorstellung zuverlässig reproduzieren können. So kann ich mich auf das Gesamtbild konzentrieren.“
Vor jeder Show werden die Tracker geladen, auf ihre Funktion geprüft und an die Darsteller ausgegeben. Im laufenden Betrieb überwacht das Team das System über den Web-Monitor. Dort lassen sich auch Speed-Presets, Offsets und Freeze-Werte live anpassen, um ein präzises Tracking zu gewährleisten.
122 Lautsprecher: Präziser Klang im Raum
Das Sounddesign von Maria Theresia verbindet räumlichen mit druckvollem Klang.
Patrick Polly, Leitung Ton Musical, beschreibt die räumliche Aufteilung: „Das Orchester spielt im Orchestergraben, während Schlagzeug und Percussion in eigens dafür ausgestatteten Studioräumen im Untergeschoss untergebracht sind.“
Insgesamt 122 Lautsprecher sind im Saal und auf der Bühne installiert, darunter 50 Surround-Lautsprecher auf allen Ebenen. Sie übertragen Atmosphären, Effekte und einzelne Instrumente und schaffen ein räumliches Klangbild.
Carsten Kümmel, Sounddesigner der Produktion, erläutert die akustische Herausforderung: „Wir haben eine sehr große stilistische Spannweite: von barockähnlichen Rezitativen bis hin zu Hip-Hop, und das in einer für Beschallung sehr schwierigen akustischen Umgebung. Um dies zu lösen bin ich auf getrennte PA-Systeme gegangen, eines für das Orchester und eines für die Sänger. Zusätzlich ist das Sounddesign in weiten Teilen stark in 3D angelegt, um dem Publikum ein höchstes Maß an Umhüllung zu geben.“
Lokalisation von Performern verbessert Klangerlebnis
Für die präzise Verortung der Stimmen wird zactrack mit TiMax eingesetzt. Die Positionsdaten der Darsteller sorgen dafür, dass das Publikum Stimmen aus jener Richtung wahrnimmt, aus der sie auch optisch kommen.
Carsten Kümmel beschreibt den Effekt für das Publikum: „Dadurch hat das Publikum immer eine exakte Lokalisation der Solisten.“
Gleichzeitig nutzt Kümmel zactrack für das Bühnenmonitoring: Die Solisten hören sich an ihrer jeweiligen Position um 6 dB lauter. So lässt sich die Bühnenlautstärke reduzieren und der Bleed in den Zuschauerraum verringern, was die Sprachverständlichkeit verbessert und für einen klareren Gesamtklang sorgt.
Patrick Polly betont die enge Zusammenarbeit der Abteilungen: „Bei der Umsetzung arbeiten Sounddesign und Tonabteilung eng mit Musical Supervisor, Musical Director, Orchester und Regie zusammen.“ Ziel sei es dabei, dem Publikum das bestmögliche Klangerlebnis zu bieten.
Technik, die in den Hintergrund tritt
Unabhängig davon, wo sich Maria Theresia oder Friedrich von Preußen auf der Bühne bewegen, reagieren Licht und Ton vollautomatisch und in Echtzeit. zactrack kann zudem PSN-Daten (PosiStageNet) verarbeiten, die als Positionsdaten in Kombination mit der Stage-Precision-Grid-Software verwendet werden.
Florian Andratsch ergänzt, wofür die PSN-Daten konkret genutzt werden: „Wir verwenden die PSN-Daten vom Schnürboden, also von einzelnen Zuglatten, Seilzügen und so weiter, um einzelne Bühnenteile zu tracken, im konkreten Beispiel eine fliegende Brücke oder ein fahrendes Podest in der Mitte der Bühne.“
Auch das Video nutzt diese Daten, um beispielsweise die räumliche Darstellung von Content an die Bewegung der Backwall, einer fahrenden LED-Wall, anzupassen. Bis zu achtmal pro Woche läuft zactrack so nahezu unsichtbar im Hintergrund.
Ben Cracknell zieht ein persönliches Fazit zum System: „Letztlich ist es genau das, was ich am System am meisten schätze: Die Technologie tritt in den Hintergrund, schafft mehr kreative Freiheit und lässt das Publikum gänzlich in die Geschichte eintauchen.“