Beim Eurovision Song Contest 2026 in der Wiener Stadthalle kamen mehr als 700 Ayrton-Scheinwerfer im Lichtdesign von Tim Routledge zum Einsatz. Der Wettbewerb wurde am 12., 14. und 16. Mai vom Österreichischen Rundfunk übertragen und feierte sein 70-jähriges Jubiläum vor 11.000 Zuschauern in der Arena sowie einem internationalen TV-Publikum.
LED- und Laser-Design für den ESC
Tim Routledge gestaltete zum dritten Mal das Lichtdesign für den Eurovision Song Contest. Erstmals wurde der Wettbewerb mit einem vollständig auf LED- und Lasertechnik basierenden Lichtsetup realisiert. Zum Ayrton-Rig gehörten Cobra, EagleStrike, Khamsin, Mamba, MagicDot Neo, Nando 502, RawBeam 350, Rivale Profile und Zonda 9 FX.
Routledge arbeitete erneut mit dem Showdesigner Florian Wieder zusammen. Dessen Bühnenbild kombinierte einen großen LED-Boden und Hintergrund mit einer passerelle in Form eines geschwungenen Blattes, dem seitlich angeordneten „Golden Construct“ aus goldenen Traversen sowie einem Laufsteg zwischen Green Room und Bühne.
Tim Routledge: „Wir haben eng zusammengearbeitet, um die Beleuchtung nahtlos in das Bühnenbild zu integrieren, sodass die schönen Kurven erhalten blieben, ohne dass störende Beleuchtungselemente das Design verdeckten. Ich wollte ein einfaches, sehr klares Raster über der Bühne, das es mir ermöglicht, die Anordnung der Lichtstrahlen kontinuierlich zu verändern, und mir Optionen für die Vielzahl an Requisiten und Kulissen bietet, die von den Teilnehmerbeiträgen verwendet werden. Wir wollten außerdem einen klaren Look, wenn Traversen vor die Leinwand gebracht wurden, und ein eleganteres kinetisches System als bewegliche Pods oder Traversen.“
Rivale Profile als kinetisches Herzstück
Eine zentrale Rolle übernahm ein Überkopf-Array aus 80 Ayrton Rivale Profile. Jedes Gerät war an einer eigenen Hochgeschwindigkeits-Kinetikwinde befestigt. Die Winden waren mit Gyroskopen ausgestattet und X-, Y- und Z-gesteuert. In Verbindung mit Follow-Me konnten die Leuchten während der Show präzise verfolgt und positioniert werden.
Tim Routledge: „Alle Winden verfügten über ein Gyroskop, um sie stabil zu halten, und sind X-, Y- und Z-gesteuert, sodass wir mit FollowMe die Kontrolle über jedes Licht in diesem Rig übernehmen konnten. Wir haben die Positionsdaten der Leuchten jederzeit live in die Konsole eingespeist, was bedeutete, dass wir die Lichter auf einen Punkt richten und sie bewegen konnten, ohne ihren Fokus zu verändern.“
Das Rivale-Array war an allen drei Showabenden im Einsatz. Es erzeugte kinetische Bewegungen, sinusförmige Wellen, Spiralen und wechselnde Auftrittsbereiche. Für Beiträge aus Norwegen, Serbien und JJs Neuauflage des österreichischen Siegertitels von 2025, „Wasted Love“, wurden die Rivale Profiles bis auf Bühnenhöhe abgesenkt, um Gobos zwischen den Künstlern zu projizieren und seitliches Oberlicht zu erzeugen. Bei Luxemburg und Frankreich kamen subtilere Gobo-, Rahmen-, Lauflicht- und Polka-Dot-Effekte zum Einsatz.
Tim Routledge: „Wir haben uns für das Rivale Profile für das Raster entschieden, da es unsere Anforderungen perfekt erfüllte: ein hochwertiges Profil mit Blende, hoher Lichtleistung und guter Farbwiedergabe, das wir als Hauptlicht, Hintergrundlicht und für Effekte einsetzen konnten, außerdem lag es mit 30,8 kg ohne Kabel buchstäblich genau im Gewichtsziel, da unsere Gewichtsgrenze für jede kinetische Winde bei 35 kg lag.
Tim Routledge weiter:„Wir haben sie durchgehend eingesetzt, nicht nur für große Effekte, sondern auch als einzelne Leuchten, die wir je nach Song als Hintergrundlicht, Oberlicht und Hauptlicht für verschiedene Sets einsetzen konnten. Der Siegerbeitrag, Bulgarien, begann zum Beispiel in einem ‚Büro‘, und wir haben einfach 6 Rivale über dem Büro als Oberlicht platziert, bevor sie alle zu kinetischen Effekten wurden. Bei einem anderen Song hatten wir ein einzelnes Hintergrundlicht im hinteren Bildausschnitt, das selbst fast unsichtbar war: Anstatt eine Leuchte auf die leere Bühne zu rollen, konnten wir einfach eine Winde in die Dunkelheit absenken und die Lichter als theatralisches TV-Hauptlicht, Hintergrundlicht oder Kreuzlicht einschleichen, sowie die großen, epischen Bewegungen ausführen. Ein flexibles Lichtgitter an sehr dünnen, verkabelten Winden, das ich einfach dort absenken konnte, wo es gebraucht wurde, erwies sich als saubere und effiziente Methode, um überall auf dieser Bühne alles Mögliche zu kreieren, ohne die wunderschöne, fließende Übergangsszene von Boden zu Wand zu verdecken – sie waren die ultimativen ‚beweglichen‘ Moving Lights!“
Monroe aus Frankreich beim Eurovision Song Contest 2026 (Foto: © Alma Bengtsson/EBU )MagicDot Neo im Golden Construct
Zu beiden Seiten der zentralen LED-Rückwand befand sich Florian Wieders „Golden Construct“. Die abstrakte Struktur aus goldenen Rohrleitungen bildete einen Kontrast zu den organischen Linien des Blatt-Designs. An den oberen und unteren Kanten der Traversenabschnitte war jeweils ein Ayrton MagicDot Neo installiert.
Der MagicDot Neo besitzt eine ähnlich kleine Grundfläche wie der ursprüngliche MagicDot und erzeugt einen hochauflösenden Flüssigkeitseffekt am Rand des Lichtstrahls.
Tim Routledge: „Rund 100 MagicDot Neos leisteten ganze Arbeit, hauptsächlich als Punktlichtquelle, um das goldene Gitter für die Kamera interessanter zu machen und die Bühne einzurahmen.“
Mamba, Cobra und EagleStrike für Arena-Looks
Die Kameraführung des Eurovision Song Contest nutzte zahlreiche 360-Grad-Perspektiven auf Bühne und Publikum. Dafür wurden vier konzentrische Traversenringe über dem Zuschauerraum installiert, die die Kurven der Laufbrücke aufnahmen. Ergänzend kamen lineare Arrays auf mehreren Ebenen über Publikum und Green Room zum Einsatz.
101 Ayrton Mamba wurden an den beiden größten kreisförmigen Traversen montiert. Sie umrandeten die Bühne und hintere Publikumsbereiche und erzeugten großflächige Beam-Effekte im Raum, darunter Sweeps zur Einführung neuer Acts.
Tim Routledge: „Gleich hinter den Mambas befanden sich 80 Cobras an den äußersten geraden Traversenpositionen auf beiden Seiten des Raums, so hatten wir zwei große architektonische Beam-Looks für die Arena, einen kreisförmigen und einen linearen, zwischen den beiden verschiedenen Scheinwerfertypen.“
Für zusätzliche Beam-Effekte kamen 92 Ayrton EagleStrike zum Einsatz. Sie wurden für Hintergrundlicht, Querlicht, teilweise als Hauptlicht sowie für dynamische Effekte an den Seiten des Raums eingesetzt.
Tim Routledge: „Mamba, Cobra und EagleStrike erwiesen sich als ein Trio zuverlässiger Beam-Scheinwerfer, die das Publikum mit tollen Lichtstrahlen verwöhnten.“
Publikum, Green Room und Rückansichten
Für die Beleuchtung des Publikums und des Green Rooms wurden 106 Ayrton Zonda 9 FX genutzt. Sie waren überwiegend im hinteren Publikumsbereich montiert und dienten als Hintergrund- und Hauptlicht auf das Publikum. Ergänzend kamen 58 Ayrton Nando 502 an der Rückwand des Green Rooms und an zwei Ringtraversen zum Einsatz.
Der Ayrton RawBeam 350 feierte beim Eurovision Song Contest sein Debüt. 64 Geräte bildeten lineare Arrays auf drei Ebenen im hinteren Bereich des Green Rooms. Von dort aus erzeugten sie Strahlen für Rückansichten, Abgänge der Acts und Reflexionen auf dem glänzenden schwarzen Boden.
Tim Routledge: „Der RawBeam sorgte für unsere wichtigsten Big-Beam-Effekte, Gobo-Arbeit und den Look im Hintergrund und leistete viel Arbeit in den Gegenschüssen als Punktlichtquelle sowie bei der Beleuchtung des Green Room“, bestätigt Routledge. „Es waren großartige, hochauflösende Strahlen – absolut zuverlässig und ohne Probleme.“
Zusätzlich waren 48 Ayrton Khamsin im Einsatz. Sie waren an der äußeren ringförmigen Traverse montiert und hinterleuchteten den Green Room, das Golden Construct und weitere Elemente der Bühnenbilder.
Verantwortungsbewusste Produktion mit LED- und Lasertechnik
Für Routledge lag eine zentrale Herausforderung darin, große visuelle Momente mit einem verantwortungsbewussteren technischen Ansatz zu verbinden. Die vollständige Umsetzung mit LED- und Laser-Scheinwerfern war dabei Teil des gestalterischen und technischen Konzepts.
Tim Routledge: „Wir hatten dieses Jahr eine riesige Auswahl an Ayrton-Produkten, auf die wir alle stolz waren und die unsere Erwartungen teilweise sogar übertrafen, insbesondere der RawBeam, und wir werden in den kommenden Projekten im Laufe dieses Jahres noch viel mehr davon sehen. Beim Eurovision Song Contest dreht sich alles um große Momente. Die Herausforderung bestand darin, etwas zu entwerfen, das beeindruckend und groß wirkt, hinter den Kulissen aber deutlich verantwortungsbewusster ist. Der Einsatz von 100 % LED- und Lasertechnologie in dieser Größenordnung zeigt, dass man beides haben kann – spektakuläre Visuals und eine nachhaltige Produktion.“
Neg Earth liefert Ayrton-Rig
Alle Ayrton-Scheinwerfer wurden von Neg Earth geliefert. Die britische Firma war erneut als Beleuchtungslieferant für den Eurovision Song Contest beteiligt.
Lindsey Markham, Projektmanagerin bei Neg Earth: „Neg Earth ist unglaublich stolz darauf, auch in diesem Jahr wieder der Beleuchtungslieferant für den Eurovision Song Contest gewesen zu sein. Die Leidenschaft, der Ehrgeiz und die Tatkraft von Tim Routledge und seinem Team sind ansteckend, und wir genießen die Herausforderung, diese einzigartige Show zu realisieren. Die Integration von über 2.500 Lichtgeräten mit maßgeschneiderten Bühnenkonstruktionen und innovativen Technologieelementen erfordert die Zusammenarbeit zwischen uns, dem Designteam, dem technischen Team (unter der tadellosen Leitung von Lichtmeister Keith Duncan), dem Produktionsteam des Eurovision Song Contests und natürlich den Herstellern der Geräte selbst, die sich über das übliche Maß hinaus engagieren, um die Show zu unterstützen.
„Die Zusammenarbeit mit Ayrton und Ambersphere ist immer eine Freude. Ihr Verständnis für die Anforderungen einer Show dieser Größenordnung und ihr zuverlässiges, proaktives Engagement unterstützen uns unermesslich dabei, hochkarätige Shows dieser Art nach den hohen Standards zu realisieren, auf die wir bei Neg Earth stolz sind“, freut sich Markam.
Ambersphere unterstützt Designteam und Lieferant
Ambersphere Solutions unterstützte als Ayrton-Vertriebspartner für Großbritannien das Design- und Programmierteam sowie den Lichtlieferanten Neg Earth Lights.
Philip Norfolk, Vertriebsleiter bei Ambersphere Solutions: „Wir bei Ambersphere haben uns sehr gefreut, das Design- und Programmierteam für den Eurovision Song Contest sowie den Lichtlieferanten Neg Earth erneut unterstützen zu können. Als Ayrton-Vertriebspartner für Großbritannien wissen wir, wie wichtig es ist, Projekte und Veranstaltungen im nahen wie fernen Ausland zu unterstützen. Daher ist es uns eine große Freude, Tim Routledge und sein Team bei Design und Programmierung sowie Neg Earth Lights bei Spezifikationen, Ausrüstung und Logistik zu unterstützen. Ein großes Lob an alle Beteiligten.“
Mitwirkende
- Lichtdesigner: Tim Routledge
- Produktions- und Bühnenbildner: Florian Wieder
- Assistenz-Lichtdesigner: Morgan Evans, James Scott
- Moving-Light-Programmierer: Alex Mildenhall, Martin Higgins
- Key-Light-Programmierer: Marc Nicholson
- Nachtprogrammierer: Olly Martin, Manfred Nikitser
- Spot-Caller: Louisa Smurthwaite
- Beleuchtungsmeister: Keith Duncan
- Lichtverleih: Neg Earth
Ayrton-Produkte beim ESC 2026