Pixel Sharp projiziert Bayeux-Teppich auf Dover

Projektion von Pixel Sharp vom Teppich von Bayeux auf die Weißen Klippen von Dover

Eine fast tausend Jahre alte Geschichte trifft auf moderne Projektionstechnik: Für das British Museum brachte Pixel Sharp vom Teppich von Bayeux inspirierte Motive auf die Weißen Klippen von Dover. Vier Panasonic RQ35K 4K-Laserprojektoren sorgten für die Bilder. Die eigentlichen Herausforderungen lagen jedoch in der Logistik, der ungewöhnlichen Projektionsfläche und dem britischen Wetter.

„Merci“ an den Weißen Klippen

Anlass für die Projektion war die bevorstehende Rückkehr des Teppichs von Bayeux nach England. Das British Museum wollte Frankreich mit einer weithin sichtbaren Botschaft danken und wählte dafür einen Ort mit besonderem historischen Bezug: die White Cliffs of Dover.

Fast 1.000 Jahre nach den auf dem Teppich dargestellten Ereignissen erschienen an den Klippen Motive, die von dem historischen Werk inspiriert waren. Ergänzt wurden sie durch ein schlichtes „Merci“.

Mit der technischen Umsetzung wurde Pixel Sharp beauftragt. Anthony Pickles, Kommunikationsleiter des British Museum, war auf das Portfolio des Spezialisten aufmerksam geworden und kontaktierte Gründer und Geschäftsführer Jon Sharpe.

Die kreative Grundidee stand zu diesem Zeitpunkt bereits. Pixel Sharp musste daraus eine Projektion entwickeln, die über große Entfernung auf einer unregelmäßigen natürlichen Oberfläche funktioniert.

Die Klippen werden zur Projektionsfläche

Anders als eine konventionelle Leinwand bieten die Weißen Klippen weder eine ebene noch eine durchgehend homogene Oberfläche. Je nach Jahreszeit verändern Moos und Vegetation Teile der Kreidefelsen und damit Farbe, Reflexion und Kontrast.

Diese Bedingungen mussten bereits bei der Content-Erstellung berücksichtigt werden. Pixel Sharp arbeitete deshalb gemeinsam mit dem Content-Team des British Museum an der nutzbaren Projektionsfläche und den geeigneten Bildkompositionen.

„Projektion ist Licht“, erklärt Jon Sharpe, Gründer und Geschäftsführer von Pixel Sharp. „Man muss sicherstellen, dass die Farben genug Durchschlagskraft haben.“

Dunklere Farbtöne mussten entsprechend vorsichtig eingesetzt werden. Auch Typografie und Schriftgrößen wurden auf die enorme Dimension, den Betrachtungsabstand und die Struktur der Klippen abgestimmt.

Pixel Sharp empfahl zudem, unterschiedliche Varianten der Inhalte vorzubereiten. Bilder und Texte ließen sich dadurch je nach den tatsächlichen Bedingungen vor Ort unterschiedlich auf der verfügbaren Fläche positionieren.

Entscheidend war nicht, wie die Gestaltung auf einem Monitor wirkte. Sie musste nach der Projektion auf eine natürliche Felswand lesbar bleiben und dort als Gesamtbild funktionieren.

Vier Panasonic RQ35K für die Projektion

Neben der Projektionsfläche stellte der Standort selbst hohe Anforderungen. Die Projektionsposition befand sich an Land, war jedoch nur über Gelände erreichbar, das den Transport großer Mengen von Technik erschwerte. Einen Stromanschluss gab es ebenfalls nicht.

Das komplette System musste deshalb so dimensioniert sein, dass ein kleines Team die Technik zum Einsatzort transportieren, innerhalb eines engen Zeitfensters aufbauen und vollständig über mobile Akkus betreiben konnte.

„Wenn ich mich für eine Technologie entscheide, denke ich immer über die Logistik der Installation nach und darüber, wie viele Leute ich dafür benötigen werde“, sagt Sharpe.

Pixel Sharp entschied sich für vier Panasonic RQ35K 4K-Laserprojektoren. Die Geräte wurden als zwei doppelt gestapelte Paare eingesetzt. Die Energieversorgung des gesamten Projektionssystems erfolgte über tragbare Akkus.

Für Sharpe spielte dabei das Verhältnis zwischen Lichtleistung und Handhabbarkeit eine wichtige Rolle. Eine leistungsfähigere Lösung bringt bei einer solchen Produktion wenig, wenn für Transport und Installation zusätzliche Fahrzeuge, Hebetechnik oder erheblich mehr Personal benötigt werden.

„Trotz der Leistung dieses Projektors können drei Personen ihn hochheben, auf einen Tisch stellen und umstellen“, erklärt Sharpe. „Alles ist recht unkompliziert.“

3-Chip-DLP für gleichmäßiges Mapping

Pixel Sharp und sein Netzwerk hatten Panasonic-Projektoren bereits bei anderen großformatigen Projektionen und immersiven Produktionen eingesetzt. Diese Erfahrung sollte bei dem engen Zeitplan in Dover einen möglichst vorhersehbaren Workflow gewährleisten.

„Wir setzen sie immer ein. Wir lieben sie“, sagt Sharpe. „Sie sind super einfach zu bedienen, und wir sind sehr an Panasonic-Projektoren gewöhnt.“

Neben der Bedienung nennt Sharpe die Handhabung der Objektive und die über verschiedene Produktgenerationen hinweg vertrauten Bedienkonzepte als Vorteile.

Für großformatige Multiprojektor-Anwendungen setzt Pixel Sharp zudem bewusst auf 3-Chip-DLP-Technologie.

„Wenn wir ein Mapping-Projekt mit mehreren Projektoren durchführen, entscheiden wir uns immer für 3-Chip-DLP“, erläutert Sharpe. „Die Farben stimmen überein, die Einstellungen lassen sich besser vornehmen und die Gleichmäßigkeit im gesamten Bild ist höher.“

Gerade beim Zusammenspiel mehrerer Projektoren kann eine möglichst konsistente Farbwiedergabe und Bildcharakteristik den Zeitaufwand während der Einrichtung reduzieren.

Das Team von Pixel Sharp

Wenige Stunden für Aufbau und Mapping

Das Zeitfenster an den Klippen war begrenzt. Sharpe hatte bereits an mehreren Projektionen an den White Cliffs gearbeitet und kannte den Standort. Für die Positionierung der Projektoren benötigte das Team einige Stunden. Das eigentliche Mapping nahm anschließend etwa eineinhalb Stunden in Anspruch.

Während sich die technischen Abläufe planen ließen, sorgte das Wetter für wesentlich weniger berechenbare Bedingungen.

Zunächst zog dichter Nebel über die Klippen. Dadurch wurden nicht nur Helligkeit und Bildschärfe beeinträchtigt. Zeitweise war auch die Oberfläche kaum sichtbar, auf die das Team die Bilder ausrichten musste.

Als sich der Nebel schließlich lichtete, folgte das nächste Problem: Ein Gewitter näherte sich der Küste.

Für ein Team, das an einem ungeschützten Standort mit elektrischer Technik und großen mobilen Akkus arbeitet, bedeuteten die herannahenden Blitze ein Sicherheitsrisiko. Pixel Sharp nahm deshalb die benötigten Aufnahmen auf und beendete den Betrieb früher als ursprünglich vorgesehen.

Für Sharpe bestätigt die Situation einen grundlegenden Ansatz bei Outdoor-Produktionen: Die Umweltbedingungen lassen sich nicht kontrollieren. Umso wichtiger sind zuverlässige Technik, Erfahrung und entsprechende Ausweichpläne.

„Man muss sicherstellen, dass man Schutz hat, dass man abgesichert ist und dass man Ausweichpläne parat hat“, sagt er.

Projektion verbreitet sich über Dover hinaus

Das fertige Mapping verband die vom Teppich von Bayeux inspirierten Bilder mit der Botschaft „Merci“. Die Inszenierung blieb dabei nicht auf das Publikum vor Ort beschränkt. Bilder der Projektion verbreiteten sich anschließend international und wurden laut der vorliegenden Projektbeschreibung unter anderem vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron geteilt.

Für Sharpe hängt die Resonanz auch mit der kulturellen Bedeutung des Teppichs von Bayeux und den dargestellten Ereignissen des Jahres 1066 zusammen.

„Das ist etwas, was wir schon als Kinder lernen“, sagt er. „Wir alle lernen etwas über das Jahr 1066. Es ist ein unglaublich wichtiges Stück Geschichte.“

Für Pixel Sharp hatte die Produktion noch eine weitere Bedeutung. Das junge Spezialstudio besteht aus einem Netzwerk erfahrener technischer Leiter, Projektmanager, kreativer Produzenten und Künstler, die bereits an unterschiedlichen großformatigen Projektions- und Immersionsproduktionen beteiligt waren.

Statt einen umfangreichen eigenen Technikbestand vorzuhalten, stellt Pixel Sharp für einzelne Produktionen Teams und Technologiepartner entsprechend den jeweiligen Anforderungen zusammen. Das Projekt in Dover bot dem Unternehmen damit eine Gelegenheit, diese Arbeitsweise unter eigenem Namen sichtbar zu machen.

Projektion gibt Inhalten einen räumlichen Kontext

Für Sharpe zeigt die Installation zugleich, worin sich großformatige Projektionen von vielen anderen digitalen Medienformen unterscheiden. Statt Inhalte auf einer klassischen rechteckigen Bildfläche darzustellen, wird der physische Ort selbst zum Bestandteil der Inszenierung.

„Der ganze Wert liegt darin, dass man seiner Botschaft einen Kontext geben kann, indem man sie an einem Ort platziert oder die Art und Weise verändert, wie sie wahrgenommen wird“, sagt Sharpe.

Gerade bei kulturellen und historischen Themen kann die Technik damit in den Hintergrund treten und den eigentlichen Inhalt unterstützen, statt ihn zu dominieren.

„Wenn man etwas auf einzigartige Weise präsentiert, bleibt es den Menschen im Gedächtnis“, fasst Sharpe zusammen.

Bei den Weißen Klippen von Dover wurde dieser Ansatz besonders unmittelbar sichtbar: Eine Geschichte aus dem 11. Jahrhundert erschien mit moderner Projektionstechnik an einem Ort, der selbst Teil des historischen und geografischen Zusammenhangs ist.