Für die Präsentation des neuen Mercedes-AMG GT 4-Door Coupé verwandelte More To Show die Sixth Street Bridge in Los Angeles in eine großformatige Eventlocation. Im Auftrag der globalen PR- und Kommunikationsagentur OSK entstand gemeinsam mit CONSUL und den Kreativteams von Mercedes ein technisch aufwendiges „Autobahn-Erlebnis“ mit Licht, Video, Sound, Pyrotechnik, Bühnenbau und Rigging. Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Überraschungsauftritt von Blink-182.
More To Show koordinierte das Projekt unter der Leitung von Technical Design Director und Gründer Jordi Vandekerkhof mit Teams aus Belgien und Los Angeles. Insgesamt kamen rund 230 Lkw mit Produktionstechnik zum Einsatz. Während der Aufbauphase arbeiteten zeitweise bis zu 350 technische Mitarbeiter gleichzeitig auf dem Gelände.
Für die Umsetzung standen lediglich 48 Stunden zur Verfügung. Vorausgegangen waren mehrere Monate Planung, Genehmigungsverfahren sowie statische und logistische Vorbereitungen.
Sixth Street Bridge wird zur Autobahn
Die 2022 neu eröffnete Sixth Street Bridge gehört zu den bekanntesten Bauwerken von Los Angeles und war bereits in zahlreichen Film-, Fernseh- und Musikproduktionen zu sehen.
Für das Mercedes-Event wurde das Gelände in mehrere Bereiche gegliedert. Eine Tribüne überspannte die Fahrbahn und bildete einen Tunnel, durch den die Fahrzeuge während der Präsentation mit hoher Geschwindigkeit fuhren. Dahinter befand sich ein großes LED-Schild mit dem Schriftzug „Autobahn“.
Weitere Bereiche dienten der Fahrzeugpräsentation, Hospitality und dem Networking der rund 600 geladenen Gäste. Für den späteren Auftritt von Blink-182 wurde zusätzlich eine temporäre Bühne integriert, die bis zum Konzert weitgehend verborgen blieb.
„Ihre Pläne waren äußerst ambitioniert, sie wussten, was sie erreichen wollten, und wir haben alle gemeinsam daran gearbeitet, dies nach den höchsten Qualitätsstandards zu verwirklichen“, sagt Jordi Vandekerkhof, Technical Design Director und Gründer von More To Show.
Mehr als 1.500 Scheinwerfer
Die Beleuchtung verantwortete Ombre, das auf Licht spezialisierte Schwesterunternehmen von More To Show. Lichtdesigner Luc De Climmer und sein Team setzten mehr als 1.500 Scheinwerfer verschiedener Hersteller ein, darunter ARRI, Astera, Ayrton, CHAUVET Professional, Claypaky, ELATION, GLP und ROBE.
Da die meisten technischen Elemente nicht an der Brückenkonstruktion befestigt werden konnten, entstanden sechs jeweils 16 Meter hohe Technikmasten mit einem Durchmesser von 3,5 Metern. Sie wurden entlang der Strecke und der Tribüne positioniert und dienten als zentrale Träger für Beleuchtung und weitere technische Systeme.
An jedem Turm waren rund 20 Ayrton-Scheinwerfer montiert. Moving Lights von ELATION und GLP standen entlang der Fahrbahn sowie unter der Tribüne. CHAUVET PXL Curve und ARRI SkyPanel betonten die charakteristischen Bögen über der Strecke.
Acht Vari-Lite VL3600 wurden über ein PRG GroundControl-System eingesetzt, um die vorbeifahrenden Fahrzeuge manuell zu verfolgen.
Astera für Präsentations- und Hospitality-Bereiche
Astera Titan Tubes und LunaBulbs sorgten für die atmosphärische Beleuchtung der Hospitality- und Catering-Bereiche. QuikPunch-Scheinwerfer übernahmen zusätzliche Aufgaben bei der Präsentation der Fahrzeuge.
Auch Pyrotechnik war ein zentraler Bestandteil der Inszenierung. Pyrotecnico FX installierte unter anderem Flüssigkeitsflammenanlagen und Showven uFlamer II auf der Brücke sowie weitere Systeme direkt am Autobahn-Schild.
Während der Fahrzeugfahrten wurden die Lichteffekte exakt mit den Bewegungen der Autos synchronisiert. Mehrere Beam-Effekte liefen entlang der Strecke, während weitere Scheinwerfer in den Himmel gerichtet wurden. GLP JDC1 beleuchteten die Fahrzeuge zusätzlich seitlich mit kräftigem Weißlicht.
Die Steuerung erfolgte über zwei grandMA3 Full-Size Konsolen. Eine weitere Full-Size stand für die Vorvisualisierung zur Verfügung, ergänzt durch eine grandMA3 light für Aufbau und Fokussierung.
Die Pre-Viz-Arbeiten wurden mit Depence zunächst in Belgien und später in einer lokalen Pre-Viz-Suite fortgesetzt.
Präsentation des neuen Mercedes-AMG GT 4-Door Coupé (Foto: © Mercedes-Benz AG)Blink-182 als Überraschung
Für den Auftritt von Blink-182 wurden drei zuvor hinter dem großen Autobahn-Schild verborgene Traversen abgesenkt. Das von PRG entwickelte Bodenträgersystem war mit Moving Lights und Strobes ausgestattet.
Zusätzliche Bodenbeleuchtung wurde unmittelbar vor dem Konzert auf die Bühne gebracht. Außerdem wurden Scheinwerfer der benachbarten Technikmasten neu ausgerichtet.
Damit wandelte sich die Fahrzeugpräsentation innerhalb kurzer Zeit in eine Konzertproduktion, ohne dass die Bühne zuvor als solche erkennbar gewesen war.
15 Meter breiter LED-Screen
Das zentrale visuelle Element war ein 15 Meter breiter und 5 Meter hoher LED-Screen aus ROE Visual Vanish V4ST. Er befand sich rund acht Meter über der Fahrbahn, sodass die Fahrzeuge während der Präsentation direkt darunter hindurchfahren konnten.
Brompton Tessera Prozessoren übernahmen das LED-Processing. Die Medienwiedergabe erfolgte über disguise VX4 Server in einem durchgängigen 10-Bit-Workflow.
Ein Barco E2 verarbeitete die Live-Kamerasignale und ermöglichte den Wechsel zwischen IMAG und vorproduzierten Inhalten.
Das Kamerasystem bestand aus sieben Sony UHD-Kameras, zwei Drohnen und drei POV-Kameras. Ein EVS-System ermöglichte Replays während der Fahrzeugpräsentation.
Nach der offiziellen Präsentation wurde der Screen zur Kulisse für Blink-182 und anschließend für einen DJ/VJ-Act.
Meyer Sound und TiMax für bewegten Fahrzeugsound
Auch das Audiosystem musste deutlich mehr leisten als eine klassische Eventbeschallung. Neben Sprache, Musik und Soundeffekten sollte vor allem die Bewegung der Fahrzeuge akustisch nachvollziehbar werden.
Sounddesigner Peter Philips von MONO arbeitete gemeinsam mit Douglas Plander von PRG an einem umfangreichen Meyer Sound System. Zum Einsatz kamen LEO, LYON, LEOPARD und 1100-LFC Subwoofer sowie ULTRA-X40 und UPJ als Fills.
Das Hauptsystem bestand aus LEO-Arrays links und rechts des Autobahn-Schilds. Zwei LEOPARD Delay-Arrays unterstützten die Tribüne. Weitere Lautsprecher wurden entlang der Strecke und hinter dem Publikum positioniert.
Für die räumliche Steuerung kam ein TiMax SoundHub zum Einsatz. Anthony Narciso programmierte das System so, dass sich Soundeffekte synchron zu den Fahrzeugbewegungen über die verschiedenen Lautsprecherpositionen bewegen konnten.
Zusätzliche LFE-Subwoofer unter der Tribüne verstärkten während der Fahrzeugenthüllung das physische Klangerlebnis.
Echtzeit-Audio direkt aus den Fahrzeugen
Eine besondere Herausforderung bestand darin, den künstlich erzeugten Fahrzeugsound des elektrischen Mercedes-AMG in die Show einzubinden.
Die Fahrzeuge erzeugen unter anderem simulierte Motor- und Schaltgeräusche, die im Innenraum und über externe Lautsprecher wiedergegeben werden. Für die Veranstaltung griff das Audioteam direkt auf diese in Echtzeit erzeugten Signale zu.
Die Audiodaten wurden drahtlos an mehrere Antennen übertragen und anschließend über ein Glasfasernetz in die Beschallungsanlage eingespeist. Dadurch konnten die Geräusche der tatsächlich fahrenden Autos räumlich über das TiMax-System bewegt werden.
Da die Fahrzeuge bis kurz vor der Präsentation geheim bleiben sollten, standen sie erst am Veranstaltungstag zur Verfügung. Für die Integration blieb dem Audioteam deshalb lediglich ein einziger vollständiger Testlauf.
Gemischt wurde die Veranstaltung auf einer DiGiCo SD12. Blink-182 brachte für den eigenen Auftritt ein Tour-Control- und Monitor-System mit und nutzte die vorhandene PA-Infrastruktur.
Die Crew vor Ort (Foto: © Lauren Kim)Internationale Zusammenarbeit
More To Show setzte für das Projekt auf die Zusammenarbeit seiner Teams in Europa und den USA. Die Niederlassung in Los Angeles war rund 18 Monate zuvor gegründet worden.
„Dank dieser großartigen Synergie, des Austauschs von Wissen und Ideen sowie der geografischen Lage konnten wir die Zeitunterschiede nutzen, sodass unsere Teams in der EU und den USA nahtlos und effizient zusammenarbeiten konnten“, erklärt Vandekerkhof.
Für More To Show wurde die Mercedes-Produktion damit zu einem Beispiel dafür, wie internationale Teams, spezialisierte Dienstleister und unterschiedliche technische Gewerke für komplexe Markeninszenierungen zusammengeführt werden können.