MUSE – Der Sound der Pyramide

Das Soundsystem in der 360-Grad-Variante Das Soundsystem in der 360-Grad-Variante

Das Soundsystem in der 360-Grad-VarianteNachdem wir im ersten Teil unseres Muse-Reports die Pyramide unter die Lupe genommen haben, ist heute das Beschallungssystem dran. Audio Crew Chief Liam Tucker von Skan PA hat uns vor allem das d&b-Beschallungssystem und das Monitoring erläutert.

Audio Crew Chief Liam TuckerAudio Crew Chief Liam TuckerDie PA stammt von d&b audiotechnik: In einer normalen Show kommen pro Seite vier Hangs zum Einsatz: Main Hang, Subhang, Sidehang (J8 und J-Subs) und einen 270-Grad-Hang (J12, da der Abstrahlwinkel mit 120 Grad größer ist als bei der J8). Unter der Bühne befinden sich noch weitere J-Subs und -Infras. „The poundy pound comes from under the stage“, wie Audio Crew Chief Liam Tucker es ausdrückt. Die Subs unter der Bühne werden bereits in die Rollbühne integriert, bevor diese beim Aufbau unter das Rigg geschoben wird, um Zeit beim Auf- und Abbau zu sparen.

Rigg down 20 Minuten nach Showende

Denn nach dem Konzert muss die Bühne innerhalb von 20 Minuten wieder weggerollt werden, bevor das Rigg herabgelassen wird. Die Bühne stammt von Brillant Staging.Da es sich in München um eine 360-Grad-Show handelt, kommen hinter der Bühne zwei weitere Hangs zum Einsatz, hier verwendet Tucker die neue V-Serie von d&b. „Der Vorteil der V-Serie ist in diesem Fall ihr geringes Gewicht, und da sich in der Mehrzahl der Fälle hinter der Bühnen nicht mehr als ein paar Hundert Sitzplätze befinden, reicht sie trotz ihrer kompakten Größe für diesen Zweck völlig aus“, so Tucker. Darüber hinaus fügt sich die V-Serie bestens in den Gesamtsound der übrigen J-Serie ein.

Für jede Banane werden drei Motoren eingesetzt, wobei die beiden vorderen über einen Dreieckswinkel mit dem Line Array verbunden sind, dadurch fallen eventuelle minimale Ungleichheiten nicht ins Gewicht. Laut Liam Tucker muss das Line Array durch diese Vorgehensweise auch nicht nochmals gesichert werden und ist zudem vollständig gegen Verdrehen gesichert.

Main Hang, Subhang, Sidehang (d&b J8 und J-Subs)Main Hang, Subhang, Sidehang (d&b J8 und J-Subs)Generell fiel die Entscheidung von Skan PA neben der Qualität des Materials vor allem deswegen auf d&b, weil sich der Lautsprecherhersteller aus Backnang durch hervorragenden After-Sales-Support auszeichnet. Skan PA ist ein relativ kleines Unternehmen und nicht immer war Liam bei anderen Herstellern mit der Service-Qualität so zufrieden wie bei d&b. Mittlerweile besteht fast das ganze Portfolio von Skan PA aus Material von d&b. Es gab Überlegungen, in K1 zu investieren, aber letztendlich blieben die Engländer der J-Serie treu. Dieselben Erfahrungen hat Tucker mit Midas gemacht: Die neuen Digitalkonsolen erforderten durchaus noch einige Beratung, die Midas vorbildlich lieferte.

Das Monitoring der Band wird ausschließlich über InEar mit der Sennheiser 2000 Serie realisiert, auf der Bühne befindet sich kein einziger Wedge. Vier verschiedene Systeme mit jeweils verschiedenen Frequenzbereichen sind mit auf Tour, um in jedem Teil der Erde problemlos funken zu können: AW und GW sowie zwei weitere Systeme für Länder wie Russland oder Italien, wo diese Frequenzbereiche für militärische Zwecke oder vom Fernsehen genutzt werden. Auch die Instrumenten-Verstärker befinden sich allesamt unter der Bühne. Die einzigen Instrumente sind ein Schlagzeug und ein Keyboard sowie ein Plexiglas-Flügel, der bei einigen Songs hydraulisch auf die Bühne gehoben wird. Es gibt verschiedene Mikrofonpositionen, jedes Mikrofon kann auf jeden beliebigen Effektweg geroutet werden, je nachdem, welcher der Musiker es gerade benutzt.

Sämtliche Konsolen von Midas

Midas PRO9 am MonitorplatzMidas PRO9 am MonitorplatzDas Audionetzwerk für die Stage-Inputs wird durch ein AES50-Netzwerks realisiert, die Signalverteilung für die PA erfolgt mittels eines Dolby Lake Controllers über ein Dante-Netzwerk. Der Controller agiert dabei als per  iPad oder iPhone fernbedienbarer Geschmacks-EQ, was vor allem wegen der 360-Grad-Bühne Sinn macht. Schließlich kann man nicht gleichzeitig am FoH stehen und den Sound hinter der Bühne beurteilen. Systeminterne akustische Anpassungen und Delayzeiten werden jedoch ausschließlich mit den „Bordmitteln“ in den D12 Systemendstufen realisiert. Alle Konsolen stammen von Midas: Am Monitorplatz eine PRO9, am FoH eine analoge XL4 sowie eine PRO2 für Automation, Gruppierung und Effekte.

Eingangseitig gilt es, 72 Signale zu verwalten, hinzu kommen Clicktracks und Talkbacks. Jedes Mitglied der Band hat ein umschaltbares Mikrofon, um mit der übrigen Band oder dem persönlichen Techniker kommunizieren zu können. All diese Signale laufen am Monitorplatz zusammen.

FoHFoHWenn die Pyramide aus dem Rigg herabgelassen wird, verändert das den Gesamtsound übrigens nicht, da sowohl die J-Serie als auch die neue V-Serie nur minimal nach hinten abstrahlen. Aber da Liam Tucker das Material von d&b seit langem kennt, machte er sich diesbezüglich keine Sorgen. Größere Sorgen bereiteten ihm dafür die von den LED-Screens ausgehenden elektromagnetischen Wellen: Er befürchtete, sie könnten den Signalfluss der InEar- und Wireless-Systeme stören oder ganz zum Erliegen bringen. Die besonders kritische Situation während des Gigs wäre dafür das Ende des Konzerts gewesen, wenn die Band komplett in der Pyramide verschwindet, die sich über die Bühne herabsenkt. Liam Tucker bat daher Sennheiser um Unterstützung, das Team des Mikrofonherstellers konnte allerdings auch mit hochempfindlichen Messgeräten keine maßgeblichen Störungen im Inneren der Pyramide feststellen. Auf Tour stellte sich dann endgültig die Furcht vor einem „Funkloch in der Pyramide“ als unbegründet heraus. Glück für Liam und seine Crew – Denn an der Pyramide war nicht zu rütteln, sie stand felsenfest wie ihre große Schwester in Gizeh.

www.skanpa.co.uk
www.dbaudio.com/de
www.midasconsoles.com

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Autor: Markus Wilmsmann