Festung Königstein eröffnet immersive Erlebniswelt

Frontseitige MT10 Hochleistungslautsprecher und MT5.2 Installationslautsprecher von ProAudio Technology als Surround-Kanal bilden die mehrkanalige Beschallung

Auf der Festung Königstein ist die neue Erlebnisstation „Sturm auf den Königstein: ein Angriff, der nie geschah“ eröffnet worden. Die Installation macht ein historisches Angriffsszenario erlebbar, das nie stattgefunden hat, aber die Wehrhaftigkeit der über 800 Jahre alten Festungsanlage vermittelt. Die technische Umsetzung verantwortete whitebox aus Dresden. Das Systemdesign entstand in Zusammenarbeit von ZEN Audio Engineering, Soundlike Großbeschallungstechnik, ProAudio Technology, Hoellstern und Xcite Audio.

Immersive Geschichtsvermittlung auf der Besucherplattform

Die Erlebnisstation inszeniert historische Verteidigungsszenarien auf einer eigens entwickelten Besucherplattform. Großformatige Visualisierungen, mehrkanaliger Surround-Sound und haptische Effekte greifen ineinander. Kanonen feuern, Tore schließen sich, Brücken werden hochgezogen und Geschosse schlagen ein.

Besucher erleben die Szenen nicht nur visuell und akustisch. Über die Plattform und integrierte Sitzmöbel werden Erschütterungen körperlich wahrnehmbar. Ziel der Installation ist eine Vermittlung historischer Inhalte, bei der Bild, Klang und haptische Wirkung ein gemeinsames Erlebnis bilden.

Daniel Sommer, Geschäftsführer von whitebox: „Unser Ziel war es, die Wehrhaftigkeit der Festung nicht nur zu erklären, sondern für die Besucher spürbar zu machen. Die größte Herausforderung bestand darin, eine technisch robuste Lösung für die besonderen Bedingungen auf der Festung zu entwickeln und gleichzeitig ein Höchstmaß an Immersion zu erreichen. Erst das Zusammenspiel von Licht, Bild, Klang und Vibration macht das historische Szenario zu einem eindrucksvollen Erlebnis.“

Systemdesign für ein historisches Umfeld

Das Systemdesign der Installation verantwortete Ben Zenker von ZEN Audio Engineering. Im Bereich Audio- und Systemdesign wurde er von André Neuhaus von Soundlike Großbeschallungstechnik unterstützt.

Die Herausforderung lag darin, unterschiedliche Gewerke so miteinander zu verbinden, dass ein konsistentes und glaubwürdiges Gesamterlebnis entsteht. Neben der akustischen Abbildung mussten auch visuelle Inhalte, haptische Effekte und die besonderen baulichen Bedingungen der historischen Anlage berücksichtigt werden.

Ben Zenker, Geschäftsführer von ZEN Audio Engineering: „Bei immersiven Anwendungen entscheidet nicht die einzelne Komponente über die Qualität des Erlebnisses, sondern das Zusammenspiel aller Gewerke. Unser Ziel war es, Audio, Haptik und visuelle Inhalte so aufeinander abzustimmen, dass die Besucher die dargestellten Ereignisse intuitiv und glaubwürdig wahrnehmen. Das Ergebnis ist eine Form der Geschichtsvermittlung, die historische Inhalte auf eine völlig neue Weise erfahrbar macht.“

Mehrkanaliges Audiosystem von ProAudio Technology

Eine zentrale Rolle übernimmt die Audiotechnik. Die Installation musste eine hohe Dynamik bei vergleichsweise geringem Gesamtpegel abbilden und zugleich eine klare Sprachverständlichkeit in einem akustisch anspruchsvollen historischen Umfeld ermöglichen.

Für die Beschallung der rund 30 Quadratmeter großen Erlebnisplattform kommt ein mehrkanaliges Lautsprechersystem von ProAudio Technology zum Einsatz. Verbaut wurden vier MT10 Hochleistungslautsprecher, vier MT5.2 Installationslautsprecher und ein SW12 Subwoofer.

Die MT10 bilden das akustische Rückgrat der Installation. Sie übernehmen dynamische Signalanteile, Impulse und Sprachanteile innerhalb der Inszenierung. Die kompakten MT5.2 Lautsprecher ergänzen das System und lassen sich durch ihre flache Bauform unauffällig in die historische Architektur integrieren.

Verstärkung und Signalverarbeitung über 10.4-DSP

Signalverarbeitung und Verstärkung erfolgen über zwei 10.4-DSP Systemverstärker von ProAudio Technology auf Basis von Hoellstern. Bei immersiven Anwendungen mit Audio und Körperschall sind hohe Leistungsreserven, Laststabilität und präzise Kontrolle der Signalwege entscheidend.

Schnelle Impulsfolgen, Kanonensalven und dicht aufeinanderfolgende Einschläge benötigen eine Verstärkerplattform, die akustische und physische Effekte kontrolliert abbildet. Dadurch bleiben einzelne Klangereignisse klar voneinander getrennt und behalten auch in komplexeren Sequenzen ihre Wirkung.

Udo Höllstern, Geschäftsführer von ProAudio Technology und Hoellstern: „Immersive Erlebniswelten stellen besondere Anforderungen an die Audiotechnik. Es reicht nicht aus, einzelne Effekte nur laut wiederzugeben. Entscheidend ist, dass jede Szene tonal sehr präzise und mit authentischer Dynamik akustisch und physisch über den gesamten Frequenzbereich abgebildet wird – auch dann, wenn Sequenzen dichte und extrem impulsive Signalfolgen aufweisen. Genau solche Anforderungen beherrschen unsere Verstärkerplattformen mit Lasten
ab 2 Ohm perfekt.“

Vier MT10 Hochleistungslautsprecher von ProAudio Technology bilden an der Front das akustische Rückgrat der Installation und sorgen für hohe Sprachverständlichkeit, Dynamik und zuverlässigen Betrieb

Körperschall macht Kanonenschläge spürbar

Neben der akustischen Ebene nutzt die Installation ein Körperschallsystem von Xcite Audio. Acht XBS200 und vier XBS100 Körperschallwandler wurden direkt in die Besucherplattform und in die Sitzmöbel integriert.

Kanonenschläge, Einschläge und das Schließen massiver Tore werden dadurch nicht nur hörbar, sondern körperlich erfahrbar. Die Plattform wird zum aktiven Bestandteil der Inszenierung.

Die haptische Ebene basiert auf einer eigens entwickelten Signalaufbereitung von Sound Designer Felix Findeisen. Statt lediglich tieffrequente Signale an die Körperschallwandler weiterzugeben, werden relevante Ereignisse gezielt analysiert und als eigenständige physische Effekte inszeniert. Dadurch erweitert die haptische Ebene den Klangraum um eine zusätzliche Wahrnehmungsebene.

Udo Höllstern: „Besonders beeindruckend ist hier das Zusammenspiel von Klang und körperlicher Wahrnehmung. Besucher hören nicht nur einen Kanonenschlag, sie erleben ihn. Wenn Audio, Bild und Haptik so präzise ineinandergreifen, entsteht eine Form von Immersion, die einnimmt und nachhaltig in Erinnerung bleibt.“

Wirkung ohne hohen Tieftonpegel

Ein Vorteil des Körperschallsystems liegt in der Entkopplung von physischer Wirkung und akustischem Pegel. Da ein Teil der Energie direkt über die Besucherplattform übertragen wird, kann die gewünschte Intensität vieler Effekte erreicht werden, ohne den Tieftonpegel im Raum entsprechend zu erhöhen.

Gerade in historischen Gebäuden und sensiblen Ausstellungsumgebungen eröffnet dieser Ansatz neue Möglichkeiten für immersive Erlebnisse mit kontrollierter akustischer Belastung. Gleichzeitig verbessert er die Zugänglichkeit, weil Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen zusätzliche körperliche Wahrnehmungsebenen nutzen können.

Medientechnik als Teil der Besuchererfahrung

Die Erlebnisstation auf der Festung Königstein zeigt, wie moderne Medientechnik historische Inhalte erfahrbar machen kann. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel aus Szenografie, Visualisierung, Audio, Haptik und Systemdesign.

Für Museen, Besucherzentren und kulturelle Einrichtungen entsteht daraus ein Ansatz, der Inhalte nicht nur erklärt, sondern räumlich, akustisch und körperlich vermittelt. Die Installation auf der Festung Königstein macht moderne audiovisuelle Systeme damit zu einem integralen Bestandteil der Besuchererfahrung.