Die Musical-Produktionsfirma spotlight musicals aus Fulda hat eine 12 x 7 Meter große LED-Wand aus der OREZ Series von INFiLED in Betrieb genommen. Geplant und installiert hat sie der Distributor und Rental-Dienstleister ETHA International. Bemerkenswert ist die Wahl, weil OREZ eigentlich ein Outdoor-Fine-Pitch-Produkt für Digital-out-of-Home, Rental und Außenwerbung im Handel ist. Ausschlaggebend war, dass das Ensemble sowohl im Theater als auch auf Open-Air-Bühnen spielt und dafür einen einzigen Screen statt zwei verschiedener Systeme wollte.
Musicals an historischen Orten
spotlight musicals wurde im November 2003 in Fulda gegründet und entwickelt und produziert eigene Musicals. Bekannt ist das Unternehmen vor allem dafür, seine Stücke an den historischen Orten aufzuführen, an denen die Geschichten spielen. „Bonifatius“ feierte 2004 im Schlosstheater Fulda Premiere, 2007 folgte „Elisabeth“ in Eisenach, 2012 „Friedrich“ in Potsdam. „Kolpings Traum“ war 2013 in Wuppertal und in der Audienzhalle des Vatikans zu sehen. International bekannt wurde das Unternehmen mit „Die Päpstin“, das 2011 nach dem Roman von Donna W. Cross entstand.
2019 brachte spotlight musicals „Bonifatius“ auf den Fuldaer Domplatz, mit mehr als 200 Mitwirkenden und dem Kölner Symphonie Orchester vor über 4.000 Zuschauern. Die Jubiläumsgala 2024 am selben Ort zog mehr als 6.000 Besucher an. Inzwischen überträgt das Unternehmen Open-Air-Konzerte auch live. Damit änderten sich die Anforderungen an einen Screen, der im Saal, unter freiem Himmel und vor der Kamera gleichermaßen funktionieren muss.
Ein Screen für zwei Welten
Vier Faktoren bestimmten die Spezifikation. Da ein Screen dieser Größe das Bühnenbild prägt, mussten die Panels fugenlos ausgerichtet sein. Die verfügbare Bühnentiefe ließ keinen klassischen Ground Support zu. Theaterbühnen sind zudem voll mit Kulissen, Vorhängen sowie Licht- und Tontechnik und schlecht belüftet, und Lüftergeräusche wären für Darsteller und Publikum hörbar. Schließlich musste die Crew die Wand schnell und sicher transportieren, aufbauen und abbauen können.
Thorsten Hoffmann von ETHA International beschreibt die Ausgangslage: „Normalerweise braucht ein Ensemble, das drinnen und draußen spielt, zwei unterschiedliche Screen-Spezifikationen, weil beide Umgebungen genau Gegensätzliches verlangen. Draußen hat man es mit Wetter, Umgebungslicht und Temperaturschwankungen zu tun. Drinnen mit begrenzter Tiefe, schlechter Belüftung und einem Publikum, das nah genug sitzt, um die Technik zu hören. Beides mit einem Produkt abzudecken hieß, von der Outdoor-Spezifikation auszugehen und dann zu beweisen, dass sie auch auf der Bühne funktioniert.“
Entscheidung nach acht Monaten
Die Lösung entstand in acht Monaten Abstimmung zwischen ETHA, INFiLED und spotlight musicals. Dazu gehörte ein Besuch von Geschäftsführer und technischem Leiter der Produktionsfirma im Showroom von INFiLED, um die Produkte live zu testen. Für OREZ sprachen der Pixel Pitch von 2,6 mm, kontrastreiche Black-SMD-LEDs, die Schutzart IP65 und ein Betriebstemperaturbereich von −20 bis +50 °C. Für den Einsatz im Theater waren außerdem Leistungsaufnahme und Bauweise der Cabinets entscheidend.
Die Wand besteht aus 336 Cabinets im Format 500 x 500 mm und erreicht auf 84 Quadratmetern eine Auflösung von 4.608 x 2.688 Pixeln. Die maximale Helligkeit liegt bei 5.000 Nits. Die Bildwiederholrate von 3.840 Hz ist für die Übertragung ebenso relevant wie für das Publikum im Saal. Der Pixel Pitch erhält auch bei den kurzen Betrachtungsabständen im Theater die Bilddetails, die Helligkeit reicht für Tageslicht im Freien.
Zugstangen und Stacking
Das Problem der begrenzten Bühnentiefe löste das Team mit einer Kombination aus Zugstangen und Stacking. Chris Hemburger von ETHA passte diese Lösung an die vorhandene Theaterstruktur an, statt vom Haus ein Standard-Rig zu verlangen.
Leistung, Wärme und Gewicht
Für den Indoor-Einsatz spielt die Leistungsaufnahme eine wichtige Rolle. Ein OREZ-Panel nimmt maximal 180 W und durchschnittlich 60 W auf. Bei 336 Panels ergibt das maximal rund 60 kW, im laufenden Betrieb eher 20 kW. Weniger Leistung bedeutet weniger Abwärme auf der ohnehin schlecht belüfteten Bühne. Das Cabinet aus einer Magnesiumlegierung unterstützt zudem die Wärmeableitung und soll so das Risiko von Bildfehlern und verkürzter Lebensdauer durch überhitzte LEDs senken.
Jedes Cabinet wiegt 7,6 kg und hat integrierte Tragegriffe, die gesamte Wand kommt damit auf gut 2,5 Tonnen Panelgewicht. Ein Anti-Kollisions-Design schützt die LED-Oberfläche beim häufigen Transport und Handling auf Tournee. Über einen beidseitigen Servicezugang lassen sich einzelne Panels warten, ohne dass lange Ausfallzeiten entstehen.
Dieselbe Wand, die im Theater den Bühnenhintergrund bildet, kommt damit auch bei Open-Air-Konzerten zum Einsatz. Für ein Ensemble, das seine Stücke an die Orte der Handlung bringt, reist der Screen künftig mit.