Bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall standen in dieser Spielzeit „West Side Story“ und „Cabaret“ auf dem Programm. Bühne ist eine 54-stufige Sandsteintreppe mitten in der Stadt, der Zuschauerraum ist tagsüber ein öffentlicher Marktplatz. Sound Designer Simon Hüging erklärt, wie man diesen Ort beschallt, warum das FOH auf Rollen steht und weshalb das Theater seine DiGiCo-Konsolen mietet, die Netzwerk-Infrastruktur aber selbst besitzt.
Die Freilichtspiele spielen seit 1925 auf der Freitreppe vor St. Michael, Musicals gibt es dort seit 1990. Im Jahr 2025 feierte das Haus sein 100-jähriges Bestehen mit „West Side Story“ und zählte rund 78.000 Besucher. Hüging ist seit 2019 als Sound Designer für die Musicals gebucht. Seitdem hat er das Setup gemeinsam mit der Tonabteilung Schritt für Schritt umgebaut, bis schließlich an beiden Mischplätzen Konsolen von DiGiCo standen.
Proben mitten im Stadtleben
Wer in Schwäbisch Hall tagsüber über den Marktplatz geht, läuft durch den Zuschauerraum. Die Bühne ist die Sandsteintreppe zur Michaelskirche, der Platz davor bleibt bis zum Einlass öffentlich. Geprobt wird also mitten im Stadtleben, Bühnenbild und Technik werden immer wieder abgesperrt und freigegeben. Daraus ist eine eigene Lösung für das Front of House entstanden.
Simon Hüging beschreibt die mobile FOH-Position: „Unsere FOH-Ausstattung sitzt auf einer eigens gebauten Rollkonstruktion. So wechseln wir relativ einfach zwischen der Probenposition in der Platzmitte und der Kabine hinter dem Zuschauerbereich, aus der wir die Shows fahren.“
Für die PA ist der Platz alles andere als einfach. Die Bestuhlung ist asymmetrisch und sehr breit und fällt nach hinten ab. Rundherum stehen Fachwerkhäuser mit reflektierenden Fassaden. Das hat die Planung der PA nach Hügings Worten vor besondere Herausforderungen gestellt.
Acht bis 22 Musiker im Orchester
Die Musicals auf der Treppe unterscheiden sich stark. Mal spielt ein großes, mal ein kleines Ensemble, und das Orchester umfasst zwischen acht und 22 Musiker.
Für Simon Hüging gilt trotzdem derselbe Anspruch: „Jede Show soll dennoch ein klangliches Erlebnis für jeden einzelnen Zuschauer und jede Zuschauerin sein.“
Deshalb ist das Material so ausgewählt, dass alle bisherigen und alle geplanten Produktionen ohne größere Änderungen an der Infrastruktur darauf laufen. Weil die Produktionen in relativ kurzer Zeit entstehen, will Hüging zudem Material, „das klanglich genau das umsetzt, was ich hineingebe“.
An beiden Mischplätzen standen Konsolen von DiGiCoKonsolen gemietet, Glasfaser gekauft
Die Konsolen kommen als Saisonmiete vom Dry-Hire-Anbieter AUDIObrelloX. Netzwerk-Infrastruktur, Glasfaser und PA gehören dagegen dem Theater.
Simon Hüging erklärt die Vorteile der Miete: „Durch die Miete hat das Theater kein Problem mit Lagerplatz und Service im Winter. Auch während der Saison bleibt der Service beim Verleiher und nicht beim Theater hängen.“
Ändert sich etwas an der Struktur, lässt sich ein Pult außerdem leichter tauschen. In der Saison 2026 wurde genau das relevant.
Simon Hüging über die finanzielle Lage: „Wie alle kulturbezogenen Produktionen bestätigen können, erleben wir einen starken Wandel, der sich auf die finanziellen Mittel auswirkt.“
Die Freilichtspiele finanzieren sich größtenteils selbst über den Kartenverkauf. Viele Stellschrauben gibt es in der Tonabteilung daher nicht. Für „Cabaret“ stand deshalb am Monitorplatz eine SD12-96. Bei „West Side Story“ kam dagegen eine Quantum 326 zum Einsatz, schon wegen der Größe von Cast und Orchester und weil die Produktion darauf eingerichtet war. Die FOH-Konsole bleibt hingegen die ganze Saison über dieselbe, denn über sie läuft zu viel Infrastruktur.
Optocore als feste Basis
Auf Hügings Empfehlung hat das Theater Optocore Festival Boxen gekauft. Abgewickelt wurde der Einkauf über den audioXshop, die projektbezogene Verkaufsmarke von AUDIObrelloX.
Simon Hüging begründet die Wahl: „Das war zu der Zeit die einfachste und flexibelste Lösung, um unsere Infrastruktur so zu gestalten, wie wir sie benötigen. Mit der flexiblen SFP-Bestückung schicken wir verschiedene Protokolle verschiedener Gewerke über die eigens unterirdisch verlegten Glasfaserkabel.“
Dass das Theater diesen Teil selbst besitzt, hält Hüging für klug. Das Netzwerk steht als Erstes in der Saison, alle Gewerke können darauf aufsetzen, und bei Änderungen lässt es sich schnell anpassen.
Optocore Festival BoxIn-Ear-Mixe mit KLANG
Das In-Ear-Monitoring für den Cast läuft über herkömmliche Funkstrecken. Ein Teil der Mixe wird dabei über das 3D-IEM-System von KLANG realisiert. Das Orchester arbeitet mit KLANG:kontrollern, was den Monitor-Engineer entlastet. Einen Teil der KLANG:kontroller besitzt das Theater selbst, ebenfalls über den audioXshop bezogen. Diesen Eigenbestand nutzen die Freilichtspiele in der Winterspielzeit in ihrer zweiten Spielstätte. In der Hauptspielzeit wird er regelmäßig mit Material aus dem Mietbestand von AUDIObrelloX ergänzt.
Vorbereitung im Lager
Von einem Dry-Hire-Partner erwartet Hüging zunächst Grundsätzliches: Das Material ist zum vereinbarten Zeitpunkt da und in Ordnung, und bei Problemen gehen Kontakt und Tausch schnell. Hervorzuheben ist für ihn vor allem die Arbeit im Vorfeld.
Simon Hüging lobt die Vorbereitung: „Toll ist die Vorbereitung im Lager. Wir besprechen vorher die Konfiguration der SD-Racks, DMI-Karten, IDs und so weiter. Wenn das Material dann zu uns kommt, ist schon alles so weit wie möglich vorbereitet.“
Wenn es doch einmal brennt, kommt nach seinen Worten auch am Freitagabend noch jemand vorbei, um die Karten der SD-Racks zu tauschen.
Die Konsolen kommen als Saisonmiete vom Dry-Hire-Anbieter AUDIObrelloXPremium-Fader an beiden Pulten
Inzwischen haben beide Konsolen die neuen DiGiCo Premium-Fader. Beim Wechsel der Monitorkonsole auf die Quantum 326 brachte der Verleiher sie direkt mit, kurz darauf wurden auch die Fader am FOH getauscht.
Simon Hüging zum Fader-Upgrade: „Beide Operator sind sehr glücklich darüber. Generell finde ich, dass dieses Upgrade längst überfällig war, aber jetzt ist es endlich auf dem Markt.“